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Wer die Musik bezahlt, sagt was gespielt wird

Das gilt insbesondere für die Mobilfunkbranche. Noch ist nämlich nicht klar, wer dort den Takt angibt, beziehungsweise wer das Geschäft ans Laufen bringen wird: Der Endkunde oder der Business-Nutzer.

UMTS im Daimler, Maud-Gebühren per Handy und eine mobile Mailbox für jeden Bundeswehrsoldaten. Industrielle Nutzer werden die Telekommunikationsbranche auch nicht retten, meint Olaf Deininger.

Die großen mobilen Anwendungen für Endverbraucher ziehen im Augenblick am meisten Druckerschwärze auf sich. Doch das Geschäft läuft - behaupten etliche Experten - zuerst im B-t-B-Bereich. Vergesst die SMS-Angebote zur Weltmeisterschaft, die Gourmet-Guides für den Palm, die Spielchen fürs Java-Handy ... die Industrie sorgt für die besten Umsätze.

Denn für das wahre Geschäft sorgt eine neue Form von Anwender. Die nämlich, die mit mobilen Applikationen ihre Produkte aufhübschen. Beispiel Automobilindustrie: So wie das Finanzierungsangebot zum festen Bestandteil jeder neuen Blechkarosse geworden ist, wächst auch das Navigationssystem samt Gastro-Führer mit dem vierrädrigen Produkt zusammen.

Auch andere Branchen spekulieren auf diese Art von mobilem Mehrwert. Oder zumindest auf den Effekt, dass ja immer noch das Medium die Message ist, will sagen, dass man sich mit netten Zukunftsstudien voll von integrierten mobilen Applikationen - ganz gleich ob die später in der Masse funktionieren oder gar erschwinglich sind - ein prima innovatives Image verpassen kann. Nicht umsonst werden in der Hardwareindustrie und bei den Herstellern regelmäßig Prototypen produziert: Einzig, um damit Berichterstattung und Presse zu generieren.

Und trotzdem ist die mobile Zukunft Endverbaucher orientiert. Denn was viele Marketing-Strategen vergessen ist, dass die ganzen integrierten Applikationen nichts nützen, wenn sie letztendlich dem späteren Käufer keinen Mehrwert liefern. Und so wird die Industrie auf die eigentliche Kernfrage zurückgeworfen, was diese Anwendungen wem bringen. Businessanwender können zwar die für Verbreitung, für die Bewerbung und das Marketing sorgen, doch ohne Endverbraucher-Geschäft wird es auch kein B-t-B-Geschäft geben.

Die Infrastruktur für Mobile Computing ist aufwendiger als ein paar UMTS-Sendemasten - ohne die Vorreiter in den B2B Anwendungen geht da gar nichts erwidert Stephan Sempert. Denn wer die Musik bezahlt, sagt auch was gespielt wird.

Wo er Recht hat, hat er Recht, der Kollege Deininger. Es ist nicht das Taschentelefon, das immer intelligenter werden muss. Gewiss, der eine oder andere würde schon etwas geben dafür morgens statt Handy, MP3-Player, Handheld-Computer und GPS-Navigator nur noch ein Gerät verstauen zu müssen. Aber viel interessanter als die Integration dieser Funktionen in eine mobile Standardarchitektur ist es, die nämliche als intelligentes Endgerät für mobile Webservices zu nutzen.

Ein Beispiel: Ein MP3-Player im Handy wird, genauso wie ein Walkman, mir immer nur vorspielen, was ich bereits kenne. Ein Webservice-Client aber könnte aus meinen Vorlieben darauf schließen, was mich ansonsten noch alles interessieren könnte. Und bei Gefallen dann aus der zentralen Medienbank zum Verbleib herunterladen. An solche Anwendungen denken die Visionäre, wenn sie über die Mobile Multimedia Zukunft träumen.

Der Haken daran ist die Komplexität dahinter. Die Infrastruktur solcher Dienste würde ein reibungsloses Zusammenspiel von digitalen Anwendungen auf einer Vielzahl von zentralen Rechnern mit den Endgeräten erfordern. Aber schon heute klagt jeder fünfte (Ihren Kolumnisten eingeschlossen) über die Unzuverlässigkeit der vergleichsweise einfachen mobilen Telefoniererei.

Deswegen ist es so interessant, die Bausteine der schönen neuen Mobile Multimedia Welt zunächst einmal in abgegrenzten kommerziellen Anwendungen zur Reife kommen zu lassen. Wieder am Beispiel Musik: Um die Aufgabe als Clearingstelle an der Schnittstelle zwischen Schallplatten-Industrie und Einzelhandel optimal zu lösen, entwickelte die Hamburger PhonoNet GmbH die umfassendste Multimedia Datenbank der deutschen Musikindustrie. Diese B2B Dienste sind inzwischen bewährt und stabil. Und deswegen ist es auch alles andere als abwegig, wenn PhonoNet das Rückgrat für zukünftige Konsumentenanwendungen der Musikindustrie stellen will.

Merke: Auch wenn am Ende alles nur dem Wohle des Endkonsumenten dient - solange die Infrastruktur noch im Entstehen ist, spielt die Musik im B2B-Sektor.

Schreiben Sie den Autoren: olaf.deininger@mediaone-hh.de Stephan@Sempert.net

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