Weniger Zuversicht für Japan
G 7 rechnen mit Wirtschaftsaufschwung

Die sieben führenden Industriestaaten (G7) haben in Ottawa vorsichtigen Optimismus über eine baldige Erholung der Weltwirtschaft bekundet. In der Schlusserklärung hieß es nach zweitägigen Beratungen in der Nacht zum Sonntag, die Chancen von Wachstum und Wohlstand fingen an, gewichtiger zu sein als die Risiken.

Reuters OTTAWA/BERLIN. Es werde mit einem baldigen, wenn auch allmählichen wirtschaftlichen Aufschwung in den USA und Europa gerechnet, sagte der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser nach dem Treffen. "Es herrschte ein vorsichtiger Optimismus vor, was den Wiederaufschwung betrifft." Für die zwölf Länder der Eurozone werde in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 bis 1,5 Prozent gerechnet. "Wir bleiben wachsam und werden auch weiterhin geeignete Schritte unternehmen, um eine kräftige und anhaltende Erholung zu fördern", hieß es in der Abschlusserklärung der G7.

Die vorsichtige Zuversicht über einen baldigen Aufschwung habe für die USA und Europa, nicht aber Japan gegolten, sagte Koch-Weser. Er vertrat Finanzminister Hans Eichel in Ottawa, der aus gesundheitlichen Gründen seine Teilnahme abgesagt hatte. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, bekräftigte indes, die derzeitige Zinspolitik sei angesichts der erwarteten sinkenden Inflation angemessen.

Duisenberg sagte am Samstag nach dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G 7, die Inflation in der Eurozone werde in diesem Monat möglicherweise nicht mehr sinken. Danach werde sie jedoch "gut unter" zwei Prozent zurückgehen und dort für den Rest dieses und des kommenden Jahres bleiben. Die Kommission der Europäischen Union (EU) ist nach den Worten ihres Währungskommissars Pedro Solbes unterdessen weiter von der Notwendigkeit einer Frühwarnung an die Bundesrepublik wegen der hohen deutschen Neuverschuldung überzeugt. Solbes sagte in Ottawa. "Die Zahlen (des deutschen Staatsdefizits) bleiben dieselben." Duisenberg sagte, die EZB unterstütze die EU-Kommission bei ihren Bemühungen, als "Schützer" des Stabilitätspakts aufzutreten.

Bundesbank-Präsident Ernst Welteke äußerte sich vorsichtig optimistisch über eine wirtschaftliche Erholung in Deutschland. Die neuesten Wirtschaftsdaten zeigten, dass das Schlimmste offenbar überwunden sei. Das Konjunkturklima habe sich verbessert und es gebe Anzeichen, dass sich die Auftragslage verbessere. Er nahm nur indirekt zu der EU-Frühwarnung Stellung. Als Präsident der Bundesbank und Mitglied des EZB-Rates stimme er weitgehend mit der EU-Kommission überein, sagte Welteke. Alle EU-Staaten sollten Defizite vermeiden und ihre Finanzpolitik in Einklang mit dem Stabilitätsprogramm bringen. Deutschland gelinge dies derzeit nicht.

Die Kommission hatte Ende Januar eine Frühwarnung gegen Deutschland empfohlen. Sie rechnet damit, dass die Defizitquote im laufenden Jahr bei 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen wird. Im Vertrag über die Europäische Währungsunion war vor allem auf Drängen Deutschlands drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts als Obergrenze für das Staatsdefizit festgeschrieben worden. Die EU-Finanzminister sollen am Dienstag über den "Blauen Brief" entscheiden.

Nach den Worten des amerikanischen Finanzministers Paul O'Neill hat die Weltwirtschaft nach dem Schock der Anschläge vom 11. September wieder Tritt gefasst. O'Neill äußerte sich auch speziell zur Lage der Wirtschaft in Japan. Die Probleme dort seien bekannt, und es liege an Japan selbst, sie anzugehen. Es sei sehr wichtig, dass Japan sich wieder zu einem Wachstumsmotor entwickele. Ein weiteres Thema des G7-Treffens war die Finanzkrise in Argentinien. Die jüngst von der Regierung eingeleiteten Maßnahmen zur Bewältigung der Krise würden als "Schritte in die richtige Richtung begrüßt", hieß es in der Schlusserklärung. Zuvor hatten die sieben Industriestaaten erklärt, sie erwarteten von Argentinien weiter eine enge Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Argentinien hatte die Dollarbindung der Landeswährung Peso gelockert. Der IWF hatte Ende vergangenen Jahres Kredite über 22 Milliarden Dollar eingefroren und die Freigabe von weiteren Sparbemühungen des hoch verschuldeten Landes abhängig gemacht. Zur G7-Gruppe gehören neben den USA und Kanada auch Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien und Italien.

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