Wenn der Muezzin ruft, macht Scharafat Pause
AIP: Ein-Mann-Betrieb beliefert Welt mit Nachrichten

Es gibt nur eins, das Mohammed Jakub Scharafat von der Arbeit abhalten kann: Der Ruf des Muezzin zum Gebet. Denn sein Glaube, der Islam, bedeutet Scharafat ebenso viel wie seine Heimat Afghanistan.

dpa PESHAWAR. Deshalb hat er die Nachrichtenagentur, die er 1982 gründete, auch "Afghan Islamic Press" genannt, kurz AIP. Heute kennt fast jeder Journalist das Kürzel, der über Afghanistan berichtet, denn die Afghanische Islamische Presse-Agentur zählt internationale Nachrichtenagenturen und Zeitungen zu ihren Kunden.

Scharafat, 1958 geboren, war knapp 20, als er vor den Kommunisten nach Pakistan floh. Als 1979 sowjetische Truppen nach Afghanistan einmarschierten, gründete Scharafats Onkel eine Miliz, wurde zu einem Mudschahedin, einem heiligen Krieger gegen die Besatzer. Sein Neffe ärgerte sich über die Nachrichten, die er hörte. Die sowjetische Perspektive sei das gewesen, meint er, nicht die der Mudschahedin.

"Deshalb habe ich AIP gegründet", sagt er heute. "Ich wollte, dass die Welt die Wahrheit über den Widerstand gegen die sowjetischen Truppen erfährt." Er sitzt in seinem Büro in Peshawar in Pakistan, das eher einer Garage mit einem Teppich und ein paar Möbeln gleicht. Das Telefon klingelt, ein Sprecher der Taliban-Gegner ruft von seinem Satellitentelefon im Norden Afghanistan aus an. Er behauptet, die Nordallianz sei gegen die Taliban vormarschiert.

Scharafat macht sich ein paar Notizen, dann telefoniert er mit einem Sprecher der Taliban, schließlich mit einem seiner Informanten in Afghanistan. Das dauert, es gibt kaum Telefonverbindungen dorthin. Als Scharafat meint, genug zu wissen, schreibt er in schwungvollen arabischen Buchstaben auf Urdu, der Sprache Pakistans, seine Nachricht auf ein Blatt mit AIP-Briefkopf. Das steckt er in sein Fax- Gerät, und schon geht die Meldung an seine Kunden. Diese Technik benutzt er seit zehn Jahren, vorher rief er einfach nur ein paar Journalisten an, die er kannte, und teilte ihnen seine Neuigkeiten mit. "Sein Erfolg liegt in seiner Ehrlichkeit", sagt ein alter Kunde.

"Nachrichten zu sammeln und zu verbreiten, ist nicht das Problem", sagt er trotz der Kommunikationsschwierigkeiten, "das Problem ist, sich immer der Wahrheit sicher zu sein und glaubwürdig zu bleiben." Scharafat hat drei Mitarbeiter in Afghanistan und drei in Pakistan, aber er schreibt alles selbst. Mit seiner Frau, drei Söhnen und vier Töchtern lebt er in einer Flüchtlingskolonie außerhalb Peschawars. Dort finanziert er eine Schule für Mädchen. In Afghanistan wäre das unter den Taliban nicht möglich.

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