Weniger Umsatz im Lizenzgeschäft - Weitere Sparmaßnahmen
SAP kann Erwartungen nicht erfüllen

Der Softwarehersteller SAP AG hat im dritten Quartal 2001 trotz eines deutlich gestiegenen Umsatzes ein Ergebnis unter den Erwartungen von Analysten erzielt und seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt.

rtr WALLDORF. Nach Gewinnwarnungen von Großkonzernen aus aller Welt als Folge der Anschläge vom 11. September hat am Donnerstag auch der Softwarekonzern SAP seine Jahresprognose gesenkt. Der Konzern teilte in Walldorf mit, nunmehr werde für dieses Jahr ein Umsatzwachstum von 15 % erwartet, die operative Rendite werde etwa auf dem Vorjahresniveau von 20 % bleiben. Bislang hatte SAP ein Umsatzwachstum um mehr als ein Fünftel und ein Renditeplus von einem bis zwei Prozentpunkte erwartet. Im dritten Quartal ging der Reingewinn des Konzerns zurück und fiel damit deutlich schwächer aus als von Analysten erwartet. SAP kündigte weitere Maßnahmen zur Kostensenkung an, ohne diese genau zu erläutern. An der Börse brach der Kurs der SAP-Aktie ein.

SAP begründete die geänderte Prognose für das Gesamtjahr damit, dass Kunden den Softwarekauf derzeit aufschöben. "Der Softwaremarkt, besonders in den USA, hat sich in der jüngsten Vergangenheit deutlich verändert", teilte Vorstandssprecher Hasso Plattner mit. SAP kündigte als Folge weitere Einsparmaßnahmen an. "Konsequenterweise wird die SAP Maßnahmen zur Kostensenkung beschleunigen", hieß es. Dazu gehöre auch die Anpassung der Zahl der Mitarbeiter sowie der Mitarbeiterstruktur, und dies vor allem in den USA. Ein SAP-Sprecher sagte, unter dem Strich werde der Konzern in diesem Jahr angesichts des gleichwohl starken Wachstums seine Belegschaft nicht reduzieren. "Wir haben aber auch Bereiche, wo wir das Gefühl haben, dass wir etwas überdimensioniert sind", ergänzte er. Im Geschäftsjahr 2000 hatte SAP bei einem Umsatz von 6,3 Mrd. ? einen bereinigten Betriebsgewinn von 1,23 Mrd. ? erzielt.

Im dritten Quartal 2001 steigerte SAP nun seinen Umsatz um 16 % auf 1,65 Mrd. ?. Das operative Ergebnis ohne Berücksichtigung von Sondereffekten stagnierte dagegen bei 201 (Vorjahreszeitraum: 202) Mill. ?. Der Überschuss ohne Aufwendungen durch Zukäufe verringerte sich um mehr als ein Zehntel auf 78 (88) Mill. ?. Damit blieb das Ergebnis deutlich unter den durchschnittlichen Erwartungen von Analysten, die für den Umsatz im Schnitt einen Zuwachs von 19 % und für den Reingewinn einschließlich der Einmaleffekte um nahezu drei Viertel erwartet hatten. Viele Analysten waren nicht davon ausgegangen, dass SAP eine Gewinnwarnung veröffentlichen wird.

Co-Vorstandssprecher Henning Kagermann verwies darauf, dass SAP insgesamt die Prognosen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres erfüllt habe. Gleichwohl habe SAP für das dritte Quartal mit einem höheren Umsatz aus Softwarelizenzen gerechnet. Der Lizenzumsatz sank nach Firmenangaben zwischen Juli und September um sieben Prozent auf 447 Mill. ?, während der Umsatz aus Beratung (plus 30 %) und aus Schulungen (plus 19 %) stark wuchs. Ein SAP-Sprecher sagte, im Vergleich zu den Wettbewerbern entwickele sich SAP unverändert gut. "Wir gewinnen Marktanteile, ganz klar", sagte er.

An der Börse brach der Kurs der SAP-Aktie zu Handelsbeginn um 17 % ein. Später erholte sich die Aktie ein wenig, am Vormittag wurde sie für knapp 110 ? und damit um 13,4 % schwächer als am Vortag gehandelt. "Das sieht sehr schlecht aus", sagte ein Händler zu der SAP-Ankündigung. Joe Bracken von der Investmentbank JP Morgan sagte, die Lizenzumsätze von SAP entwickelten sich schlechter als erwartet, und die Ertragskraft des Konzerns habe erheblich gelitten. Die Prognose für 2001 bedeute, dass SAP auch für das vierte Quartal einen sinkenden Lizenzumsatz erwarte.

Trudbert Merkel, Fondsmanager bei Deka in Frankfurt, kritisierte die Informationspolitik von SAP. Die Zahlen selbst seien gar nicht so schlecht. Im Vergleich zur Konkurrenz seien sie sogar gut, SAP gewinne Marktanteile. Merkel verwies aber darauf, dass SAP noch Ende September an seinen Prognosen festgehalten habe. "Das ist ein Vertrauensbruch", sagte er.

Der SAP-Partner Commerce One wies für das dritte Quartal einen Verlust von 119 (Vorjahreszeitraum: 61) Mill. Dollar aus. Gleichzeitig könne man nicht mehr an der Prognose festhalten, im zweiten Quartal 2002 in die Gewinnzone zu kommen. "Es ist zu schwierig, die exakte Zeit des Break Even vorherzusagen", sagte Finanzchef Peter Pevere. SAP muss die Ergebnisse von Commerce One gemäß seines Anteils von 20 % in der eigenen Bilanz verbuchen. Zuletzt hatte Commerce One angekündigt, fast die Hälfte der Stellen zu streichen.

SAP-Konkurrent Siebel verzeichnete derweil im dritten Quartal einen starken Gewinnrückgang, lag damit aber noch im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Siebel teilte am Mittwochabend mit, der Reingewinn sei um fast die Hälfte auf 35,2 Mill. Dollar gefallen. Siebel konkurriert mit SAP auf dem Markt für Software für das Management von Kundenbeziehungen (Customer Relationship Management). Die Lizenzumsätze von Siebel gingen im dritten Quartal um gut ein Drittel zurück. Firmenchef Tom Siebel sagte, seit den Anschlägen in den USA sei das wirtschaftliche Umfeld in der Branche so schwierig wie noch nie. Mitte 2002 sollte sich das Geschäft aber wieder beleben.

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