Weniger Kredite in 2001 gegenüber dem Vorjahr
Hypothekenbanken rechnen mit leicht steigenden Zinsen

Einen moderaten Anstieg der Zinsen erwarten die Hypothekenbanken für die zweite Jahreshälfte. Das vergleichsweise niedrige Zinsniveau werde aber weiterhin das Geschäft der Immobilienfinanzierungen stützen.

Reuters FRANKFURT. Für die deutschen Hypothekenbanken wird 2002 nach Einschätzung des Bundesverbandes VDH erneut ein schwieriges Jahr. Im Staatskreditgeschäft werde ein weiterer Rückgang des Geschäfts erwartet, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Hypothekenbanken (VDH), Karsten von Köller, in Frankfurt. Bei der Immobilienfinanzierung rechne er ebenfalls mit einem leichten Rückgang, bestenfalls mit einem gleichbleibenden Geschäft. "Es gibt keine Hoffnung auf wunderbare Steigerungsraten."

Die im Jahresverlauf erwartete Konjunkturerholung wird von Köllers Einschätzung zufolge der Baukonjunktur erst mittelfristig Impulse verleihen. Auch gebe es Belastungen durch die Situation am Arbeitsmarkt. Zur Zinsentwicklung sagte der VDH-Präsident: "Wir gehen davon aus, dass die Hypothekenzinsen in der zweiten Jahreshälfte eher etwas steigen werden. Dennoch wird das im historischen Vergleich noch immer niedrige Zinsniveau das Immobilienfinanzierungsgeschäft mit Privat- und Firmenkunden stützen".

Grund zum Optimismus für das laufende Geschäftsjahr bietet nach den Worten des VDH-Präsidenten die für Mai erwartete Novelle des Hypothekenbankgesetzes (HBG). Die Neufassung wird es den Spezialbanken erlauben, im Staats- und Hypothekarkreditgeschäft erstmals auch in den USA, Kanada und Japan zu agieren. Bei der Refinanzierung eröffnet das Gesetz die Möglichkeit, bei Pfandbriefemissionen in begrenztem Maß auch Derivate in Deckung zu nehmen. "Die HBG-Novelle eröffnet den Hypothekenbanken neue Ertragspotenziale und schafft zusätzliche Möglichkeiten zur Risikodifferenzierung", sagte von Köller.

Das Jahr 2001 war nach Worten des Verbandspräsidenten von einem deutlichen Geschäftsrückgang geprägt. Das Neugeschäft der VDH-Mitgliedsinstitute ging um 11,2 Prozent auf 137,5 Milliarden Euro zurück. Im Hypothekarkreditgeschäft waren die Rückgänge den Worten von Köllers zufolge mit 1,8 Prozent auf 45,9 Milliarden Euro moderat. Im Bereich Staatsfinanzierung gingen die Zusagen jedoch um 15,3 Prozent auf 91,6 Milliarden Euro zurück. Ebenfalls rückläufig war 2001 auch der Refinanzierungsbedarf der im VDH vertretenen Hypothekenbanken. Der Brutto-Absatz von Schuldverschreibungen ging um 20,8 Prozent auf 149 Milliarden Euro zurück. Der Nettoabsatz brach aufgrund hoher Tilgungen sogar um 83 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro ein.

Mehr Gewerbe- als Wohnungskredite

Wohnungsfinanzierungen verlieren bei den Hypothekenbanken gegenüber gewerblichen Beleihungen an Bedeutung. Das Verhältnis von Gewerbezusagen zu Wohnungsfinanzierungen hat nach Auskunft des Bundesverbandes VDH im Berichtsjahr bei 57 zu 43 Prozent gelegen. Zum Vergleich: In den Jahren 1995 bis 1998 lagen die Wohnungskredite rund doppelt so hoch wie die gewerblichen Zusagen. Konkret seien im Berichtsjahr 26,2 (25,1) Mrd. Euro Gewerbekredite und 19,7 (21,6) Mrd. Euro Wohnungskredite zugesagt worden.

Zwar habe im Wohnungsfinanzierungsgeschäft 2001 das im langfristigen Vergleich niedrige Zinsniveau eine Stütze gebildet. Belastet habe indes die schwache Wirtschafts- und Wohnungsbaukonjunktur, insbesondere die ansteigende Arbeitslosigkeit. Auch hätten wohl die in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechterten rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen wie das geänderte Mietrecht, die erhöhte Grunderwerbsteuer oder die auf zehn Jahre verlängerte Spekulationsfrist, nachgewirkt.

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