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Wer hat Interesse an Holzmann?

Auch im zweiten Jahr nach seiner Beinahepleite wird der Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann voraussichtlich rote Zahlen schreiben.

rtr FRANKFURT. Nach einem Verlust von 56,5 Mill. ? in den ersten sechs Monaten 2001 werde auch für das Gesamtjahr mit einem Fehlbetrag gerechnet, teilte das Unternehmen am Freitag in Frankfurt mit. Ursache sei vor allem der weiter verschlechterte Baumarkt in Deutschland. Aus diesem Grund würden die Neuausrichtung und Restrukturierung des Konzerns verstärkt und Maßnahmen wie ein zusätzlicher Stellenabbau ergriffen. Abrechnungsbedingt werde jedoch im Gesamtjahr voraussichtlich ein besseres Ergebnis als in der ersten Jahreshälfte erzielt, hieß es. Im Herbst will Holzmann die Suche nach einem Fusionspartner vorantreiben.

Insgesamt zeigte sich Holzmann-Chef Konrad Hinrichs mit der abgeschlossenen Sanierung und der strategischen Neuausrichtung des Konzerns zufrieden. Philipp Holzmann habe "seine Hausaufgaben" gemacht, betonte der Vorstandsvorsitzende. "Doch wird das ambitionierte Ziel, ein ausgeglichenes Ergebnis (im Gesamtjahr 2001) zu erzielen, voraussichtlich nicht erreicht." Die seit nunmehr sechs Jahren andauernde Talfahrt der deutschen Bauwirtschaft habe sich in den ersten sechs Monaten 2001 nochmals dramatisch verschärft, hieß es zur Begründung. Da allerdings in den ersten sechs Monaten unter anderem drohende Verluste gebucht werden mussten und voraussichtliche Erträge aus laufenden Projekten nicht in der Bilanz berücksichtigt werden durften, sehe er im kompletten Geschäftsjahr ein geringeren Verlust als in den ersten sechs Monaten und im Vorjahr. Bereits im vergangenen Jahr hatte Holzmann das selbstgesteckte Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses verfehlt und rote Zahlen geschrieben.

Die Bauleistung steigerte Holzmann indes den Angaben zufolge in den ersten sechs Monaten 2001 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,7 % auf 3,1 Mrd. ?. Dabei habe das Auslandsgeschäft um 6,5 % zugenommen, während die Inlandsleistung um 6,9 % zurückgegangen sei. Eine umgekehrte Entwicklung zeichnete sich bei den Auftragseingängen ab, die im Ausland um 28 % schrumpften und im Inland um 17,5 % zulegten. Insgesamt sanken die Ordereingänge um 11,5 % auf gut drei Mrd. ?, während der Auftragsbestand mit knapp 7,5 Mrd. ? um 0,7 % über dem Vorjahr lag. Die Verschuldung des Konzerns werde bis Jahresende voraussichtlich auf unter 1,58 Mrd. ? sinken, was einem Abbau von mehr als 1,23 Mrd. ? im Vergleich zu 1999 entspräche.

Der Aktienkurs der Holzmann zog am Freitagvormittag um gut ein Prozent auf 12,70 ? an. Wie bereits angekündigt, will Holzmann im Herbst die Suche nach einem Fusionspartner vorantreiben. Allerdings habe er die Option, dass der Konzern eigenständig bleibe, nicht gänzlich aufgegeben, sagte Hinrichs. Die Partnersuche habe jedoch Vorrang. Einer Aufspaltung und Teilveräußerung Holzmanns erteilte der Vorstandsvorsitzende jedoch eine klare Absage. Hinrichs will sich nach eigenen Worten Ende diesen Jahres definitiv aus seinem Amt zurückziehen.

Hinrichs kündigte weitere Maßnahmen an, die den einstigen Branchenprimus wieder in die Gewinnzone bringen sollen. So sollen die Kapazitäten nach einem Abbau von bereits 600 Arbeitsplätzen im ersten Halbjahr um weitere 500 bis 700 Stellen reduziert werden. Damit werde sich der Stellenabbau seit der Krise Ende 1999 auf insgesamt mehr als 6000 belaufen. Die Restrukturierung der im Fertigteilbau tätigen Tochter imbau solle ebenso vorangetrieben werden wie der Umbau der US-Gesellschaft J.A. Jones. Bei der imbau würden drei Werke geschlossen. Hinrichs Worten zufolge wurde das Halbjahresergebnis auch durch Verzögerungen beim geplanten Verkauf nicht betriebsnotwendiger Immobilien belastet.

Insgesamt habe sich Holzmann in einem schwierigen Marktumfeld behauptet, resümierte Hinrichs. Das Kundenvertrauen sei wieder zurückgewonnen und die allgemeinen Geschäftskosten gesenkt worden. Auch würden das Beteiligungsportfolio weiter bereinigt. Holzmann hatte Ende 1999 Milliardenverluste bekannt gegeben und war danach nur knapp einer Insolvenz entgangen.

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