Wenn die Kirch-Töchter DSF und Premiere nicht mehr auf Sendung sind, leiden insbesondere die Sportarten aus der zweiten Reihe – Besonders betroffen ist der Basketball
Vorbereitungen auf ein Leben ohne Fernsehen

Neben dem Fußball drohen auch "Randsportarten" in den Strudel der Kirch-Krise zu geraten. Sie fürchten vor allem um ihre TV-Präsenz, die den Sponsoren besonders wichtig ist.

Ein Optimist zeichnet sich dadurch aus, dass er auch in der Krise immer noch positive Aspekte findet. "Es ist ein glücklicher Umstand, dass das Kind, das die Deutschen am meisten lieben, den gleichen Medienpartner hat wie der Basketball", sagt Oliver Bolz, der beim Bekleidungskonzern s.Oliver das Sponsoring verantwortet. Und da sich abzeichne, dass der Fußball die Krise der Kirch-Gruppe wohl relativ unbeschadet überstehe, sehe er auch für die Basketball-Bundesliga (BBL), die sein Unternehmen als Titelsponsor jährlich mit einem siebenstelligen Betrag fördert, nicht völlig schwarz. Doch Bolz weiß: "Mit den Geschehnissen, die in Ismaning passieren, steht und fällt die Liga."

Tatsächlich ist die BBL eng mit dem Imperium des insolventen Münchener Medienmoguls verbunden. Die Kirch- Sender Sat 1 und Deutsches Sportfernsehen (DSF) erzielen mit dem Basketball hohe Einschaltquoten, und die Marketing- und TV-Rechte der Liga sind bis 2005 an die zur Kirch Media GmbH gehörende Taurus-Sport verkauft. Mit den Geldern aus diesen Verträgen bestreiten die 14 Klubs der Liga immerhin fünf bis zwölf Prozent ihrer Etats. Doch jetzt droht der Zahlungsausfall. Eine vor vierzehn Tagen fällige Rate über 500 000 Euro hat Kirch laut BBL-Geschäftsführer Otto Reintjes bisher noch nicht überwiesen.

Aber auch bei einem Zahlungsausfall wird die BBL überleben, ist der Manager überzeugt: "Die Liga hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie auch ohne festen TV-Partner auskommt." Doch der Ligaapparat müsste sich dann allein auf die Organisation des Spielbetriebes konzentrieren, so Reintjes. Für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit reiche ohne Fernseheinnahmen das Geld nicht mehr. Ein herber Rückschlag für das selbst gesteckte Ziel, Basketball wieder zu einer der Top-Sportarten in Deutschland zu machen.

Die Sponsoren dürften den Basketballern kaum den Rettungsring zuwerfen, denn sie erwarten für ihr Engagement als Gegenleistung eine hohe Medienpräsenz: "Die Übertragungen bei Sat 1 und im DSF sind natürlich ein Hauptbestandteil unseres Vertrages", erklärt s.Oliver-Mann Bolz. Wenn jetzt Fernsehzeiten wegfielen, müsse man natürlich "nachverhandeln". Diesen Teufelskreis haben auch die Handballer erkannt: "Wenn wir nun weniger TV-Zeiten bekommen sollten, ist es natürlich schwieriger, Partner für Kooperationen zu finden", betont Verbandspressemann Arnulf Beckmann.

Allerdings sind seine Sportler von dem wahrscheinlichen Aus für das DSF, das bisher vor allem rote Zahlen schrieb, weniger betroffen als die Basketballer. Zwar zeigt der Sender auch bei den Handballern das "Spiele der Woche", doch er ist nur Sublizenznehmer. Die Erstrechte an der Bundesliga besitzt die SportA, die Vermarktungsagentur von ARD und ZDF. Dieser Vertrag gilt noch in der nächsten Saison, für vier Jahre kassierte die Liga insgesamt 20 Millionen Mark.

Der Handball ist deshalb auch ohne Kirch-Sender präsent - in den Dritten Programmen der ARD. Karsten Petry von der Vermarktungsagentur DSM, die zurzeit Sponsoren für eine Zentralvermarktung des Handballs sucht, fürchtet trotzdem, dass der Sport auf Dauer wieder in der Regionalität verschwindet. Immerhin hängt die Existenz der Klubs nicht von den TV-Geldern ab: "Wir sind in der glücklichen Lage, dass die Fernsehgelder nicht die Hälfte der Vereinsetats ausmachen, sondern nur rund fünf Prozent", so der Ligaausschuss-Vorsitzende Heinz Jacobsen.

Die Deutsche-Eishockey-Liga würde vor allem ein plötzliches Ende des Bezahlfernsehens Premiere treffen. Doch Sprecher Andreas Ulricht geht davon aus, dass die Kirch-Gruppe weiter zu ihren Verträgen steht: "Wir haben von Premiere das Signal erhalten, dass die letzten maximal sechs Spiele bis zum Saisonende im bisherigen Rahmen produziert und ausgestrahlt werden." Diese Saison sei vom Vertragspartner Taurus-Sport komplett bezahlt und in zwei Wochen ohnehin beendet. "Was dann bis zum nächsten Saisonstart passieren wird, lässt sich zur Zeit noch nicht absehen."

Bei den DEL-Klubs machen die TV-Erlöse etwa zehn Prozent des Gesamtetats aus. In der Branche wird der Vertrag von Taurus mit der DEL auf 4,09 Millionen Euro jährlich geschätzt. Das macht nur gut 200 000 Euro pro Klub. Die meisten Klubs sind daher eher froh, aus dem Taurus-Vertrag aussteigen zu können und stattdessen über einen Einstieg bei den öffentlich-rechtlichen Sendern mehr Fernsehpräsenz zu bekommen.

In den Strudel der Kirch Insolvenz geraten jetzt auch die Organisatoren des Herren-Tennisturniers am Hamburger Rothenbaum. Es müsse zwar abgewartet werden, was die Banken machen. "Wenn allerdings das Fernsehen nicht überträgt, dann wird es sicher schon in diesem Jahr verteufelt schwer", sagte Turnierdirektor Walter Knapper. Kirch besitzt bis 2004 die Übertragungsrechte für die Veranstaltung.

Der Pay-TV-Sender Premiere World soll die Spiele live übertragen und das DSF als Zweitverwerter Zusammenfassungen zeigen. Knapper betonte, dass der Deutsche Tennis-Bund (DTB) jedoch kein direkter Vertragspartner von Kirch sei.

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