Werbeagentur BBDO zeigt Interesse
Kabel New Media wird zerlegt

Das einstige Internet-Imperium Kabel New Media zerfällt: Die Webagentur wird stückweise verkauft. Der ehemals gefeierte Gründer Peter Kabel hat zudem vor der Insolvenzeröffnung den Vorstandvorsitz abgegeben.

lip HAMBURG. Das Internet-Imperium des Firmengründers Peter Kabel, die Kabel New Media (KNM) AG, löst sich immer weiter auf: Die Düsseldorfer Werbeagentur BBDO interessiert sich für die Standorte Köln und Hamburg der zahlungsunfähigen Hamburger Internet-Agentur. Erst in der vergangenen Woche hatte der Bad Homburger Software-Anbieter Clarity AG Reste der Bonner Niederlassung der am Neuen Markt notierten Gesellschaft erworben.

Bei KNM hat der Gründer und einstige Star der Web-Szene, Peter Kabel, mit Wirkung vom 31. August den Vorstandsvorsitz abgegeben. Über das gesamte Vermögen des Unternehmens wurde am Montag das Insolvenzverfahren eröffnet. Betroffen davon sind die GmbH-Töchter in Hamburg, Berlin, München, Bonn sowie Friedrichshafen. Der Kurs der Kabel war am Montag Vormittag zunächst um 19 % gestiegen. Nach Veröffentlichung der Meldung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens brach die Notierung hingegen um fast 5 % auf 0,20 Euro ein.

Auslöser für den Kursanstieg am Montag Vormittag war vor allem das Interesse der Werbeagentur BBDO an den Kölner Aktivitäten von Kabel New Media. "Wir stehen mit dem Insolvenzverwalter kurz vor der Vertragsunterzeichnung", sagte BBDO-Sprecher Thomas Huber dem Handelsblatt. Die Werbeagentur will rund 45 KNM-Mitarbeiter sowie deren Kunden übernehmen. Dazu gehören unter anderem das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), SAT 1 sowie Warner Brothers. Das Etatvolumen bewegt sich zwischen 3,5 bis 4 Mill. DM, heißt es in firmeninternen Kreisen.

Gelingt das Geschäft, will die Düsseldorfer Werbeagentur die Kölner KNM-Aktivitäten in die BBDO interactive einbringen, in der ihre gesamten Internet-Aktivitäten gebündelt sind. "Damit würde BBDO interactive in Köln eine eigene Niederlassung erhalten", sagte ein Firmen-Sprecher.

Die zu den führenden Werbeagenturen Deutschlands gehörende BBDO-Gruppe führt zudem "Sondierungsgespräche" mit dem KNM-Insolvenzverwalter über Teile des Hamburger Standorts. KNM arbeitet hier mit mehr als 120 Mitarbeitern vor allem für den Automobilhersteller BMW. Das Etatvolumen hierfür wird in Branchenkreisen auf mehr als 8 Mill. DM geschätzt.

BBDO tritt dabei möglicherweise das Rennen gegen die ebenfalls am Neuen Markt notierte Hamburger Internet-Agentur Sinner-Schrader AG an, die sich bereits kurz nach der Meldung des KNM-Konkurses als Interessent für den Standort Hamburg und den Kunden gemeldet hatte. Zu aktuellen Gesprächen will ein Sprecher von Sinner-Schrader allerdings keinen Kommentar abgeben.

Ursprünglich wollte die Nürnberger Internet WWL Internet AG-Agentur den lukrativen Teil der KNM-Aufträge sowie rund die Hälfte der rund 350 bis 400 KNM-Mitarbeiter übernehmen. Doch die Verhandlungen waren bereits nach kurzer Zeit gescheitert. Das Unternehmen hatte nach einer Prüfung festgestellt, dass die Übernahme von Firmenteilen zu riskant erscheine. Vor allem die Integration sei zu kostspielig, betonte WWL-Vorstandssprecher Michel Lindenberg damals.

Unklar ist derzeit, an welcher Börse die Aktie der Kabel notiert bleibt. Nach dem neuen Regelwerk der Deutschen Börse müssen insolvente Unternehmen ab Oktober den Neuen Markt verlassen. Der Insolvenzverwalter hat dann die Möglichkeit einen Antrag zu stellen, die Aktie am Geregelten Markt aufzunehmen.

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