Wer seine Aktien hält wird mit Gratisaktien belohnt
Neue T-Aktien: Der Lohn der Treue lockt

Treue wird belohnt, verspricht die Deutsche Telekom auch für die dritte Privatisierungsrunde. Doch steuerfrei sind ihre Treueaktien nicht

Es ist wieder so weit. Die Deutsche Telekom winkt erneut mit Gratisaktien für treue Anleger. Mittlerweile zum dritten Mal. Wer sich innerhalb der ersten zehn Tage der vom 31. Mai bis 16. Juni laufenden Zeichnungsfrist um neue Telekom-Aktien bewirbt und Erfolg hat, bekommt für jeweils zehn T-Aktien, die er am 31.12.2001 aus der dritten Tranche des Börsengangs hält, eine Aktie umsonst.

Wie die Aktien aus den beiden ersten Privatisierungspaketen, so stammen auch diese aus dem Besitz des Bundes. Doch den alten Kinderreim, "geschenkt ist geschenkt - wiederholen ist verboten", ließ der Finanzminister nur beim ersten Börsengang gelten. Für die weiteren Tranchen heißt es: Aktien gratis: ja - steuerfrei: nein. Das will die Telekom noch gar nicht richtig wahrhaben. Die Auskunft der Investor-Relations-Abteilung: "Die Besteuerung ist noch nicht geklärt. Darüber wird noch verhandelt." Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat offensichtlich die Verhandlungen bereits abgeschlossen: "Der Wert der Bonusaktien aus dem zweiten und jedem weiteren Börsengang ist als Einnahme aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 2 Satz 1 EStG (Einkommensteuergesetz) zu erfassen", teilte das BMF auf Anfrage mit. Im Klartext: Es handelt sich um Sachdividenden, die wie andere Dividenden auch versteuert werden müssen, allerdings mit dem Unterschied, dass keine Kapitalertragsteuer abgezogen wird. Geregelt wurde dies durch ein BMF-Schreiben vom 10.12.1999 (Aktenzeichen: IV C 6 - S 1900 - 228/99I), in dem es außerdem heißt: "Bei der Ausgabe der Bonusaktien sind die Aktionäre durch die depotführenden Banken auf die Steuerpflicht hinzuweisen."

Der Hinweis der Depotbank wird manchen Zeichner der zweiten Tranche im August überraschen, wenn die Treueaktien verteilt werden. Sie haben nämlich die Katze im Sack gekauft: Als sie die T-Aktien im Juni 1999 zeichneten, war die neue Steuerregelung noch gar nicht bekannt.

Weil die Treueaktien zu den Einnahmen aus Kapitalvermögen gehören, zählen sie beim Sparerfreibetrag mit. Der wurde zum Jahresbeginn für Ledige/gemeinsam veranlagte Ehepaare auf 3 000 bzw. 6 000 DM halbiert. Im Durchschnitt bekamen die Anleger in Deutschland 170 T-Aktien zugeteilt. Das bedeutet: Ein lediger Durchschnittsanleger hat mit den Treueaktien auf dem aktuellen Kursniveau bereits mehr als die Hälfte seines Sparerfreibetrages ausgeschöpft.

Da haben es die Zeichner der dritten Tranche sogar ein bisschen besser. Wenn sie ihre Treueaktien bekommen, gilt wahrscheinlich das Halbeinkünfteverfahren anstatt des aktuellen Anrechnungsverfahrens (siehe Glossar). Die Treueaktien, die im Jahr 2001 ausgegeben werden, gehen dann nur mit der Hälfte ihres Kurswertes in den Sparerfreibetrag ein. Und wenn der Freibetrag überschritten wird, muss auch nur die Hälfte des Kurswertes versteuert werden.

Wer Treueaktien erhält, sollte beachten: Ein Geschenk, gleich nach dem man es erhalten hat, zu versilbern, ist unhöflich. Im Fall der geschenkten Telekom-Aktien rächt sich der Schenker sogar nachträglich: Wer seine Bonusaktien innerhalb eines Jahres (Spekulationsfrist) seit der Zuteilung verkauft, muss den Gewinn versteuern. Es gilt § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG, der die privaten Veräußerungsgeschäfte regelt.

Übrigens: Die Steuerregelung für die Gratisaktien der Deutschen Telekom ist eine Ausnahme. Üblicherweise sind Gratisaktien, auch Bonus- oder Freiaktien genannt, Berichtigungsaktien. Sie berichtigen das Grundkapital der Gesellschaft, denn sie stellen eine Umwandlung angesammelter Gewinnrücklagen in Grundkapital dar. Der Aktionär bekommt also nichts geschenkt, sondern lediglich Aktien als Gegenwert für früher erzielte, aber nicht ausbezahlte Gewinne. Deshalb sind Gratisaktien aus der Umwandlung von Rücklagen in Nennkapital steuerfrei.

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