Wer siegt bei der Wahl?
Umfragen sehen unterschiedliche Koalitionen vorne

Eine halbe Woche vor der Bundestagswahl verfestigt sich in Umfragen das Kopf-an-Kopf-Rennen von Regierung und Opposition, allerdings sehen die Meinungsforschungsinstitute weiterhin unterschiedliche Koalitionen als voraussichtliche Sieger.

Reuters BERLIN. In einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage legen SPD und Grüne zusammen um einen Punkt zu und hätten mit 47&nb sp;% einen Punkt Vorsprung vor Union und FDP. Das Institut Allensbach sah hingegen weiterhin Union und FDP zusammen bei 47,4 % gegenüber 44,2 % für die Regierungskoalition. Unterschiedliche Auffassungen haben die Institute auch dazu, wie sich aktuelle politische Entwicklungen noch auf die Wahlentscheidung auswirken werden.

"Der Wahlausgang wird so knapp sein, dass man nicht sagen kann, wer wirklich vorne liegen wird", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. In der jüngsten Umfrage seines Instituts für das Magazin "stern" und RTL legt die SPD um zwei Punkte auf 40 % zu, während CDU und CSU bei 38 % verharren. Die kleinen Parteien verloren je einen Prozentpunkt. Die FDP kam auf acht Prozent, die Grünen auf sieben Prozent und die PDS auf vier Prozent. Damit hätte Rot-Grün einen Punkt mehr als Union und FDP, wobei für eine Regierungsbildung noch erheblich sein wird, ob die PDS über drei Direktmandate in den Bundestag kommt. Die Fehlertoleranz bei Forsa liegt bei 2,5 %.

Das Institut Allensbach, das in der vergangenen Woche erstmals in diesem Jahr und Wochen später als die anderen Institute einen Gleichstand von Union und SPD nach zum Teil deutlichem Vorsprung der Union registriert hatte, sieht in der aktuellen Umfrage die Union wieder um 0,3 Punkte vorne. Für CDU und CSU sagt Allensbach 37,3 % voraus, für die SPD 37,0 %. Bei den favorisierten Koalitionspartnern der beiden großen Parteien bleibt Allensbach als einziges Institut bei dem deutlichen Unterschied zwischen FDP (10,1 %) und Grünen (7,2 %). Für die PDS sagt das Institut 4,4 % voraus. "Der knappe Vorsprung von Schwarz-Gelb in der Wählergunst und der Rückschlag der PDS vor allem in Ostdeutschland verstärken zusammen die Aussichten von Union und FDP, im Parlament gemeinsam eine Kanzlermehrheit an Mandaten zu erreichen", lautet die Schlussfolgerung.

Allensbach: Höhenflug der SPD hat sich nicht fortgesetzt

Die wegen der Irak-Debatte in die Defensive geratene Union habe sich wieder stabilisiert, der Höhenflug der SPD habe sich nicht fortgesetzt, schreibt Allensbach-Chefin Renate Köcher in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Die Antriebskräfte, die die Regierungskoalition aus den Emotionen der Irak-Diskussion zog, haben sich erschöpft." Zudem führten die Rettungsversuche der Regierung für das von Insolvenz bedrohte Telekom-Unternehmen MobilCom "auf vermintes Gelände". "Das Verständnis der Bevölkerung für große Investitionen in bedrohlich kranke Großunternehmen ist begrenzt." Nachdem sich in der ersten Septemberhälfte anders als zuvor Befürworter und Gegner eines Regierungswechsels in den Umfragen die Waage gehalten hätten, sprächen sich inzwischen wieder 38 % für einen Regierungswechsel aus, 33 % dagegen.

Wahlforscher hatten das Krisenmanagement der Regierung beim Hochwasser, die Ablehnung einer deutschen Beteiligung an einem Militärschlag gegen Irak und ein besseres Bild von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im zweiten TV-Streitgespräch mit seinem Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) als Grund für die steigenden Umfragewerte für die Koalition genannt. "Die Entscheidung auf der Zielgeraden wird in hohem Maße davon abhängen, welche Themen die Wähler in den letzten Tagen vor der Wahl beschäftigen", schrieb Köcher. Anders als Köcher erwarten Güllner und Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen kaum Auswirkungen der aktuellen Entwicklung im Irak-Konflikt auf das Wahlergebnis. Irak hatte der Entsendung von UNO-Waffeninspektoren zu Wochenbeginn zugestimmt und damit einer wichtigen Forderung der Staatengemeinschaft entsprochen. "Ich glaube nicht, dass es die Grundstimmung kurzfristig beeinflusst. Sie haben real Angst, dass da was passieren kann", sagte Güllner. Jung sagte Reuters, die Parteien mobilisierten mit dem Irak-Thema vor allem ihre Stammwähler und erschlössen keine neuen Reservoirs. Daher sei die Wirkung aller Voraussicht nach eher gering.

Güllner: Wähler schwanken zwischen Kandidaten und Parteien

Viele Wähler stecken nach Güllners Einschätzung in einem Dilemma, dessen Auswirkung nicht berechenbar sei. Das Problem für die SPD sei, dass viele Menschen für Schröder, aber nicht unbedingt für die SPD stimmen wollten. Bei der Union sei das umgekehrt. Für viele Wähler sei die Union in der Wirtschaftspolitik besser, aber der Kandidat zu schwach.

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