Wenn der Zeitungsbote zum zweiten Mal klingelt
Private Zustelldienste stellen auch Wahlunterlagen zu

Private Briefdienste brechen jetzt in eine weitere Domäne der Deutschen Post ein: die Zustellung von Wahlunterlagen. Zunehmend erkennen die Kommunen, dass sich mit privaten Briefdiensten Portokosten einsparen lassen, da die Tarife der privaten Firmen deutlich unter denen des Bonner Briefmonopolisten liegen.

HB DÜSSELDORF. Von einem Verlust an Marktanteilen könne aber keine Rede sein, betonte ein Sprecher der Deutschen Post. Dazu sind die privaten Briefdienste noch zu klein und bundesweit keine Konkurrenz für den gelben Riesen. Das Massengeschäft mit den Wahlbenachrichtigungskarten, das der Post-Sprecher auf einen zweistelligen Millionenbetrag beziffert, werde daher allein von der Deutschen Post erledigt.

Anders sieht es aber bei den Unterlagen für die Briefwahl aus. Hier angeln sich immer mehr private Postunternehmen die Aufträge. Nicht selten sind dies Zustelldienste von Zeitungsverlagen, die zusätzlich Briefe austragen. Citypost Hannover, die private Posttochter der Verlagsgruppe Madsack (Hannoversche Allgemeine Zeitung) beispielsweise stellte in der niedersächsischen Landeshauptstadt über 30 000 Briefwahl-Unterlagen zu.

"Wir haben uns für die Citypost entschieden, weil sie billiger ist als die Deutsche Post", sagte Rainer Keil, stellvertretender Wahlleiter in Hannover. Druck und Versand der Wahlbenachrichtigungskarten erledige aber die Deutsche Post. Citypost sei damit noch überfordert, meinte Keil.

Private Postdienste könnten Wahlunterlagen in der Regel nur dann zustellen, wenn sie auch die Chance bekämen, die Stadtverwaltungen als Kunden zu gewinnen, sagte Detlef Hengstebeck, Geschäftsführer der WPS Westdeutscher Post Service GmbH, einer Tochter der Essener WAZ-Gruppe. Daran hapert es aber im Ruhrgebiet noch. So tun sich die großen Städte Dortmund, Duisburg und Bochum bislang schwer, den billigeren, privaten Briefdienst mit der Zustellung ihrer Post zu beauftragen.

Einige besonders pfiffige Kommunen haben indessen ihre eigenen Postdienste mit der Zustellung der Wahlunterlagen betraut. Dass das aber ins Auge gehen kann, zeigt das Beispiel Frankfurt. Dort warteten viele Briefwähler vergeblich auf ihre Unterlagen.

"Die Stadt muss "mea culpa" (meine Schuld) sagen", erklärte dann auch Oskar Rohde, der Leiter des Frankfurter Wahlamtes. Die Briefwahlunterlagen sollten von einem eigenen Postzustelldienst der Stadt Frankfurt ausgetragen werden. Doch der war angesichts des Massenansturms schlicht überfordert. Viele Briefe blieben liegen. Wer auf Nummer sicher gehen will, dem empfahl die Stadt daher, seine Unterlagen persönlich abzuholen.

Quelle: Handelsblatt

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