Werbeausfälle und Entlassungen überschatten Medientage
Medienbranche in der Krise

Unter den Vorzeichen wegbrechender Werbeeinnahmen und zahlreicher Entlassungen haben am Mittwoch die Münchner Medientage begonnen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte zur Eröffnung, die Medienbranche stecke in der größten Krise der Nachkriegszeit.

ddp MÜNCHEN. Eine schnelle Besserung im Werbemarkt sei "nicht absehbar". Auch der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, sagte der krisengeschüttelten Branche eine weitere Durststrecke von mindestens einem Jahr voraus.

Dies ist Ring zufolge für die privaten Rundfunk- und Fernsehsender ungleich problematischer als für die öffentlich-rechtlichen. Er schlug deshalb vor, in einem ersten Schritt den öffentlich-rechtlichen Radiosendern die Ausstrahlung von Werbung zu verbieten. Der Anteil am Werbekuchen würde dadurch für die Privaten größer. Ring forderte, langfristig müssten auch die Fernsehsender ARD und ZDF ohne Werbung auskommen. Es gebe derzeit ein deutliches Ungleichgewicht der Einnahmen. Die Öffentlich-Rechtlichen hätten sieben Milliarden Euro zur Verfügung und die Privaten lediglich vier Milliarden Euro.

Unterstützung bekam Ring von RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler und von Stoiber. Der Ministerpräsident stimmt im Fernziel mit der Abschaffung der Werbung bei ARD und ZDF überein. Dies lasse sich jedoch politisch nur schwer durchsetzen. Dazu brauche es den Konsens aller Länder. Einen Alleingang in Bayern mit gesetzlichen Werbebeschränkungen für den Bayerischen Rundfunk (BR) lehnte Stoiber ab. Dies würde die Wettbewerbsposition gegenüber den anderen Anstalten schwächen.

BR-Intendant Thomas Gruber sagte, über ein Werbeverbot im Rundfunk mit gleichzeitigem Ausgleich durch höhere Gebühren lasse sich reden. Ring hatte die Summe von 25 Cent monatlich genannt. Zugleich bezweifelte Gruber jedoch, ob die privaten Radios tatsächlich im erhofften Maße davon profitieren würden. Schließlich würde ein Radioprogramm ohne Werbung für die Zuhörer sicherlich attraktiver.

Der Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), Jürgen Doetz, verlangte, auf höhere Gebühren als Ausgleich für ein Werbeverbot zu verzichten. Die Finanzschere zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern müsse verkleinert werden.

Stoiber appellierte zudem an die öffentlich-rechtlichen Sender, sich auf den "Grundversorgungsauftrag" zu beschränken. Nur so könne die "Sozialverträglichkeit der Rundfunkgebühr" gesichert werden. Die Bürger hätten wenig Verständnis, für ihre Gebühren das Gleiche wie bei den Privaten zu sehen. Zur Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen gehöre auch "Information zur besten Sendezeit", betonte der CSU-Chef.

Er warf der rot-grünen Bundesregierung vor, die schlechte Situation der Medienbranche noch verschärft zu haben. Der Ministerpräsident nannte in diesem Zusammenhang vor allem die Neuregelung der 325-Euro-Jobs und das Scheinselbstständigengesetz. Hinzu kämen die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage und Strukturprobleme.

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