Wer ist der nächste?
Cragnotti gibt auf: Lazio Rom wird verkauft

Abpfiff für Lazio Rom, der hoch verschuldete Club-Chef Sergio Cragnotti gibt auf. Um seinen Gesamtkonzern Cirio zu retten, muss Cragnotti den Meister von 2000 verkaufen.

HB/dpa ROM. "Dies war eine schmerzliche Entscheidung, aber wir hatten keine andere Wahl", sagte Cragnottis Sohn Massimo. Ein Bankenkonsortium soll den mit derzeit 100 Millionen Euro verschuldeten Traditionsclub innerhalb von sechs Monaten übernehmen. "Cragnottis Untergang ist exemplarisch für ein System, dem schon viele zum Opfer gefallen sind", kommentierte die "La Gazzetta dello Sport" am Donnerstag. Der Traditionsclub AC Florenz ging im Sommer Pleite, dessen früherer Besitzer Vittorio Cecchi Gori wurde wegen betrügerischen Bankrotts verhaftet. Jetzt steht Lazio zum Verkauf und weitere Serie A-Clubs werden folgen.

Die Zeiten des Booms sind vorbei, das einstige "Lire-Paradies" für Fußballer wird immer mehr zur Hölle. Den Club-Bossen, die sich Fußball-Mannschaften als Luxusspielzeuge halten, geht wegen der Wirtschaftskrise das Geld aus. Die für die defizitären Vereine überlebenswichtigen Finanzspritzen der Club-Bosse bleiben aus. Die Liga ist insgesamt bereits mit über 700 Millionen Euro verschuldet. Viele Clubs können die hoch getriebenen Spielergehälter nicht mehr aufbringen und bezahlen ihre Spieler im Schnitt mit zwei- bis viermonatiger Verspätung - wenn überhaupt.

Die Lazio-Spieler bekamen ihr letztes Gehalt im Juni. Als dann in der letzten Woche der Lazio-Mutterkonzern Cirio eine fällige Anleihe von 150 Millionen Euro nicht mehr zurückzahlen konnte, war das Todesurteil gefällt. Insgesamt 1,12 Milliarden Euro muss Cirio in den nächsten drei Jahren zurückzahlen. Dafür braucht Cragnotti jeden Cent. Lazio kann er sich da nicht mehr leisten.

Um den Club für den Verkauf aufzupolieren, muss Cragnotti das Defizit durch Spielerverkäufe verringern. Nachdem im Sommer bereits die Stars Hernan Crespo und Alessandro Nesta abgegeben wurden, droht Lazio der zweite Ausverkauf: Die Leistungsträger Jaap Stam, Stefano Fiore und Dejan Stankovic könnten noch zu Geld gemacht werden. Mit Lopez und Sorin will man alte Schulden begleichen. Manchester United und Valencia haben Lazio verklagt. Den Engländern schulden die Römer für den Wechsel von Jaap Stam noch 18, Valencia für Mendieta noch 12 Millionen Euro. Zahlen kann Lazio nicht und deshalb bietet es "ManU" zum Ausgleich Lopez und Valencia Sorin an.

Lazios Lage ist dramatisch, auch wenn Cragnottis Sohn den Club als "gesund" bezeichnet. "Der Stadtrat wird alles unternehmen, um dieses Wahrzeichen der Stadt zu verteidigen und zu unterstützen", kündigte Roms Bürgermeister Walter Veltroni öffentliche Hilfe an. Selbst der Lokalrivale AS Rom nimmt Anteil an Lazios Schicksal. "Wir hoffen, dass Lazio seine Probleme überwindet", sagte Roma-Boss Franco Sensi, der gemeinsam mit Cragnottis Lazio eigentlich das Olympiastadion kaufen und zu einer modernen Fußball-Arena umbauen wollte.

Ein Retter aber ist nicht in Sicht. Wunschkandidat Ernesto Bertarelli zeigt wenig Interesse. Der römische Pharma-Gigant steckt sein Geld lieber in die "Americas Cup"-Segelyacht "Alinghi". Und auch Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi, der im italienischen Fußball gerade auf Einkaufstour ist und auch mit Lazio erste Geschäfte angebahnt hatte, kommt nicht als Retter in der Not in Frage. Schließlich sitzt Gaddafis Sohn Al Saadi als zweitgrößter Aktionär nach der Familie Agnelli bereits im Vorstand des Rekordmeisters Juventus Turin.

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