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Wenn der Zaun zum Bock wird......

Von ANDREAS RINKE Angela Merkel sei Dank. Egal wie die Wahlen ausgehen werden, der Wahlkampf ist mit ihr auf jeden Fall interessanter geworden. Schon deshalb, weil sie einen erfrischenden Hang zu einer bildhaften Sprache hat.

Von ANDREAS RINKE

Angela Merkel sei Dank. Egal wie die Wahlen ausgehen werden, der Wahlkampf ist mit ihr auf jeden Fall interessanter geworden. Schon deshalb, weil sie einen erfrischenden Hang zu einer bildhaften Sprache hat. Ihre Redewendungen kommen nicht so plump daher wie Schröders "Penner"-Vorwurf oder Stoibers Patzer, wenn dieser bei der Vorstellung des Unions-Wahlprogramms von "zwei Säulen einer Medaille" spricht.
Nein, Merkels Satz "Der Staat muss Gärtner sein und darf nicht Zaun sein, wenn er Wachstumspolitik auch wirklich betreiben will" bietet Stoff, um ganze Abend über die Frage zu grübeln, was genau sie jetzt gemeint hat. CDU-Bildungspolitiker könnten dies im Wahlkampf mit dem Hinweis verwenden, dass die Vorsitzende nach Pisa eben das Nachdenken anregen will und ausdrücklich gegen den bloßen politischen Phrasen-Konsum eintritt.
Zudem eröffnet die Kanzlerkandidatin ein völlig neues Feld der politischen Bildsprache. Bisher bekannt war nur die abgedroschene Mahnung, man solle den Bock nicht zum Gärtner machen. Aber wenn der Staat künftig in die Rolle jedes einzelnen Gegenstands im deutschen Kleingärtner-Idyll schlüpfen kann, bieten sich ungeahnte Möglichkeiten. Das nenne ich Bewusstseinserweiterung in Zeiten der Globalisierung.
Schon bald können wir schöne Sinnsprüche entwickeln vom Staat als Dünger, Heckenschere, Swimming-Pool oder Insektenvernichtungsmittel. Als "Rasenmäher" ist er ja ohnehin schon in die politische Debatte eingeführt. Interessant wäre auch der Sinnspruch, dass man den Bock nun wirklich nicht zur Heuschrecke machen darf. Aber dafür warten wir erst einmal die Große Koalition ab.......


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