„Wer Schwarz-Gelb will, kann auch FDP wählen.“
Union will der FDP in Hamburg unter die Arme greifen

Angela Merkel trifft sich demonstrativ mit Guido Westerwelle. Die CDU versucht, mit einer Leihstimmenkampagne der FDP aus der Patsche zu helfen.

DÜSSELDORF. Kurz vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg am Sonntag dringt ein schwacher Hoffnungsschimmer in die sorgenumwölkten Gemüter der Liberalen: Die FDP, die nach allen Umfragen an der Fünf- Prozent-Hürde zu scheitern droht, liegt der Union seit Monaten in den Ohren, ihr mit einer Leihstimmenkampagne aus der Patsche zu helfen - was diese bisher, die absolute Mehrheit fest im Blick, stets ignoriert hatte. Doch jetzt will die CDU dem Drängen der FDP nachgeben und im letzten Moment ein paar wohldosierte christlich-liberale Signale an den Wähler senden.

CDU-Chefin Angela Merkel traf sich gestern - nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe - demonstrativ mit dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle. Beide hatten gestern abendliche Wahlkampfauftritte in der Hansestadt zu absolvieren. Merkel, so war am Nachmittag in ihrer Umgebung zu hören, werde zwar weiterhin für eine klare Mehrheit für den CDU-Bürgermeister Ole von Beust werben. Aber anders als bisher wolle Merkel jetzt die Umarmungsversuche der Liberalen (Plakatslogan: "Olé, Olé, nur mit der FDP!") vorsichtig erwidern, hieß es: "Wenn es um Koalitionen geht, dann am liebsten mit der FDP", sei die Botschaft ihrer Wahlkampfrede. Auch von Beust hatte sich jüngst in einem Interview den aktuellen FDP-Wahlkampfslogan fast wortgleich zu eigen gemacht: "Wer Schwarz-Gelb will, kann auch FDP wählen."

Auf den ersten Blick hat die Union keinen Grund zu Zugeständnissen an die Liberalen: Den letzten Umfragen zufolge kann von Beust weiterhin vor Kraft kaum laufen. Die CDU liegt nach einer gestern veröffentlichten Emnid-Umfrage bei 46 % und damit deutlich vor Rot-Grün (SPD: 30 %, Grüne: 13 %). Das bedeutet: Absolute Mehrheit. Es gibt aber dabei ein großes Fragezeichen, und das steht hinter dem Schicksal des skandalumwitterten Ex-Innensenators Ronald Schill. Dessen neue Truppe Pro DM liegt zwar in Umfragen derzeit bei drei bis vier Prozent. Aber jeder Dritte ist noch unentschlossen. Daher ist offen, ob Schill wirklich unter der Fünf-Prozent- Hürde bleibt. In Hamburg stellt man sich im Gegenteil zunehmend darauf ein, dass Schill es doch noch schafft. Das würde bedeuten, dass die absolute Mehrheit für die CDU ziemlich unwahrscheinlich wird.

Westerwelle hat noch einen weiteren Hebel in der Hand: In seinem Gespräch mit Merkel werde man auch über die Bundespräsidentenwahl im Mai reden, hieß es gestern weiter. Da braucht die CDU mangels eigener Mehrheit in der Bundesversammlung die FDP, die damit drohen kann, notfalls mit Rot-Grün gemeinsame Sache zu machen und die liberale Ex-Ausländerbeauftragte Cornelia Schmalz-Jacobsen zum Staatsoberhaupt zu wählen.

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