„Wenn wir spielen, bringen die uns um“
Gewalt nach dem Friedensmarsch

Hooligans erzwingen den Abbruch des Lokalderbys zwischen AS Rom und Lazio - 174 Fans und Polizisten werden verletzt.

ROM. Am Samstag der riesige Friedensmarsch, am Sonntag die nackte Gewalt: Rom hat ein sehr wechselvolles Wochenende hinter sich. Am Montagmittag waren die Aufräumarbeiten zwischen Olympiastadion und Außenministerium noch voll im Gang, und in den Krankenhäusern lagen noch etliche der 174 Verletzten.

Im Grunde war es ein italienischer Fußballabend, wie ihn sich mancher vorstellt: Erst wusste keiner, was los ist, dann wurde ausgiebig diskutiert, und schließlich ging gar nichts mehr. Ganz so lustig war es allerdings nicht, was am Sonntagabend im Olympiastadion von Rom ablief. Das Derby zwischen dem AS Rom, der Roma, und Lazio musste kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit beim Stande von 0:0 auf Druck der Fans abgebrochen werden. Die Polizei ist sich sicher: Der Ausbruch der Gewalt, das war ein abgekartetes Spiel. Die eigentlich verfeindeten Ultras von Roma und Lazio wollten "das Lokalderby in die Luft jagen". Und zum Entsetzen aller Kommentatoren ist es ihnen gelungen: "Francesco Totti kapituliert vor der Südkurve", lauten die beschämenden Schlagzeilen, und der Kapitän der AS Roma verteidigt sich: "Hätten wir nicht abgebrochen, hätte es ein Blutbad gegeben."

Das Stadtduell beginnt regulär um 20.30 Uhr: Gegen Ende der ersten Halbzeit verbreitet sich unter den Fans via Handy die Nachricht, dass ein jugendlicher Anhänger der Roma auf dem Weg zum Stadion von einem Polizeiwagen angefahren und tödlich verletzt worden sei - totgeschlagen, behaupten manche dreist. Es sollte ein Gerücht bleiben, der Junge hatte lediglich einen Asthma-Anfall, doch den Tifosi, die sich in Rom traditionell lieber mit der Polizei als mit der Konkurrenz anlegen, ist es gleich. Sie reagieren mit der ihnen eigenen Mischung aus Zorn und Aggressivität. "Assassini, Assassini" - Mörder, Mörder, skandieren sie zu Beginn der zweiten Halbzeit immer lauter, bis auch die Spieler verstehen, dass etwas passiert sein muss. Schiedsrichter Rosetti unterbricht die Partie.

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