„Wenn man den Tomatensaft wie eine Suppe löffelt, macht er satter“
Nicht nur sauber, sondern rein

Fasten ist unsexy: Der moderne Großstadtmensch setzt zwar auf Entgiftung seines Körpers, aber das heißt "Detoxing".

Die Party am Wochenende war exzessiv. Nach zwei Tagen Kater wusste Eva Melander: Ich muss etwas ändern. Sie trank kein Bier mehr und hörte auf zu rauchen. Mehr noch: Seit fünf Tagen hat die 37-jährige Managerin nicht einen Krümel fester Nahrung zu sich genommen. Stattdessen schlürft sie Gemüsebrühe, Kamillentee und Apfel-Mango-Schorle, dazu gibt es Wasser, Wasser und Wasser.

"Wenn man den Tomatensaft wie eine Suppe löffelt, macht er satter", sagt sie. Oder: "Etwas Leinsamen in den Obstsaft rühren - dann wird der Magen nicht so sauer." Die letzten Tage wird sie auch noch durchhalten - mit einer ungeahnten Freude auf den ersten Apfel danach. Fasten? Ach was, fasten ist unsexy, klingt nach öko und ist out. "Detoxification" heißt das jetzt und kommt aus London. Entgiften. Die eine Woche Nulldiät ist nur ein Teil des Detox-Programms.

Wie das aussehen kann, hat der englische Fernsehsender Channel 5 gezeigt: Bei der Doku-Soap "Celebrity Detox Camp" durfte der Zuschauer live vier ausgelaugten Promis - darunter Sängerin Kim Wilde - beim gemeinsamen Entgiften zuschauen: Unter Kopfschmerzen, Hunger und anderen Qualen verbrachten sie eine Woche in einer Spezialklinik im thailändischen Dschungel. Mit dem Ziel, den Drogen zu entsagen, über den eigenen Körper zu siegen oder schlicht ein paar Pfunde zu verlieren.

Begleitet wurde die Kur mit Chi-Gong-Kursen und Thai-Chi. Und einem Unterwasserseminar, das den vier Entgifteten suggerieren sollte, sie schwämmen im Mutterleib. Detoxing als Selbsterfahrung, ein Trip an die eigenen Grenzen. Ein Mischmasch aus Wellness, Fitness und Hungerkur mit Klistiergebrauch.

Die Detox-Idee geht davon aus, dass nicht allein Nahrungsmenge oder Kalorienzahl den Menschen dick machen, sondern auch die Spuren unterschiedlicher Chemikalien, die durch Luft, Wasser und unser Essen schwirren. Diese unerwünschten Stoffe lagern sich, wie die schottische Ärztin Paula Baillie-Hamilton erkannt haben möchte, als Schlacken in unserem Körper ab und binden Fett. Ein 28-Tage-Plan soll helfen, diese Gifte auf Dauer loszuwerden. Nach einer Fastenwoche sollen 75 Prozent der täglichen Nahrung aus Rohkost bestehen. Darauf schwört Baillie-Hamilton, Autorin von "Die Detox-Diät, das sensationelle Entgiftungsprogramm".

Das Buch kommt an. Obwohl sich Ernährungsexperten bei der Lektüre die Haare sträuben. "Alles paramedizinischer, nebulöser Unsinn", kommentiert Hans Hauner, Professor am Ernährungswissenschaftlichen Institut der TU München. Keine dieser Behauptungen sei wissenschaftlich belegt. Auch seien bislang keine Rückstände im Körper bekannt, die als Schlacken bezeichnet werden könnten. Zu viel Rohkost mache Blähungen, warnt der Experte - und wer kann und will überhaupt so viel davon essen?

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