Wenn Führungskräfte arbeitslos werden, trifft der Schlag doppelt hart
Kündigung ist auch eine Chance zur Neuorientierung

Die Kündigung kam wie ein Schock! Klaus Hoya* (* alle Namen von der Redaktion geändert), Führungskraft bei einem großen Versorgungsunternehmen, wurde zum Opfer einer Firmenübernahme. Immer hatte er sauber gearbeitet, auch seine Ergebnis-Zahlen waren außergewöhnlich gut.

Trotzdem: Weber musste seinen Schreibtisch räumen. Rein aus politischen Gründen: Die neue Konzernmutter wollte sämtliche Führungspositionen neu besetzen. Hoya ist kein Einzelfall, so Tiemo Kracht, Partner der Personalberatung Ray & Berndtson, Frankfurt. "Es gibt viele Führungskräfte, die gekündigt werden, weil zum Beispiel ein neuer Vorstand die Positionen mit loyalen Mitarbeitern besetzen will."

Wenn Führungskräfte arbeitslos werden, trifft der Schlag doppelt hart: Einerseits ist das Mitleid der Umgebung weniger groß, schließlich haben sie ja selber Personalentscheidungen getroffen, andererseits befinden sie sich in einer ungewohnten Situation: Sie sind nicht mehr Herr der Lage.

"Diese Hilflosigkeit schlägt oft in blinden Aktionismus um", sagt die Münchner Management-Trainerin Madeleine Leitner. Ein folgenschwerer Fehler: "So folgt der Kündigung eine falsche Job-Entscheidung und zwangsläufig die nächste Kündigung." Genau dies hat Hoya erlebt. Er übernahm kurz nach der Trennung die Vertriebsleitung bei einem Baustoffhändler - und war schon bald unzufrieden.

Die Kündigung ist auch eine Chance

"Nehmen Sie sich nach einer Kündigung mindestens vier Wochen, vielleicht aber auch drei Monate Zeit für eine ausführliche Analyse ihrer Stärken und Schwächen", rät Bruno Weidl, Senior-Partner der Personalberatung Heidrick & Struggles. "Die Kündigung ist auch eine Chance." Was will ich im Leben erreichen, was sind meine Stärken, was sind meine Schwächen? Was habe ich im vergangenen Job besonders gut gemacht, was ist mir nicht gelungen? Diese Fragen sollten nun im Vordergrund stehen, so Weidl.

Professionelle Hilfe bei der Ideenfindung liefern zum Beispiel Outplacement-Berater. Ihre Dienstleistung wird bei Trennungen manchmal als Zugabe durch den Arbeitgeber gewährt, kann aber auch privat gegen ein festes Honorar - gewöhnlich 20 Prozent des Brutto-Jahres-Gehaltes - in Anspruch genommen werden. Outplacement-Berater helfen bei der Stärken-Schwächen-Analyse, begleiten aber auch durch den gesamten Bewerbungsprozess und sogar die Probezeit.

Breite Klaviatur der Möglichkeiten nutzen

Das kann, wie im Falle von Malte Dittrich*, sehr sinnvoll sein. Der Mittvierziger hatte sich bei einem Autozulieferer vom Vertriebsingenieur zum Geschäftsbereichsleiter hochgearbeitet: "Ich habe 17 Jahre und damit den größten Teil meiner Karriere in einem Unternehmen verbracht. Ich wusste gar nicht mehr, wie man sich richtig bewirbt." Dabei ist die Klaviatur der Möglichkeiten breit. Wichtigste Ansprechpartner für Führungskräfte sind erst einmal die Personalberatungen, die so genannten Headhunter. "Ab einem bestimmten Gehaltsniveau werden Führungskräfte nicht mehr über die Zeitung gesucht", sagt Maren Lehky, Personalleiterin der Hamburger Hauni-Werke. Auch Beiersdorf und RWE geben an, ihre Führungspositionen entweder intern oder über Headhunter zu besetzen. Lehky rät, sich aktiv in deren Fokus zu bringen, unter Umständen auch mit einer List: "Sprechen Sie die Personalberatungen direkt an. Wenn Sie nicht durchgestellt werden, locken Sie mit einem Suchauftrag, das funktioniert."

Sich bekannt machen auf dem verdeckten Stellenmarkt

Häufig hilft es auch, die eigene Sichtbarkeit im Markt zu steigern. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig: Aufsätze in Fachzeitschriften verfassen, Vorträge halten, sich im Verband engagieren. All das wird nicht nur von Headhuntern wahrgenommen, sondern auch von potenziellen neuen Vorgesetzten. "Personalentscheidungen werden selten von Personalleitern getroffen. Viel häufiger sind es die direkten Führungsverantwortlichen, die einen Kandidaten vorschlagen", sagt der Düsseldorfer Outplacement-Berater Herbert Mühlenhoff. Und weil viele dieser Stellen des so genannten "verdeckten Stellenmarkts" gar nicht offiziell ausgeschrieben werden, ist es besonders wichtig, sich bekannt zu machen. "Wenn irgendwer fragt, ob es einen geeigneten Kandidaten für eine offene Stelle gibt, sollte jemand Ihren Namen kennen", sagt Leitner.

Die "Ich AG" vermarkten

Dittrich wiederum hat sich für einen ganz anderen Weg entschieden: Den des Zielgruppenbriefes. Er hat 122 Unternehmen seiner Branche ein kurzes Profil zugeschickt und Veränderungsbereitschaft signalisiert. "Den Brief habe ich jeweils individuell angepasst", so Dittrich. Mit Erfolg: 40 Unternehmen verlangten seine Unterlagen, sechs davon haben ihm einen Job angeboten.

In jedem Fall ist es wichtig, dass der Gekündigte nicht als Arbeitsloser auftritt, sondern als potenzieller Problem-Löser. "Sie müssen sich als die ?Ich AG? vermarkten und Ihre Stärken verkaufen", sagt Weidl. Während Manager das bei einem Produkt hervorragend beherrschen, fällt es ihnen im eigenen Fall besonders schwer.

Kündigung als Chance - Hobby zum Beruf gemacht

Wer die Kündigung als Chance betrachtet, kann seinem Leben teilweise erstaunliche Wendungen geben. Wie Peter Schneider*, ehemals Leiter der südamerikanischen Tochter eines Chemiekonzerns. Als er seinen Job verloren hatte, entdeckte er die Liebe zur Philosophie und zum Schauspiel - und würde sogar seinen heutigen Geschäftsführer-Posten für ein Bühnen-Engagement aufgeben.

Und Klaus Hoya hat nach langem Nachdenken festgestellt, das Festanstellungen nicht das Richtige für ihn sind. Er will sein Hobby mit dem Beruf verbinden und in Florida eine kleine Fluggesellschaft betreiben. Der Schock der Kündigung ist längst verflogen.

JOBVERLUST KOMPAKT

Seien Sie sich nie zu sicher. Eine Kündigung kann jeden treffen - zu Recht und zu Unrecht.

Klären Sie im Falle einer Kündigung Ihre rechtlichen Möglichkeiten mit einem fachkundigen Anwalt

Lassen Sie sich Zeit. Hektik führt zum falschen Job. Die Suche kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Behalten Sie Ruhe.

Arbeitslose geraten wie Schwerkranke häufig in Isolation. Reden Sie deshalb über Ihre Situation. Zeigen Sie, dass Sie sich nicht verändert haben. Pflegen Sie Ihre privaten Kontakte.

Analysieren Sie Ihre Stärken und Schwächen. Was können Sie besonders gut?

Treten Sie nie als "Arbeitsloser" auf, arbeiten Sie an Projekten, werden Sie "sichtbar".

Signalisieren Sie den führenden Personalberatern Ihre Wechselbereitschaft.

Tragen Sie Ihr Profil bei den großen Internet-Stellenmärkten ein (unter anderem stepstone.de, monster.de, jobscout24.de , jobline.de, jobpilot.de ). Wenden Sie sich eventuell an einen Outplacement-Berater. Die Adressen finden Sie beim Branchenverband BDU.

Bewerben Sie sich auch initiativ bei potenziellen Arbeitgebern. Nutzen Sie dafür das Instrument des Zielgruppenbriefs.

Aktivieren Sie Ihr Netzwerk.

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