Wer jetzt antizyklisch handelt, könnte in ein bis zwei Jahren belohnt werden
Wenige Lichtblicke im Fernen Osten

Japans Aktienmarkt bleibt schwach. Aber ausgewählte Exportwerte könnten von einem Aufschwung in den USA besonders profitieren.

DÜSSELDORF. Seit den Tiefständen vom September nach den Terroranschlägen in den USA haben sich die internationalen Börsen wieder erholt. Weltweit? Nein, nicht ganz. Denn im Fernen Osten gibt es einen Inselstaat, dessen Aktienmarkt sich - und das schon seit vielen Jahren - hartnäckig jedem nachhaltigen Aufschwung widersetzt: Japan. Diese Woche rutschte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index an der Börse Tokio wieder unter das Niveau vom September - und damit auf den tiefsten Stand seit 18 Jahren. Aber den Markt sollte man nicht über einen Kamm scheren, sagen Aktienexperten. Es gebe durchaus Hoffnungswerte - und wer nun antizyklisch handle, könne in ein bis zwei Jahren belohnt werden.

"Die Yen-Schwäche hilft natürlich den Exportwerten", sagt Lilian Haag, Fondsmanagerin bei der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Sie leitet den DWS Japan und den DWS Japan Opportunities. Die japanische Währung hat kräftig gegenüber dem US-Dollar verloren; dieser kostet jetzt mehr als 132 Yen gegenüber 120 Yen noch Mitte November. Das macht japanische Produkte billiger auf dem Weltmarkt. Sehr viel schwächer werde der Yen aber nicht mehr, und ein Großteil des Währungsvorteils sei schon in den Kursen der Export-Aktien enthalten. Aber Haag sieht ein weiteres Plus. "Die großen Exportunternehmen sind schon immer dem internationalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt gewesen und haben sich dementsprechend angepasst." Werte wie Ricoh und Canon sowie Honda und Toyota dürften wegen ihrer guten Marktstellung voraussichtlich besonders stark von der erhofften Konjunkturerholung in den USA profitieren, während Sony zwar über ein sehr gutes Weihnachtsquartal berichten konnte, die Aktie inzwischen aber relativ teuer sei.

Canon, Hersteller von Druckern, Kopierern, Fotoausrüstungen und Maschinen zur Halbleiter-Herstellung (Stepper), habe - abgesehen vom letzten Halbjahr - immer wieder Rekordergebnisse vorgelegt. Haag lobt die strikte Kostenkontrolle und das "sehr gute Management". Die Autokonzerne Honda und Toyota erzielten jeweils etwa die Hälfte ihrer Betriebsergebnisse in den USA, wo sie von einem Aufschwung enorm profitieren dürften. Der Honda-Aktie gibt sie dabei noch den Vorzug. Diese Qualitätswerte könnten es aber nicht schaffen, den "zweigeteilten" japanischen Aktienmarkt insgesamt nach oben zu ziehen.

Auch Michael Neppert, Fondsmanager der Dresdner-Bank-Fondsgesellschaft DIT, sieht den Markt "sehr differenziert". Er leitet seit 14 Jahren den ausschließlich in Japan investierenden DIT Pazifik-Fonds. Ähnlich wie Haag rechnet er damit, dass sich die japanische Währung noch etwas weiter abschwächen dürfte, auf etwa 140 Yen je Dollar in den nächsten Monaten. "Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Yen sehr schwer einzuschätzen ist. Ich setze deshalb in meiner Strategie nicht zu sehr auf Exportwerte", räumt Neppert ein. Canon ist auch für ihn ein aussichtsreicher Wert, aber die Aktien der großen Autohersteller Toyota, Honda und Nissan seien schon so gut gelaufen und teilweise in die Nähe ihrer Kurshochs angelangt, so dass er hier "untergewichtet" ist. Er setzt vielmehr auf die Hersteller von Computerspielen (Sega, Capcom) und ist bei Sony (mit der neuen Playstation 2) und Pioneer (als Profiteur vom DVD-Boom) "leicht übergewichtet". Bei anderen international bekannten Werten wie Toshiba, Hitachi und Fujitsu ist Neppert ebenso wie seine DWS-Kollegin Haag sehr skeptisch: Bei Halbleiter-Herstellern sieht er wenig Chancen, allenfalls NEC liefere "halbwegs passable Ergebnisse". Ein besseres Investment sei Rohm, ein Hersteller von Spezialchips.

Ebenfalls positiv für Rohm - "ein Pendant zur europäischen STMicroelectronics" - ist Roland Ziegler gestimmt. Der bei der BHF-Bank für Japan zuständige Aktienstratege setzt auch auf die "Yen-Abwertungsgewinner" Honda, Sony und Canon ("profitiert stark von der Umstellung von analoge auf digitale Kopierer") und auf konjunkturzyklische Aktien wie Fanuc. Dieses Unternehmen stellt Steuerungssysteme für Werkzeugmaschinen und Industrieroboter insbesondere für die Autoproduktion her und ist dort Weltmarktführer. Ein klarer "Frühzykliker und zudem Yen-Profiteur", wie auch Haag erklärt.

Wer nicht auf Technologie oder Konjunkturzyklus bauen will, sollte Ziegler zufolge auf einen Qualitätswert der Pharmaindustrie achten: Takeda Chemical. "Takeda hat ein gutes Management und kann in der Weltliga mit den ganz Großen mitspielen. Auf Grund des starken Gewinnwachstums ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 21 historisch gesehen und im internationalen Vergleich sehr günstig bewertet."

Bankaktien werden von den Experten gemieden. Für Anleger mit schwachen Nerven ist die japanische Börse ohnehin weniger geeignet. Das gilt nicht nur wegen der vielen Enttäuschungen der Vergangenheit. Der Markt ist stärker als Europa oder die USA anfällig für Konjunktur- und Stimmungsschwankungen. Seit dem Platzen der Börsenblase Anfang der 90er- Jahre ist er immer weiter abgerutscht. Viele Probleme sind ungelöst: faule Kredite und daraus resultierend die mangelnde Bereitschaft der Banken, neue Kredite zu vergeben; die durch verpuffte Konjunkturprogramme hoch getriebene Staatsverschuldung; die schwache Inlandskonjunktur.

Die Regierung unter Ministerpräsident Koizumi - seit Frühjahr 2001 im Amt - sollte für neuen Schwung sorgen, aber die Hoffnungen wurden enttäuscht. Die Volkswirte sind wenig optimistisch. "Die Politik befindet sich nach wie vor im Ankündigungsstadium", bemängelt Markus Küppers von der Privatbank Sal. Oppenheim. Und der Export allein werde das von Rezession und Deflation geplagte Land "nicht aus dem Schlamassel führen", so Hypo-Vereinsbank - Volkswirt Jörg Wagner. Bleibt die Hoffnung auf einen zyklischen Aufschwung der Börse, wie ihn zum Beispiel Ziegler und Neppert in ein bis zwei Jahren erwarten.

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