Wenn der DFB als Reiseveranstalter auftritt, sind keine Schnäppchen zu erwarten
Fliegen und fluchen mit der Nationalelf

Der Deutsche Fußball-Bund gehört nicht gerade zu den ärmsten Sportverbänden. Sogar mit einem Reisebüro verdient der DFB. Doch genau dieses Geschäft abseits der Kernkompetenz sorgt immer wieder für Ärger.

eah DÜSSELDORF. Schon lange bevor die Bild-Zeitung den "Teuro-Sheriff" erfand und die Politik den "Anti-Teuro-Gipfel" einberief, wurde unter Deutschlands Sportjournalisten über "Teuro-Lloyd" gemeckert. Dahinter verbirgt sich das offizielle Reisebüro des Deutschen Fußball-Bundes namens Euro Lloyd, das unter anderen all jenen, die über die Fußball-Nationalelf berichten und das Team bei Auslandsreisen begleiten, spezielle Arrangements anbietet. Schnäppchen sind hier freilich nicht zu erwarten, und daher war der Unmut in der Vergangenheit oft groß. So auch jetzt wieder zur WM.

Wer das komplette Paket rund um die deutsche Mannschaft bucht, muss mit mindestens 20 000 Euro rechnen. Darin enthalten sind sämtliche Flüge, Übernachtungen und Transfers. Allein für das erste Vorrundenspiel in Sapporo gegen Saudi-Arabien veranschlagte Euro Lloyd zunächst rund 1 500 Euro. Das Hotel für mehr als 300 Euro fand ungeteilte Ablehnung. Einer der Journalisten fluchte: "Da muss jemand ganz Sapporo abgeklappert sein, bis er das Hotel mit dem schlechtesten Preis-Leistungs-Verhältnis gefunden hat."

Weil die Empörung über die Preisgestaltung wieder einmal groß war, reduzierten die DFB-Reiseplaner zumindest den Flugpreis noch um fast 50 Prozent. "Das haben wir in Verhandlungen mit der japanischen Fluggesellschaft ANA erreicht", sagt Euro-Lloyd-Mann Wolfgang Wirthmann, dessen Haus auch für Bayern München, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund arbeitet und zudem die Edel-Fans und Sponsoren der Nationalelf bedient. Bei allen war die Nachfrage diesmal geringer als bei vorherigen Weltmeisterschaften.

Heftige Kritik nur hinter vorgehaltener Hand

Nun ist es in der Tat so, dass das Preisniveau in Japan nicht mit dem deutschen vergleichbar ist. Dass aber ANA während der WM den Visit-Japan-Airpass anbietet, mit dem - unabhängig von der genutzten Airline auf der Langstrecke - fünf Inlandsflüge für nur 273 Euro zu bekommen sind, blieb Euro Lloyd offenbar verborgen. Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) hält sich dennoch mit Kritik zurück. "Wenn man allein reist, kann man vieles anders machen. Bei größeren Gruppen ist das anders. Ich habe daher durchaus das Gefühl, dass sich Euro Lloyd sehr bemüht", urteilt Hans-Joachim Zwingmann milde. Der VDS-Vize verfügt freilich über einen Freiplatz bei allen Nationalmannschafts-Trips und fungiert als eine Art Reiseleiter.

Andere Journalisten, die allerdings nicht namentlich genannt werden möchten, schimpfen hingegen heftig. Da ist von "Konkurrenzausschluss" die Rede, von "kartellrechtlichen Bedenken" und einiges mehr. Immerhin ist es so, dass andere Anbieter von Sportreisen wie Voss + Votava (Unna) oder Vietentours (Düsseldorf) beim Geschäft mit der Nationalmannschaft zunächst einmal hintenanstehen. Wollen sie ihre Komplettpakete inklusive Eintrittskarten anbieten, sind sie auf den Verband angewiesen. Wer hier den Mund aufmacht, wird womöglich schnell außen vor bleiben.

Auch als es 1999 zur so genannten "Rebellenreise" kam, blieb das nicht ohne Folgen. Damals hatten sich rund 40 unzufriedene Journalisten zusammengetan und ein eigenes, deutlich günstigeres Paket zu einer USA-Reise der Nationalelf geschnürt. Die Abtrünnigen saßen aber im selben Lufthansa-Flieger, der mit einer Sondergenehmigung in Jacksonville zwischenlandete. Dort stiegen die Nationalspieler und die Euro-Lloyd-Bucher wie geplant aus. Als die "Rebellen" ihnen folgen wollten, versuchte man, sie zu stoppen. Handgreiflichkeiten konnten gerade noch verhindert werden, ehe die Abweichler das Flugzeug doch verlassen durften.

"Es gibt keine Alternative"

Einige dieser Journalisten aber bekamen ihre "Sünden" in der Folgezeit nach eigener Aussage deutlich zu spüren, als man ihnen Informationen vorenthielt. Später folgten Friedensgipfel und Annäherung, was das Verhältnis normalisierte, allerdings nichts daran änderte, dass die meisten nur widerwillig bei Euro Lloyd buchen. "Es gibt keine Alternative", meint Hans-Joachim Zwingmann. "Die meisten Kollegen, vor allem die aus dem Boulevardbereich, wollen unbedingt immer mit der Mannschaft fliegen." Das weiß man auch bei Euro Lloyd, was offenbar nicht ohne Auswirkungen auf die Preisgestaltung bleibt. "Wir zahlen für die Mannschaft mit", heißt es immer wieder unter den Journalisten.

Wolfgang Wirthmann kann die Aufregung nicht verstehen. Die Margen würden zwischen fünf und zehn Prozent liegen, man arbeite "wie ein ganz normales Reisebüro" und der DFB habe es "bestimmt nicht nötig, die Reisen durch andere finanzieren zu lassen". Der Verband ist am hausinternen Reisebüro, das zum Touristikkonzern BTI Euro Lloyd gehört, mit 49 Prozent beteiligt. Zum Geschäftsvolumen werden grundsätzlich keine Angaben gemacht. Für den DFB würde dieser Bereich aber, so Geschäftsführer Wirthmann, im Gesamtetat "wirklich nur ein paar Mark" ausmachen.

Nicht viel - aber gut für viel Ärger.

Quelle: Handelsblatt

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