Weniger Strahlenbelastung für den Patienten
Computertomographen liefern schärfere Bilder

Die neuesten Computertomographen sollen Ärzte und Patienten entlasten. Die Bilder werden noch während der Untersuchung erzeugt und aufbereitet, sind deutlich schärfer und enthalten mehr Details. Vorteil für den Patienten: Die Bestrahlungszeit - und damit die Belastung für den Körper - ist deutlich kürzer.

TÜBINGEN. Ob Polypen im Darmtrakt oder verstopfte Blutgefäße - solch winzige Vorboten möglicherweise schwerer Krankheiten lassen sich neuerdings per Computertomographie erkennen. Die neue Generation dieser High-Tech-Geräte liefert so detaillierte Bilder, dass sich schmerzhaftere Diagnose-Methoden wie Darmspiegelungen umgehen lassen.

Bei Computertomographen (CT) werden die Patienten in eine Röntgenröhre geschoben. Die dreht sich um den Patienten und erzeugt Bilder von einzelnen Schichten des Körpers, die dann der Computer zu einer dreidimensionalen Darstellung verarbeitet. Die neu entwickelten Geräte, die General Electric (GE), Philips und Siemens seit einigen Wochen ausliefern, erzeugen bei jeder Umdrehung 16 Schichten - doppelt so viele wie die bisherigen Modelle. Toshiba will im Herbst ebenfalls mit einem neuen Gerät nachziehen.

Vor allem schwer verletzte Patienten profitieren von der neuen 16-Zeilen-Technologie: "In weniger als 45 Sekunden können Trauma-Patienten von Kopf bis Fuß untersucht werden", sagt Prof. Claus D. Claussen, Chef der Radiologie der Tübinger Uniklinik, die als Entwicklungspartner von Siemens seit fünf Monaten den neuen Computertomographen "Sensation 16" einsetzt. So erhalten die Ärzte ein genaues Bild der Verletzungen und könnten dann entscheiden, was in welcher Reihenfolge operiert wird.

Auch Untersuchungen des Brustkorbs seien jetzt leichter für die Patienten: "Mussten sie bei der Diagnose der Lunge bisher teilweise 40 bis 50 Sekunden lang den Atem anhalten, können die Bilder nun in weniger als zehn Sekunden erzeugt werden", erläutert Claussen. "Wir können mit den neuen Geräten sogar eine virtuelle Darmspiegelung realisieren", sagt Martin Heuschmid, ebenfalls Arzt an der Universität Tübingen. Das nutzt bei der Vorsorge gegen Darmkrebs. Auf dem Bildschirm lassen sich dank der hohen Bildauflösung nun sogar kleine Darmpolypen erkennen, die Vorboten von Krebserkrankungen sein können.

Die neuen Maschinen liefern aber nicht nur mehr Bilder, sie erfassen auch wesentlich dünnere Schichten, sagt Simens-Manager Joachim Buck. Das bringt mehr Detailgenauigkeit. Bei den Computertomographen der ersten Generation lag die Schichtdicke noch bei zehn Millimeter, heute zerschneiden die Geräte das Abbild des Menschen in Scheiben zwischen 0,5 und 1,5 Millimeter Dicke.

"Im Vergleich zu Vorgängergeräten können wir damit nicht nur die großen Gefäße, sondern das gesamte Gefäßsystem des Menschen abbilden", ergänzt Professor Claussen. Das spiele etwa bei Herzuntersuchungen eine Rolle. "Damit kann man sogar in Stents hineinschauen", sagt Heuschmid. Stents sind winzige Röhren, die angegriffene Gefäße offen halten. "Wir können früher erkennen, ob es zu Verstopfungen der Gefäße oder Stents kommt."

Vorteile bringt die Zahl der Bilder auch für die Volumendarstellung, denn "durch die große Zahl der Aufnahmen können Ansichten aus anderen Achsen rekonstruiert werden", sagt Siemens-Manager Buck. Das bedeutet, es werden so viele Bilder erzeugt, dass diese im Rechner zu einem Modell der untersuchten Region zusammenwachsen. Das kann dann im Computer gedreht und auch aus anderen Blickrichtungen angeschaut werden.

Die schnellere Bilderfassung und-verarbeitung ist in erster Linie durch Fortschritte in der Prozessortechnologie möglich geworden. Dabei stecken in den Tomographen im Prinzip die gleichen Komponenten wie in einem PC. Allerdings reicht hier ein einzelner Prozessor nicht aus - die Chips werden zu so genannten Clusters gekoppelt. "Ein Schwerpunkt in unserer Forschung ist die Arbeit an neuen, innovativen Rekonstruktionsalgorithmen, die eine schnellere Umsetzung der Daten erlauben", sagt ein Sprecher von GE Medical Systems.

Auch an der Verbesserung der digitalen Platten für die Aufnahmen - so genannten Detektoren - arbeite der Konzern. "Die einzelnen Detektorzellen, die heute verwendet werden, haben Ränder", sagt der GE-Sprecher. "Je mehr und je kleinere Detektorelemente eingesetzt werden, desto mehr Fläche geht durch die Detektoren verloren." Abhilfe sollen Flachbilddetektoren schaffen, die in den Labors von GE bereits eingesetzt werden.

Quelle: Handelsblatt

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