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Wenn Manager ihren Job verlieren

Anders als im Theater wird Arbeitslosigkeit in der deutschen Belletristik selten thematisiert

"Marktkunden" nennt die Bundesagentur für Arbeit ihre Klientel seit neuestem. Wahlweise auch "Betreuungskunden". In der Literatur heißen sie schlicht Arbeitslose, wenn sie denn überhaupt vorkommen. Denn die Belletristik macht um die Situation, in der sich mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland befinden, meist einen großen Bogen.

Anders das Theater. Dort haben gesellschaftskritische Stücke Hochkonjunktur. Anmerkungen zu Hartz IV werden als aktuelle Replik sogar in die Inszenierungen eingebaut. In der Dresdener Aufführung von Gerhart Hauptmanns Drama "Die Weber" standen bisher 30 von den Reformen betroffene Bürger auf der Bühne. Der "Chor der Arbeitslosen" beschimpfte Politiker und die Journalistin Sabine Christiansen derart provozierend, dass das Thema nun sogar die Gerichte beschäftigt.

Wie zahm geht es da auf dem Buchmarkt zu - etwa bei Rolf Dobelli. In seinem zweiten Roman "Was machen Sie beruflich?" erzählt der Schweizer Autor vom Abstieg eines Marketingdirektors in die Arbeitslosigkeit. Gehrer, Ende 30, hochgebildet, auslandserfahren, fällt der Rezession zum Opfer und findet dafür starke Bilder: "Nun kommt der große Rasenmäher aus dem Solutions-Universe Headquarter angebrummt. Wer sich nicht duckt, kommt unter die Klinge."

Die Schilderung von Gehrers Abstieg gleicht einem Psychogramm. Da ist zunächst der Schock der Kündigung, dem ein kurzes Aufbäumen folgt, als Gehrer es allen zeigen will. Kurz darauf belügt er seine Frau und verschweigt ihr immerhin drei Monate lang, dass er keinen Job mehr hat. Er bewirbt sich, hat keine Chance. Es gibt eine kurze Verschnaufpause auf einer tropischen Insel, danach versucht der gescheiterte Manager sein Leben als Fahrlehrer einzurichten. Das geht schief, Gehrer verliert den Bezug zur Realität. Und als seine Frau Jeanette auszieht, bricht Gehrer zusammen.

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