Werbebranche
Interview: Die Online-Werbung führt den Aufschwung an

Während die klassischen Medien unter dem anhaltend schwachen Werbegeschäft stöhnen, atmen die Online-Werber erstmals auf. Die Begründung: Wenn Werbebudgets schrumpfen, sind ungewöhnliche Werbeformen besonders gefragt. DMEuro.com hat mit Branchen-Kenner Arndt Groth darüber gesprochen.

Wie beurteilen Sie die Lage auf dem Online-Werbemarkt?

Der Gesamtwerbemarkt ist weiter angespannt. Doch der Online-Werbemarkt trotzt dem Trend der Branche. Wir haben hier auf jeden Fall den Boden erreicht. Im März hatten wir 5,5 Prozent mehr Marktvolumen als im Vorjahresmonat. Gespräche mit unseren Kunden und die Auftragslage zeigen uns, dass es weiter aufwärts geht.

Es ist durchaus denkbar, dass der Markt in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr noch um 20 bis 25 Prozent zulegt. Mit knapp einem Prozent vom Werbemarkt ist das Volumen ja auch noch klein. Auch deshalb sind dann solche Steigerungen möglich. Allerdings ist das auch abhängig von der Entwicklung der gesamten wirtschaftlichen Lage und des gesamten Media-Marktes im zweiten Halbjahr. Das muss man immer im unmittelbarem Zusammenhang sehen.

Welchen Marktanteil trauen sie Online-Werbung in Zukunft zu?

In Deutschland liegt der Anteil bei rund einem Prozent. In Amerika sind es schon 3,5 Prozent. Es war schon immer so: Bei jedem neuen erfolgreichen Medium - egal ob Hörfunk oder TV - ging mit dem steigenden Medien-Konsum automatisch eine Umverteilung der Media-Budgets einher. Nach dem Motto: "Wo meine Zielgruppen sind, da investiere ich auch." Das Internet hat in Deutschland einen Anteil von sieben Prozent an der Mediennutzung. Von daher sehe ich auch das Ziel der Online-Werbung in Deutschland in diesem Bereich - bei fünf bis sieben Prozent Marktanteil. Aber das ist langfristig zu sehen - das geht bis ins Jahr 2010 und folgende.

Warum soll sich gerade Online-Werbung besser entwickeln als der Rest?

Das Medium wird erwachsen. Mit Kreativität und den neuen technischen Möglichkeiten können wir Markenartiklern das bieten, was sie suchen. Mit Flash-Animationen und Filmsequenzen wird die Werbung lebendig - und genau danach suchen die Kunden. Bei den zum Teil stark eingeschränkten Budgets brauchen sie nämlich etwas Besonderes, etwas Einzigartiges. Außerdem hat Online-Werbung unstrittige Vorteile: den direkten Zugang zu Produktinformationen etwa, im besten Fall mit Kaufabschluss.

Wann wird Online gleichwertig neben den klassischen Medien stehen?

Ich gehe davon aus, dass es in zwei bis drei Jahren wirklich zu einem Basismedium geworden ist. Basismedium heißt, dass es in der Media-Planung als ganz normaler Baustein neben den anderen Werbemaßnahmen steht. Besonders in Branchen wie Finanzdienstleistung, Sport oder Auto ist die Akzeptanz schon jetzt besonders groß. Bei Lebensmitteln und Konsum-Produkten dagegen muss noch einiges an Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit geleistet werden. Das sind die Märkte, die noch hinterher hinken.

Wer profitiert davon?

Die Werbetreibenden werden sich noch stärker auf ein paar große, bewährte Anbieter konzentrieren als bisher. Schließlich ist es für sie und die Agenturen auch zu aufwendig, mit hundert unterschiedlichen Werbeträgern oder Vermarktern zusammen zu arbeiten.

Arndt Groth ist Vorstandsvorsitzender der Interactive Media CCSP, der Online-Vermarktungs-Tochter des Axel Springer Verlages und T-Online.

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