Wenn die Wirtschaft anspringt, wird auch der Kurs wieder nach oben laufen
Cisco ist ein sensibles Konjunktur-Barometer

Den Gewinn um die Hälfte gesteigert, die Margen verbessert und den Weltmarktanteil noch weiter ausgebaut. Cisco Systems erfüllt fast alle Anlegerwünsche - jedenfalls mehr als in den Boomzeiten bis März 2000.

DÜSSELDORF. Damals notierte die Aktie bei 80 $. Heute sind es gerade noch 13,50 $. Und damit ist der Wert auch gut bezahlt. Denn wer heute auf Cisco setzt, wettet auf die Erholung der gesamten Konjunktur im Allgemeinen und der Informationstechnologie (IT) im Besonderen. Solange aber beides nicht absehbar ist, wie Firmenchef John Chambers ehrlich zugibt, drängt sich ein Kauf der Aktie nicht auf.

Wenn Chambers mit dem Quartalsausblick an die Öffentlichkeit tritt, dann hören sich seine Ausführungen wie die von Politikern und Volkswirten zur konjunkturellen Lage an: sehr breit und allgemein angelegt und dazu nach allen Seiten offen - aber immerhin weniger gefärbt und geschönt als bei Parteien und Ökonomen.

Chambers kann auch kaum anders, als sehr weit auszuholen. Denn wohl kein Unternehmen ist so sehr von der Erholung aller anderen und der Weltwirtschaft abhängig wie Cisco. Der Hersteller von Netzbauteilen und Kommunikationsservern, der bei den elektronischen Schaltzentralen im Internet, den Routern, einen Weltmarktanteil von über 85 % hat, sieht sich nach eigenen Angaben vor der "größten Herausforderung, die die Informationstechnologie je erlebt hat".

Eine Erholung, die Politiker und Ökonomen wieder einmal, wie schon vor einem Jahr, für das zweite Halbjahr prognostizieren, sieht Chambers nicht. Konjunktur- und Börsen-Pessimisten fühlen sich bestätigt. Besonders in der gebeutelten Telekommunikation gibt es keine Lichtblicke. Mag sein, dass alles irgendwann besser wird, doch mehr als Hoffnung gibt es bislang nicht. Derzeit sieht Cisco sogar noch weniger Bereitschaft der Unternehmen, die IT- Ausgaben zu erhöhen, als in der jüngsten und tristen Vergangenheit. Jeder wartet auf den Ausgang des Irak-Konflikts und auf ein Anspringen der Nachfrage der Endabnehmer. Die größten Probleme hat Cisco im Stammland USA, wo der Umsatz im abgelaufenen Quartal überproportional sank. Sehr stabil laufen dagegen die Geschäfte in Europa. Deutschland hebt Chambers allerdings als Unsicherheitsfaktor hervor - in einem Atemzug mit Japan.

Dass Cisco in dieser schwierigen Lage im abgelaufenen Quartal nur 2 % beim Umsatz einbüßt, gleichzeitig den Gewinn um 50 % steigert und die Barmittel um eine weitere Milliarde auf 21 Milliarden Dollar steigert, ist das eigentlich bemerkenswerte. Garant für den Erfolg sind drastische Kostensenkungen und eine Rohertragsmarge von 70 %. Diese Zahl übertrifft wohl nur Microsoft. Aber bei Software liegen die Herstellungskosten schließlich auch nahe null.

Das viele Geld will Cisco auch in Zukunft für Forschung und Aquisitionen nutzen. Als Alternative zur Dividende sieht Chambers Aktienrückkäufe. Bislang verringerten sich die Anteilsscheine allerdings um weniger als 2 %. Von einer spürbaren Gewinnsteigerung pro Aktie als Alternative zur Dividende kann also kaum die Rede sein.

Im November vergangenen Jahres forderten Aktionäre noch vergeblich eine Ausschüttung. Doch seitdem US-Präsident George W. Bush die Doppelbesteuerung abzuschaffen gedenkt und Technologie-Gigant Microsoft sich daraufhin zur Dividende bekannt hat, gerät das einst wertvollste Unternehmen der Welt noch stärker unter Druck. "Wir sind nicht religiös in der Dividendenfrage", deutete Chambers zuletzt Entgegenkommen an.

Nimmt der Dividendendruck zu und bekommt das Management noch mehr als bisher das Gefühl, dass eine Ausschüttung den Aktienkurs stimulieren könnte, dürfte sich Cisco einer erstmaligen Dividende nicht mehr lange verweigern.

Cisco kostet bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 25 das vierfache des jährlichen Umsatzes. Angesichts der hohen Abhängigkeit von der lahmenden Konjunktur ist das ambitioniert, andererseits aber auch nicht zu teuer. Denn Cisco ist gegenüber allen Wettbewerbern deutlich besser aufgestellt und wird deshalb beim nächsten Aufschwung die Preise gut diktieren können.

Potenzielle Cisco-Investoren sollten die Gesamtwirtschaft im Auge behalten. Denn wenn diese anspringt, wird auch der Aktienkurs wieder ins Laufen kommen. Dafür spricht allein schon, dass kaum ein breit aufgestellter Technologie- und Wachstumsfonds an dem einstigen Börsenliebling vorbeikommt.

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