"Wer sollte uns schon übernehmen?"
Mannheimer will mehr Privatanleger gewinnen

Die Mannheimer AG Holding, die zum 23. September in den MDAX aufsteigen wird, erhofft sich von der neuen Indexzugehörigkeit vor allem mehr Aufmerksamkeit bei Privataktionären. Bisher liegen knapp elf Prozent der Aktien in den Händen von Privatanlegern.

vwd MANNHEIMER. Knapp 75 Prozent halten Institutionelle im Inland, etwa 15 Prozent institutionelle Anleger im Ausland. Die bisherige Notierung im SMax habe leider nicht dazu geführt, dass sich Privatanleger, Analysten und Fondsmanager intensiver mit der Aktie beschäftigt hätten, sagt Vorstandsvorsitzender Hans Schreiber.

Die Mannheimer AG Holding gilt gegenwärtig als einziger börsennotierter Versicherer ohne beherrschenden Aktionärseinfluss. Kein Gesellschafter hält mehr als 10 Prozent der Aktien, die als vinkulierte Namensaktien ausgegeben werden. Größte Anteilseigner sind die Münchner Rück und die österreichische Uniqua Versicherung, die jeweils rund zehn Prozent der Aktien halten. Unter fünf Prozent der Aktien sind in Besitz von Swiss Re Germany, GE Frankonia Rück, Gerling Globale Rück, Universa sowie Wüstenrot & Württembergische. Der traditionsreiche Versicherungskonzern deckt heute ein breites Spektrum an Versicherungssparten und Finanzdienstleistungen ab.

Als Obergesellschaft des Konzerns fungiert die Mannheimer AG Holding, die alleiniger Gesellschafter ihrer Töchter ist, die im Bereich Schaden-, Unfall-, Leben-, Kranken- und Rückversicherung sowie im Asset Management tätig sind. Zum Konzern gehört auch der Online-Versicherer, die Mamax Lebensversicherung AG. Mit Beitragseinnahmen von rund 850 Mio Euro und etwa 1 160 Mitarbeitern gilt die Mannheimer als mittelgroße Versicherungsgruppe, die sich auf bestimmte Marktnischen und Zielgruppen konzentriert. Als eine der letzten unabhängigen börsennotierten Versicherungsgesellschaften sieht Schreiber die Mannheimer dennoch nicht als Übernahmekandidat.

"Wer sollte uns schon übernehmen?"

Das Unternehmen habe einen relativ stabilen Kreis von institutionellen Aktionären, die daran interessiert seien, dass es die Mannheimer weiter gibt, meinte der Vorstandsvorsitzende. Die Mannheimer erwirtschafte ansehnliche Gewinne und bediene auch ihre Aktionäre gut. "Wer sollte uns schon übernehmen", erklärte er. Für einen Ausländer, der noch nicht am deutschen Markt tätig sei, sei das Unternehmen zu klein. Mit dem Kauf der Mannheimer würde ein Übernehmer nur einen Markteil von einem Prozent erwerben, "das bringt nicht viel", glaubt Schreiber.

Für einen Inländer passe das Unternehmen mit seiner auf Marktnischen und Zielgruppen konzentrierten Strategie auch nicht. "Ich glaube, wir werden in zehn Jahren auch noch unabhängig sein", sagte Schreiber. Die Tatsache, dass das Unternehmen keinen festen Bankpartner als Vertriebspartner hat, sieht Schreiber nicht als Nachteil an. Der Verkauf von Versicherungen über Banken sei lediglich als Zusatzgeschäft zu werten. Die meisten Versicherungen würden nach wie vor über hauptberufliche Profis, Generalagenten oder Makler in Deutschland verkauft und nicht über die Bankschalter, erklärte Schreiber.

Wachstum über Akquisitionen

Die Mannheimer wickelt ihren Vertrieb nur über hauptberufliche Vermittler, Generalagenten und Makler ab und verzichte auch auf die Zusammenarbeit mit Strukturvertrieben. In der Schadenversicherung stammten etwa 60 Prozent des Neugeschäfts von den eigenen Generalagenten, 40 Prozent komme von Maklern, erläuterte Schreiber. In der Leben- und Krankenversicherung werde bis zu 80 Prozent des Neugeschäfts von Maklern aquiriert. Etwa 15 bis 20 Prozent stammten von MLP.

Wachsen will die Mannheimer auch über Akquisitionen. Derzeit führe das Unternehmen Gespräche mit anderen Wettbewerbern im Bereich der Schadenversicherung, sagte Schreiber. Es sei jedoch noch zu früh, um Ross und Reiter zu nennen. Mit einem Abschluss sei noch im laufenden Jahr zu rechnen. An dem Kauf von Lebensversicherern oder Krankenversicherern habe das Unternehmen kein Interesse. "Schadensversicherungsbestände oder auch kleinere Gesellschaften, die zu uns passen, würden wir übernehmen", sagte er. Voraussetzung sei allerdings, dass sie profitabel gemacht werden können. In ein Fass ohne Boden werde die Mannheimer nicht investieren.

Marktchancen zur Erweiterung der Produktpalette sieht Schreiber vor allem im Bereich Allgefahrendeckung im Privatkunden- und Firmenkundenbereich. Das sei ein Thema, mit dem sich die Mannheimer künftig noch intensiver beschäftigen werde. Die Mannheimer konzentriere ihre Geschäftstätigkeit bewusst auf den deutschen Markt, sagte Schreiber. Vor 15 Jahren sei die Mannheimer noch in zehn europäischen Ländern tätig gewesen. "Wir haben alles dicht gemacht", erklärte er. Jedes erfolgreiche Investment in einen anderen Markt würde voraussetzen, dass die Mannheimer viel Geld in die Hand nehmen müsste. Deutschland sei der größte Markt der EU.

Kein großes Industriegeschäft

"Hier kennen wir uns aus und sind erfolgreich". Strategie der Mannheimer sei auch, dass sie kein großes Industriegeschäft zeichne, da man dort kein Geld verdienen könne. Des Weiteren rabattiere die Mannheimer auch keine Privatkundenmassensparten wie die Automobilsparte. Mit seinen Premiumprodukten versichere das Unternehmen die Kunden kompletter, umfangreicher und anspruchsvoller. Das sei zwar etwas teurer, zahle sich aber für die Kunden und das Unternehmen aus.

Stolz verweist Schreiber auf die Schaden-Kostequote im Konzern, die stabil unter 100 liegt. Ein Wert, so der Vorstandsvorsitzende, von dem so mancher Wettbewerber noch weit entfernt sei.

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