Wer begleitet den CSU-Chef nach Berlin?
Rätselraten um Stoibers „Mister X“

Noch hat der Kanzlerkandidat der Union die Rolle seines möglichen Spin-Doctors in Berlin nicht besetzt. Doch in München wird heftig spekuliert. Geht es doch auch um den dortigen Kronprinzen.

MÜNCHEN. Am Freitag preist Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber in einer Regierungserklärung mal wieder sein Erfolgsmodell Bayern an. Für mehr Gesprächsstoff im Landtag dürfte allerdings eine spannende Personalfrage sorgen. Gefahndet wird auch auf den Fluren des Münchner Maximilianeums nach einem "Mister X": Im CSU-Jargon eine "Begleitperson", die der Unionskanzlerkandidat im Falle eines Wahlsieges vermutlich als Minister nach Berlin nehmen will. Die Entscheidung, wer auf dem dafür reservierten Platz fünf der CSU-Bundestagsliste kandidieren wird, dürfte nämlich auch Bewegung in die für Stoiber leidige Nachfolgedebatte in München bringen. Noch hält sich Stoiber bedeckt, wer der oder die Auserwählte sein wird. Auch nach einer Vorbesprechung der CSU-Bezirksfürsten am Rande der jüngsten CSU-Vorstandssitzung sickerte kein Name durch. Landesgruppenchef Michael Glos konnte den versammelten Parteigrößen lediglich mitteilen, Stoiber werde sich "relativ zeitnah" zum Zeitpunkt der Listenaufstellung am 27. April über diese "Person seines Vertrauens" äußern. Die meisten Beobachter tippen dabei auf den Münchner Staatskanzleiminister Erwin Huber, der in Berlin den Job des Kanzleramtsministers übernehmen könnte.

Parteiintern wäre eine solche Entscheidung nicht unumstritten, denn Huber kennt das glatte Berliner Parkett ebensowenig wie Stoiber. Außerdem könnte der frühere Finanzminister politisch noch unter Druck geraten, wenn im Zuge der Kirch-Krise Sündenböcke gesucht würden: Immerhin hat er auch noch als "Medienminister" in der Staatskanzlei bei der Kreditvergabe eifrig mitgemischt.

Eine Alternative zu Stoibers "rechter Hand" Huber wäre Bayerns Innenminster Günther Beckstein, für viele das "Original" in Sachen Innere Sicherheit. Doch egal, für wen von beiden sich Stoiber entschiede: Der jeweils andere würde automatisch als Kronprinz in München gelten, obwohl die Stoiber-Nachfolgefrage doch möglichst bis zum Schluss offen bleiben soll. Denn Huber und Beckstein sind nach allgemeiner Einschätzung die beiden heißesten Anwärter auf das politische Spitzenamt im weißblauen Freistaat.

Einer aktuellen Umfrage zufolge favorisieren die Bayern Beckstein, für den 34 % als Stoiber-Erben plädierten. Beckstein hat aber den Nachteil, evangelisch und Franke zu sein, während das Gros der Wähler im katholischen Ober- und Niederbayern sitzt. Von dort stammt Huber, der bei besagter Umfrage mit 10 % allerdings noch hinter Strauß-Tochter Monika Hohlmeier und CSU-Landtagsfraktionschef Alois Glück landete: Was damit zu erklären ist, dass der Quasi-Geschäftsführer der Münchner Regierungszentrale kaum noch öffentlich in Erscheinung tritt.

Womöglich um sich die Nachfolgediskussion zu ersparen, hatten Stoibers Büchsenspanner zunächst Platz für zwei "Begleitpersonen" auf der CSU-Liste beansprucht. Doch da spielte die Berliner CSU-Landesgruppe, deren Mitglieder auch nicht zu kurz kommen wollen, nicht mit. Denn von den CSU-Bundestagsabgeordneten müssen ohnehin einige um ihren Job bangen, weil das Parlament um 68 auf 598 Sitze verkleinert wird.

Würde die CSU wie beim letzten Mal 47,7 % einfahren, dann hätte sie fünf Abgeordnete weniger als jetzt (47). Weil die Partei zudem immer die meisten Wahlkreise erobert, werden diesmal womöglich nur ein paar Bewerber den Sprung nach Berlin über die Liste schaffen. Entsprechend groß ist das Gerangel um die aussichtsreichen Plätze.

Sicher ist bereits, dass Stoiber die Liste anführen wird. Eine Bewerbung um ein Direktmandat wäre schon deshalb nicht sinnvoll, weil der CSU-Chef nur als Kanzler nach Berlin gehen will. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Landesgruppenchef Glos und Unionsfraktionsvize Horst Seehofer, die beide ein sicheres Direktmandat im Rücken haben. Gleiches gilt für Platz vier, für eine Frau reserviert.

Sollten wider Erwarten weder Beckstein noch Huber beim Platz 5 zum Zuge kommen, müsste Stoiber, um sich Ärger zu ersparen, dort dennoch auf jeden Fall ein politisches Schwergewicht setzen. Gehandelt wird deshalb auch der Name von Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, Stoibers Feuerwehrmann in Krisenfällen. Spekulationen gibt es auch über einen Seiteneinsteiger, Bayerns Wirtschaftsverbände-Geschäftsführer Stephan Götzl. Der frühere Umweltstaatssekretär in Rheinland-Pfalz - zu CDU-Regierungszeiten - soll Stoiber allerdings abgesagt haben. Derweil wird die Angelegenheit in der CSU-Landtagsriege schon sportlich betrachtet: "Wie wäre es mit Franz Beckenbauer?", heißt es nicht ohne Ironie unter Stoibers Getreuen.

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