Wenn die Bewerbung um die Bankgesellschaft scheitert, will die Hannoveraner Landesbank ihre Beteiligung verkaufen
NordLB sieht sich bei der Bankgesellschaft am längeren Hebel

Niedersachsens Finanzminister Heinrich Aller sieht gute Chancen für die NordLB, mit ihrem Fusionskonzept in Berlin zum Zuge zu Kommen. Für die künftige NordLB könnte das WestLB-Modell Pate stehen.

HANNOVER. "Ob mit oder ohne Bankgesellschaft Berlin, dieNordLB ist stark genug für einen eigenständigen Kurs." Das sagte der niedersächsische Finanzminister und Aufsichtsratvorsitzender der Norddeutschen Landesbank (NordLB), Heinrich Aller (SPD), dem Handelsblatt. "Allerdings wäre der Zuschlag bei der Bankgesellschaft eine schöne Abrundung der Nord-Ost-Strategie der NordLB."

Anders als die privaten Mitbewerber "steht Hannover nur für eine Fusion, bei der Berlin angemessenen vertreten wäre", betonte er. Keinesfalls werde ein Kauf des 81 %-igen Bankgesellschafts-Pakets vom Land Berlin angestrebt. Nach Ansicht Allers kann Berlin wegen der bis 2004 bestehenden Kooperationsvereinbarung mit Hannover seine Anteile ohnehin nicht an einen Privaten verkaufen. Damit sieht der Finanzminister die NordLB am längeren Hebel bei der Bankgesellschaft, obwohl das unter finanziellem Druck stehende Land Berlin kurzfristig keine Verkaufserlöse erzielen könnte.

Langfristig verdiene Berlin aufgrund von Wertsteigerungen der Bank allerdings bei der Variante mehr, als bei einem Verkauf zum jetztigen Zeitpunkt. Sollte die Fusion scheitern, werde die NordLB ihre Beteiligung von knapp elf Prozent zu einem geeigneten Zeitpunkt verkaufen, kündigte Aller an.

Neben den Hannoveranern gibt es zwei ernsthafte Interessenten für das angeschlagene Berliner Institut: das US-Bieterkonsortium von Christopher Flowers und Texas Pacific Group sowie die neu gegründete Terra Firma des Londoner Private Equity-Experten Guy Hands. Das Land Berlin will Ende Juli entscheiden, ob es mit einem Bewerber exklusiv verhandelt oder ob es mehrere Bewerber zu einer weiterführenden Due Diligence einlädt.

Die NordLB hat ihr Angebot für Berlin bisher Seite an Seite mit der Deutschen Sparkassen-Organisation und der Hamburger Sparkasse (Haspa) formuliert. Hier zeichnet sich eine Veränderung ab. Zwar hält die Haspa offiziell ihr Interesse an der Bankgesellschaft aufrecht. "Wir sind nach wie vor an dem Retailgeschäft interessiert", sagt Jörg Wildgruber, Direktor für geschäftspolitische Grundsatzfragen bei der größten deutschen Sparkasse. Doch aus Sparkassenkreisen heißt es hartnäckig, Hamburg wolle seine Berlinpläne aufgeben.

Keinesfalls blockiere die ausstehende Entscheidung in Berlin die Umsetzung der Brüsseler Vorgaben mit dem Wegfall der Staatsgarantien für Landesbanken und Sparkassen sowie die Weiterentwicklung der NordLB, sagt Aller: "Der Eindruck ist falsch, dass die NordLB langsamer ist als andere Institute. Das niedersächsische Sparkassengesetz wird zeitgerecht den europarechtlichen Wettbewerbsanforderungen angepasst." Nach der Anpassung des Staatsvertrags zwischen den NordLB-Miteignern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg Vorpommern gehe das Sparkassengesetz nun in den Landtag.

Offen ist, mit welchem Geschäftsmodell die NordLB auf den Wegfall der Staatsgarantien reagieren wird. Dieser trifft alle zwölf Landesbanken, ohne Staatsgarantien steigen ihre Refinanzierungskosten. Von den beiden bisher veröffentlichten Landesbank-Modellen könne eher das Mutter-Tochter-Modell der WestLB "funktionieren", sagte Aller. Die Landesbank würde dann in eine öffentlich-rechtliche Landesbank und ein privatwirtschaftliches Institut gespalten. Geprüft werde, ob dafür als Vehikel ein bestehender Bankmantel genutzt werden könnte. Dieses Institut könne als Holding für die Geschäftsbankaktivitäten der NordLB genutzt werden.

Vorerst sieht Aller für die NordLB durch Brüsseler Vorgaben und die Probleme in Berlin keine Eigenkapitalknappheit. Allein wegen ihres Berlin-Engagements musste die Bank 500 Mill. Euro abschreiben. Für die Eigentümer der NordLB "stellt sich die Eigenkapitalfrage nicht unmittelbar". Mit dem Wegfall der Staatsgarantien Mitte 2005 lasse es sich nicht ausschließen, dass sich die Situation anders darstelle. Die NordLB verfolge vor diesem Hintergrund keine "offensive Verkaufsstrategie", betonte der Finanzminister, so stehe die LBS nicht zum Verkauf. Für Aller ist die entscheidende Frage, "ob regional verankerte Banken wie die NordLB oder Sparkassen am Markt bestehen können, obwohl sie auf Gewinnmaximierung verzichten."

Quelle: Handelsblatt

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