Wer sich in Bonn womit durchgesetzt hat
Die Gewinner und Verlierer der Klimakonferenz

Japan, Australien und Kanada sind die eigentlichen Gewinner der UN-Klimakonferenz in Bonn. Mit ihrer Verzögerungstaktik pokerten sie hoch und erhielten sogar noch weiterreichendere Zusagen, als sie im Vorfeld erhoffen konnten.

afp BONN. Das Kompromisspapier des niederländischen Konferenzvorsitzenden Jan Pronk kommt diesen Staaten sehr weit entgegen. Sie dürfen sich nun ihre Waldbewirtschaftungsmaßnahmen auf die Klimaschutzziele anrechnen lassen, und zwar bis zu 3,5 Prozentpunkte ihrer gesamten Reduktions-Verpflichtungen. Damit kann etwa Japan, das seinen CO2-Ausstoß nach dem Kyoto-Protokoll um sechs Prozent gegenüber 1990 reduzieren muss, mehr als die Hälfte seiner Verpflichtungen über Waldbestände abdecken.

Nicht nur die ärmeren Entwicklungsländer, sondern auch die reichen Opec-Staaten berwirkten die Zusage, von der Europäischen Union (EU) finanzielle Unterstützung beim Klimaschutz zu erhalten. Die EU-Staaten und eine Reihe anderer Industrieländer, darunter Kanada, wollen dafür bis zu 410 Millionen Dollar (924,3 Millionen Mark/472,6 Millionen Euro) pro Jahr zur Verfügung stellen.

Zu den Verlierern auf lange Sicht zählen dagegen die Inselstaaten, die im Fall einer weiteren Erderwärmung als erste in den Ozeanen versinken. Ihre Überlebenschancen sinken im dem Maße, wie die Reduktionsziele heruntergeschraubt wurden.

Deutliche Abstriche von ihren Klimazielen musste die Europäische Union machen. Sie hatte gehofft, als "Vorreiter" die zögernden Länder mitzuziehen. Stattdessen ist Europa im Ergebnis die einzige Region, die sich tatsächlich zu einem nennenswertem Abbau des CO2-Ausstoßes verpflichtet. Die EU konnte sich auch nicht mit rechtlich bindenden Sanktionsmechanismen für den Fall durchsetzten, dass einzelne Staaten ihre Abbauverpflichtungen nicht einhalten. Mangels eines Konsenses wurde die Frage vorerst ausgeklammert. Es ist kaum damit zu rechnen, dass die Länder um Japan, die hier eine Einigung blockiert haben, sich auf der Nachfolgekonferenz von Marrakesch im Oktober auf bindende Sanktionsmechanismen einlassen werden.

Die Vereinigten Staaten stehen aus ihrer Sicht am besten da. Sie haben sich in Bonn mit ihrer strikten Position, das Kyoto-Protokoll nicht zu unterzeichnen, öffentlich sehr zurückgehalten. Gleichzeitig kommt es ihnen recht, dass die Japan-Gruppe die Vereinbarung weiter verwässern konnte. Da die USA zudem nicht aus dem Verhandlungsprozess ausgestiegen sind, haben sie weiterhin mit das Sagen, vor allem bei allen Finanzierungsentscheidungen, die der Einstimmigkeit bedürfen.

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