Werbeausgaben erhöht
Mobile Werbung gewinnt Anhänger

Auch das Mobiltelefon bleibt von Werbung nicht mehr länger verschont. Experten rechnen mit einem ähnlichen Boom wie im Online-Bereich. Tatsächlich scheint die kürzeste Verbindung zwischen Hersteller und Kunde häufig drahtlos zu funktionieren. Wermutstropfen: Die Rahmenbedingungen sind noch verbesserungswürdig.

DÜSSELDORF. Die neueste Single von Sänger Prince gibt es kostenlos aufs Handy, Coca-Cola baut ein soziales Netzwerk auf, das vollständig übers Mobiltelefon genutzt wird, und die Frauenzeitschrift Brigitte bietet einen Wein-Coach fürs Handy an - damit man auch im Restaurant schnell nachgucken kann, welcher edle Tropfen am besten zum bestellten asiatischen Fischgericht passt.

Der Trend ist eindeutig: Immer mehr Unternehmen entdecken die mobile Werbung als neues Marketinginstrument. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Strategy Analytics, die dem Handelsblatt vorab vorliegt, rechnen die Marktforscher sogar mit einer Verzehnfachung der mobilen Werbeausgaben in den nächsten vier Jahren: von weltweit 1,4 Mrd. Dollar in diesem Jahr auf satte 14,4 Mrd. Dollar im Jahr 2011. Damit käme die mobile Werbung in vier Jahren auf einen Anteil von 20 Prozent der weltweiten Ausgaben für Internet-Werbung.

Nach Ansicht von Studienleiter Phil Taylor werde sich die Erfolgsgeschichte der Online-Werbung auf dem mobilen Bildschirm wiederholen - wenn auch nicht nach genau dem gleichen Muster. Insbesondere die traditionellen Medien stünden unter Druck: Während sie früher nahezu alleine den Zugang zu den Konsumenten über Print und TV hatten, säßen heute Netzbetreiber mit ihren Onlineportalen sowie Handyhersteller mit ihren Endgeräten an den strategisch wichtigen Punkten der mobilen Werbung. Dabei steigt die Zahl der Mobilfunkanschlüsse stetig: Nach Schätzung des Branchenverbandes Bitkom wird sie dieses Jahr die Drei-Mrd.-Grenze überschreiten.

Die Marktforscher von Strategy Analytics wissen bereits, wie sich die mobilen Werbeausgaben künftig aufteilen werden. "Im Gegensatz zur Fernsehwerbung bei klassischen Medien wird mobiles TV nicht der größte Umsatztreiber im mobilen Bereich sein", sagt Analyst Taylor. Stattdessen würde fast die Hälfte (48 Prozent) der Ausgaben in Display-Anzeigen im mobilen Internet fließen. Auf Platz zwei stünden mobile Suchmaschinen, auf die 2011 etwa 28 Prozent der Werbeausgaben entfallen. Weit abgeschlagen seien mobile Werbeformen wie Broadcast-TV mit zehn Prozent sowie SMS oder In-Game-Werbung mit jeweils drei Prozent.

Torsten Schwarz, Fachautor für Online-Werbung in Deutschland, hält die Prognose einer Verzehnfachung der mobilen Werbeausgaben für recht gewagt. "Bis dahin sind aber noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen", warnt er. So müssten zum einen die Handyhersteller verstärkt Geräte mit größeren Bildschirmen anbieten. In einer 160-Zeichen-Nachricht, wie sie derzeit üblich ist, bleibe wenig Platz für Werbung.

Aber es gebe noch weiteren Handlungsbedarf: Die Telekommunkationsunternehmen müssten endlich verstärkt Flatrates fürs Handy anbieten. "Das Tarifproblem muss man dringend lösen", sagt Schwarz. Keiner wolle schließlich für die Werbung, die ihm aufs Mobiltelefon geschickt wird, auch noch zusätzliche Gebühren bezahlen.

Das Akzeptanzproblem von Handywerbung hält Schwarz hingegen für lösbar: "Wenn die Konsumenten beispielsweise bestimmte Angebote von ihrem Anbieter kostenlos bekommen, werden sie mobile Werbung sicherlich auch akzeptieren."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%