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Wenn Chefs Aktien verkaufen

Insider-Geschäfte sind ein Indikator für die Gewinnaussichten der Unternehmen.

Die jüngste Aufwärtsbewegung an den amerikanischen Aktienmärkten hat Ihre Jagdlust wieder geweckt? Hier kommt die kalte Dusche: US-Manager können die Aktien ihrer Unternehmen scheinbar gar nicht schnell genug loswerden. Im Mai allein haben die so genannten Insider von US-Unternehmen Belegschaftspapiere über 3,1 Mrd. Dollar verkauft. Das waren so viele wie seit 24 Monaten nicht mehr. In den fünf vorhergehenden Monaten lag der Wert nie über 1,4 Mrd. Dollar pro Monat. Und im Januar hatte das Verkaufsvolumen gerade einmal 630 Mill. Dollar betragen, berichtet die Research-Gruppe Thomson Financial. Das gibt Anlass zur Sorge. Denn die Insider wissen ja meist am allerbesten Bescheid über die Aussichten ihrer Unternehmen. Und ihr Verhalten war auch immer ein guter Indikator für die Marktentwicklung. So haben viele Manager Anfang 2000, kurz vor Beginn des Bärenmarkts, ihre Aktien verkauft. Einige nehmen nach der jüngsten Rallye aber auch nur Gewinne mit - vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, Technologie und Finanzen. Die Ansichten der Analysten über die Verkaufswut der Führungskräfte gehen auseinander. Die einen sagen: Nur keine Panik! Denn schließlich sind Top-Manager auch nur Menschen und haben sich vom Bärenmarkt genauso beeindrucken lassen wie jeder andere Investor auch. Vielleicht fürchten sie eher, die Erholung an den Märkten werde nicht lange dauern. Vielleicht geht es ja gar nicht darum, dass sie schlechte Unternehmensnachrichten vorwegnehmen. Wenn allerdings Eingeweihte wie Steven Ballmer, Chief Executive von Microsoft, und Michael Dell von Dell Computer nicht warten können, sich von den Aktien ihres eigenen Unternehmens zu trennen, dann könnte das ein schlechtes Omen für die zu erwartenden Gewinne sein. Denn die Gesetze für die Offenlegung der Bilanzen bei US-Unternehmen haben sich geändert. Deshalb könnten die Aktienverkäufe der "Insider" als Marktindikator mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Denn US-Manager dürfen seit dem letzten Jahr kaum noch Vorab-Informationen mit Analysten austauschen, wie sich die Quartals- oder Jahresergebnisse entwickeln werden. Michael Dell zum Beispiel, der mit fast neun Mrd. Dollar größter Anteilseigner der Computerfirma ist, hat Ende Mai Dell-Aktien über rund 300 Mill. Dollar verkauft, im ganzen letzten Jahr waren es lediglich Titel von etwas über 120 Mill. Dollar. Das legt den Gedanken nahe, dass die jüngste Aufwärtsbewegung der Dell-Aktien nicht gerechtfertigt gewesen ist, denn auch andere hochrangige Führungskräfte des Unternehmens haben ihre Belegschaftsaktien abgestoßen.

Microsoft-Chef Ballmer hat den jüngsten Verkauf von Aktien seines Unternehmens über fast eine Mrd. Dollar schriftlich begründet: "Ich bin immer noch überzeugt von dem Potenzial, mit dem unsere Technologie das Leben der Menschen verändern kann. Mein Engagement für Microsoft ist ungebrochen." Ballmer hält allerdings noch immer Microsoft-Aktien im Wert von rund 10 Mrd. Dollar.

Einige Analysten beharren darauf, dass Insider-Bewegungen als Indikator immer wichtiger werden. "Das Verhältnis zwischen Vorständen, die kaufen, und denen, die verkaufen, ist ein hervorragender Indikator für die Gewinnaussichten der Unternehmen", sagt Bijal Shah, Aktienstratege bei Societe Generale. So betrachtet könnte die derzeitige Verkaufswelle durch Insider nichts Gutes verheißen. Insgesamt 14 Mal waren bisher so umfangreiche Verkäufe im Verhältnis zu den Käufen verzeichnet worden wie im vergangenen Monat. Und jedesmal sei der S&P-500-Index in den darauffolgenden sechs Monaten um durchschnittlich sechs Prozent gefallen und habe im Folgejahr weitere neun Prozent abgegeben, sagt Lon Gerber, Director für den Bereich Insider-Research bei Thomson Financial. Bisher hat das Marktbarometer in diesem Jahr etwa zehn Prozent zugelegt.

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