Weniger Investitionen
Mittelstand plant mehr Entlassungen

Der deutsche Mittelstand plant angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute einer Umfrage der DZ Bank zufolge in den kommenden Monaten weniger Investitionen und den Abbau weiterer Stellen.

Reuters FRANKFURT. "Die Diskussionen um das Schlusslicht Deutschland sorgen für eine depressive Stimmung", sagte Hans Jäckel, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der DZ Bank, am Mittwoch in Frankfurt bei der Vorstellung der Ergebnisse der Herbstumfrage. Nur eineinhalb Jahre nach dem Höchststand der seit 1993 laufenden Umfrage bewerteten die rund 2500 befragten mittelständischen Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als so schlecht wie nie zuvor. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage blickten die Betriebe auch pessimistischer in die Zukunft.

"Die Geschäftslage ist sehr schlecht, die Erwartungen auf niedrigem Niveau, aber stabil", fasste Jäckel die Umfrage zusammen. Allerdings verwies der Volkswirt mit Blick auf die Erwartungen der Unternehmen darauf, dass die Umfrage weitgehend vor der Bundestagswahl abgeschlossen worden sei. Wegen der seitdem bekannt gewordenen Steuererhöhungs- und Sparpläne der Bundesregierung hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter verschlechtert. So führten Volkswirte den erneuten Rückgang des Ifo-Indexes im November vor allem auf die Regierungspläne zurück.

Dunkelstes Kapitel ist Beschäftigungsplanung

Vom Mittelstand sind für die anhaltend schwache Investitionsnachfrage der Umfrage zufolge kaum Impulse zu erwarten. Sofern die Betriebe überhaupt Investitionen planten, wollten sie vor allem veraltete Anlagen ersetzen, sagte Jäckel. "Das dunkelste Kapitel ist aber die Beschäftigungsplanung." Der Saldo aus Unternehmen mit Einstellungsplänen und solchen mit Personalabbauplänen sei auf den niedrigsten Stand seit Herbst 1996 gefallen. "Die Beschäftigungspläne lassen erwarten, dass es am deutschen Arbeitsmarkt weiter abwärts geht", sagte Jäckel.

Angesichts der schwachen Konjunktur gewinnt der Umfrage zufolge das Thema "Existenzsicherung" für die Mittelständler weiter an Bedeutung. Die für dieses Jahr erwarteten rund 40.000 Insolvenzen beträfen zu 99 Prozent kleinere und mittlere Unternehmen, sagte DZ-Bank-Vorstandsmitglied Peter Dieckmann. In der Umfrage habe jedes zehnte Unternehmen seinen Fortbestand als eher unsicher eingestuft. Zudem könnten in jedem dritten ostdeutschen und jedem fünften westdeutschen Unternehmen neue Wachstumsfelder wegen fehlender oder ungenügender Finanzmittel nicht erschlossen werden.

Neben einer schlechten Gewinnsituation sorge vor allem eine zu niedrige Eigenkapitalquote für schwierige finanzielle Voraussetzungen, sagte Dieckmann. Mehr als ein Drittel der Unternehmen habe angegeben, in den vergangenen zwei bis drei Jahren sei es schwieriger geworden, einen Bankkredit zu erhalten. Dieckmann riet den Betrieben zu absoluter Offenheit und Transparenz. Dabei erkannten viele Firmen die viel diskutierten neuen Kreditvergaberichtlinien (Basel II) als Chance. "Das Rating kann interne Problemfelder aufdecken und durch Verbesserungen zu einem effizienteren Wirtschaften führen", sagte Dieckmann. Die Banken müssten in diesem Zusammenhang nicht nur informieren, sonder auch mit den Unternehmen zusammen Schwachstellen aufspüren.

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