Weniger neue Stellen
US-Konjunkturdaten signalisieren "weiche Landung"

Reuters WASHINGTON. Die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt hat sich im August etwas verschlechtert und weist damit nach Einschätzung von Analysten auf die seit Monaten erwartete leichte Abkühlung der US-Konjunktur hin. Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte, ging die Zahl der neugeschaffenen Stellen im August um 105 000 zurück nach revidiert minus 51 000 im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 % auf 4,1 %. Volkswirte werteten die Zahlen positiv, da sie eine Verlangsamung der US-Wirtschaft signalisierten und die Angst vor weiteren Zinserhöhungen aus den Märkten nähmen. Im weiteren Tagesverlauf veröffentlichte schwächere US-Konjunkturdaten verstärkten diese Erwartungen. Der $ verlor nach den Zahlen zum Euro deutlich an Boden.



"Die Zahl (der neuen Stellen) war viel niedriger als erwartet. Das ist ein weiteres klares Signal dafür, dass sich die Konjunktur abkühlt", sagte Barry Hyman, Analyst bei Ehrenkrantz King Nussbaum Inc. Die US-Notenbank Fed habe ihre Aufgabe erfüllt, die US-Konjunktur durch Zinserhöhungen vor einer Überhitzung und einem entsprechend starken Einbruch bewahrt zu haben. William Cheney, Chefvolkswirte bei John Hancock Funds in Boston wertete die Zahlen ähnlich positiv. "Das ist konsistent mit der Idee einer "weichen" Landung der US-Wirtschaft, die (US-Notenbankpräsident) Alan Greenspan fordert", sagte er.



Die US-Notenbank hatte auf ihrer jüngsten Sitzung Mitte August die Leitzinsen nicht weiter angehoben, gleichzeitig jedoch zum wiederholten Mal vor möglichen Inflationsrisiken gewarnt. Fed-Chef Alan Greenspan hatte dabei auf die gespannte Lage am Arbeitsmarkt und den damit verbundenen Lohndruck verwiesen, der sich auch auf die Preise überwälzen könne. Die am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten nehmen diesen Argumenten nach Einschätzung von Analysten etwas den Wind aus den Segeln. Eine Zinserhöhung der Fed sei in diesem Jahr wohl nicht mehr zu erwarten, sagten einige Volkswirte.



Der für die Geldpolitik der Fed verantwortliche Offenmarktausschuss der US-Notenbank wird am 3. Oktober zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommen. Der Leitzins in den USA liegt zurzeit bei 6,50 % und damit immer noch zwei Prozent über dem Schlüsselzins der Euro-Zone.



Weitere am späten Freitagnachmittag veröffentlichte US-Konjunkturdaten verstärkten den Eindruck einer konjunkturellen Abkühlung in den USA.



Der US-Einkaufsmanagerindex fiel zum ersten Mal seit 19 Monaten unter die 50-Punkte-Marke auf 49,5 Punkte und signalisierte damit eine Verschlechterung der Lage im Verarbeitenden Gewerbe. Der Vorsitzende der NAPM-Vereinigung, Norbert Ore, sagte nach Bekanntgabe der Zahlen, er erwarte in den kommenden Monaten eine weitere Abschwächung des Index. Dies sei konsistent mit einem verlangsamten Wachstum in den USA.

Auch auf der Konsumentenseite deuteten neue Daten auf eine Abkühlung hin. Wie die Universität Michigan am Freitag bekannt gab, ist das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft des Landes gefallen. Der Index des Verbrauchervertrauens sank im August auf 107,3 Punkte nach 108,3 Punkten im Vormonat. Darüber hinaus verringerten sich die US-Bauausgaben nach Angaben des Handelsministeriums im August um 1,6 % zum Vormonat nach minus 1,3 % im Juli.

Der $ verlor nach Bekanntgabe der Daten gegen den Euro in der Spitze mehr als einen vollen Cent an Boden. Gegen 16.30 Uhr MESZ kostete ein Euro 0,8996/01 $ nach gut 89 Cents vor Bekanntgabe der ersten Zahlen. Die US-Kreditmärkte reagierten mit Kursgewinnen. Der 30-jährige US-Bond lag mit 108-21/32 Punkten zuletzt zehn Ticks im Plus.

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