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Wenn die Frist abläuft: Strategie bei Optionsscheinen

Wer Anleihen hält, kann ruhig schlafen. Optionsscheinbesitzer indessen sollten darauf achten, wann die Papiere auslaufen. In einigen Fällen stehen sie sonst mit leeren Händen da, obwohl ihre Wette aufgeht.

Optionsscheinbesitzer Udo Ellner* ist entsetzt. Er hatte bei einem Discount-Broker für 100 000 DM Warrants auf Deutsche-Bank-Aktien gekauft. Da er aber das Laufzeitende der Papiere verschlafen hatte, wurden diese wertlos aus seinem Depot ausgebucht. Dabei hatte ihm das Haus schriftlich beim Kauf der Scheine versichert, dass er informiert werde, wenn der Ablauf bevorsteht. Das betroffene Geldhaus beharrt darauf, diese Mitteilung auch abgeschickt zu haben.

Jetzt streiten beide Parteien vor Gericht darüber, ob die Bank Schadenersatz leisten muss. In der ersten Instanz wurde entschieden, dass das Finanzinstitut gut die Hälfte des Verlusts an den Anleger bezahlen muss. In zweiter Instanz sieht es allerdings so aus, als würde der Anleger weniger bekommen - und vermutlich wird dann im nächsten Jahr der Bundesgerichtshof das letzte Wort sprechen. "Präzedenzfälle gibt es bisher jedenfalls keine", sagt Wolf von Buttlar, Anwalt der Kanzlei Tilp & Kälberer in Kirchentellinsfurt bei Tübingen. Offensichtlich funktioniert die Geschäftsabwicklung bei auslaufenden Optionsscheinen doch nicht immer so reibungslos, wie die Finanzinstitute einstimmig versichern.

Worum es bei diesem Procedere geht: Jeder Optionsschein hat eine bestimmte Laufzeit - beispielsweise anderthalb Jahre. Warrants zählen zu den Termingeschäften, bei denen im Gegensatz zu Kassageschäften ein Wertpapier nicht sofort geliefert werden muss, sondern erst, wenn der Käufer von seinem Optionsrecht Gebrauch macht (siehe Grafik). Das kann er während der Laufzeit in Angriff nehmen - spätestens aber am Laufzeitende. Dann rechnen Emittent und Besitzer des Scheins miteinander ab. Die Profis sprechen von Ausübung. Ein Beispiel: Ein Anleger besitzt einen Kaufoptionsschein (Call) auf SAP, der zum Bezug der Aktie zu 280 Euro berechtigt. Notiert SAP am Stichtag bei 300 Euro, kann der Besitzer entweder verlangen, den Titel für nur 280 zu erwerben, oder er erhält den Gewinn von 20 Euro in bar; üblich ist mittlerweile, dass die Bank den Differenzbetrag überweist.

Es gibt zwei Arten von Scheinen: Bei Papieren mit automatischer Ausübung muss sich der Anleger um nichts mehr kümmern. Endet die Laufzeit, wird abgerechnet, ohne dass er sich einschaltet. Bei Scheinen ohne diesen Erinnerungsservice muss er seine Hausbank informieren, dass er ausüben will. Verschläft er das, hat die Bank das Recht, ihn abblitzen zu lassen. In der Praxis legen die meisten Geldhäuser allerdings kaum noch Papiere ohne automatische Ausübung auf. So emittiert die Société Générale beispielsweise seit August 1999 nur noch Automatik-Scheine.

Eine Ausnahme ist jedoch die Citibank, der Marktführer im deutschen Optionsscheingeschäft. Der Grund: Bei dem großen Volumen an Warrants, das das Haus innerhalb Europas zu bewältigen hat, können die diversen Abwicklungsstellen (Clearer) ein automatisches Verfahren nicht gewährleisten. Citibanker Olav Blasberg versichert den Kunden jedoch: "Wir sind kulant. Gewinne werden auch noch im Nachhinein ausgezahlt." Allerdings liegt die Entscheidung der einzelnen Fälle dann im Ermessen der Citibank. Blasberg zufolge ist bislang jedoch kein Anleger mit leeren Händen ausgegangen.

Der Zeitwert ist zum Schluss gleich Null

Wer sich dennoch nicht auf das Wohlwollen der Bank verlassen will, sollte folgendes beachten: Es gibt unterschiedliche Modalitäten für auslaufende Scheine mit innerem und ohne inneren Wert; am Ende der Laufzeit ist der so genannte Zeitwert eines Scheins null, es kann dann lediglich noch ein innerer Wert vorliegen. So hat zum Beispiel ein Call einen inneren Wert, wenn der Aktienkurs über dem Basispreis liegt. Für solche Warrants hat die Citibank folgende Regelung vorgesehen: Aus abwicklungstechnischen Gründen ist der Verkauf über die Börse - die Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax oder die Kassabörse in Frankfurt - nur bis sechs Börsentage vor Fälligkeit möglich. Danach können die Scheine aber noch außerbörslich über das elektronische Handelssystem der Citibank, CATS-OS, oder telefonisch an die Citibank verkauft werden. Allerdings muss der Verkauf bis um zehn Uhr am Fälligkeitstag erfolgen, betont Blasberg. Das Haus sieht einen Barausgleich vor, effektive Stücke werden nicht geliefert. Bei Nachfragen können sich Anleger unter der Telefonnummer 069/1366 3940 direkt an die Banker wenden.

Optionsscheine ohne inneren Wert können Anleger bis sechs Börsentage vor Endfälligkeit über die Börse oder CATS-OS zu 0,01 Euro an die Citibank abstoßen. Danach ist allerdings weder ein Verkauf über die Börse noch über das elektronische Handelssystem möglich. Allerdings können Investoren die Warrants bis zum Fälligkeitstag noch telefonisch für 0,001 Euro an die Citibank verkaufen. Sicher - bei einer Kaufsumme von einer Million lohnt sich eine solche Transaktion. Aber auch für Kleinanleger kann sich die Mühe auszahlen, noch am Ende der Laufzeit zu verkaufen. Steuerfüchse wissen Bescheid: Sie können nur dann, wenn sie diese Verkaufsbescheinigung besitzen, die Verluste aus Optionsscheingeschäfte steuerlich geltend machen - das heißt gegen Spekulationsgewinne aufrechnen. Für Udo Ellner ist das aber vermutlich nur ein schwacher Trost, wenn er vor Gericht verlieren sollte.

* Name von der Redaktion geändert.

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