Werbeeinnahmen brechen kurzfristig ein
US-Fernsehsender haben hohe Einbußen

Nach der Terrorkatastrophe in den USA hielt auch die deutsche Werbebranche den Atem an: Fernsehsender zeigten die Sonderberichte tagelang ohne Werbeunterbrechung, viele Unternehmen stornierten ihre Werbebuchungen.

ckr/pwe DÜSSELDORF. Jetzt wagen Experten erstmals, den für die Medien und die Werbebranche entstandenen Schaden zu beziffern. "Wir schätzen, dass die Werbeumsätze bei allen Medien kurzfristig um bis zu 25 % eingebrochen sind", heißt es beim größten deutschen TV-Werbezeiten-Einkäufer, der Düsseldorfer Mediacom Europe.

Auch der Gesamtverband Werbeagenturen Deutschland (GWA) erwartet hohe Umsatzeinbußen für die Werbeträger. Dabei war das Werbejahr 2001 ohnehin schon schwach. Statt bisher um 3 % sollen die Werbeeinnahmen jetzt um 5 % zurück gehen. Das entspricht einem zusätzlichen Minus von 466 Mill. DM.

Lufthansa stoppte zweideutigen Werbeslogan

"Luftfahrtunternehmen und Tourismuskonzerne überlegen sich, ob sie jetzt ihre Werbegelder fließen lassen", sagt Lothar Leonhard, GWA Präsident und Geschäftsführer bei der Agentur Ogilvy & Mather, Frankfurt. Unternehmen wie Coca Cola, Henkel und das Verlagshaus Gruner & Jahr haben nach dem Unglück einzelne Kampagnen oder sogar ihre ganze TV-Werbung zurückgezogen. Die Lufthansa hatte Schwierigkeiten, ihre Anzeigen mit dem nun zweideutigen Slogan "Zugegeben, auch wir überlassen schon mal anderen die Führung" in allen Medien rechtzeitig zu stoppen.

Bei den Werbe-Vermarktern der beiden privaten Sender-Familien von RTL Group und Kirch, Seven One Media und IP Deutschland, ist noch unklar, wie hoch die Werbeverluste als Folge der Terroranschläge ausfallen. Eine Sprecherin des RTL-Vermarkters rechnet mit Einbußen "im einstelligen Millionenbereich". Bei Unternehmen aus nicht direkt betroffenen Branchen ist aber schon eine Normalisierung des Werbeverhaltens zu spüren. "Am 17. September haben wir das normale Werbeprogramm wieder aufgenommen," so ein Sprecher des Konsumgüter-Konzerns Procter & Gamble Deutschland.

Die kurzfristigen Auswirkungen der Terroranschläge auf US-TV-Gesellschaften sind dagegen enorm. Die Rede ist von Werbeausfällen in Höhe von rund 320 Mill. $. Der Verlust sei viel höher ausgefallen als Experten erwartet hatten, fand das New Yorker Marktforschungsinstitut CMR heraus: Die Sender hätten allein am Tag der Terrorakte rund 46,17 Mill. $ als Verlust verbucht.

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