Werbeeinnahmen gehen insgesamt weiter zurück: Verlage verschärfen Verdrängungswettbewerb

Werbeeinnahmen gehen insgesamt weiter zurück
Verlage verschärfen Verdrängungswettbewerb

Auch in diesem Frühjahr streben neue Zeitschriftentitel auf den Markt. Doch die Werbeeinnahmen vieler Verlage sind weiter zurückgegangen. Experten prognostizieren eine Bereinigung im Markt.

DÜSSELDORF. Im Zeitschriftenregal wird es immer enger: Im Mai sorgen die Zeitschriftenverlage für neue und häufiger erscheinende Magazine besonders im Frauen- und Lifestyle-Bereich. Es geht darum, Leserschaft von anderen Magazinen abzuwerben. "Der Zeitschriftenmarkt befindet sich mitten in einem Verdrängungswettbewerb", sagt Dietmar Rehker, Chef der größten deutschen Mediaagentur Mediacom Europe. Rehker ist Spezialist für die Vermittlung von Werbekunden an die Verlage. Auch Philipp Welte, Geschäftsführer der Burda People Group, die die Magazine "Bunte" und "Instyle" herausgibt, warnt: Auf dem härtesten Markt der Welt komme es zu einem "brachialen Verdrängungswettbewerb", sagte Welte dem Handelsblatt.

Unverdrossen legen viele Zeitschriftenhäuser in diesem Frühjahr dennoch mit weiteren Titeln und Testballons nach. Der Condé Nast-Verlag schaltet mit seinem Frauenmagazin "Glamour" von monatlicher auf 14-tägliche Erscheinungsweise um. "Glamour" soll dabei vor allem jüngere Leserinnen ansprechen. Auch die MVG Medien Verlagsgesellschaft kommt im Mai mit "Joy Celebrity" auf den Markt. Die Sonderausgabe zu dem Lifestyle-Magazin "Joy" widmet sich den Stars der Oscar-Verleihung in Hollywood mit Schönheits- und Modetipps. Sonderausgaben dienen in der Branche oft als Testballon für vollwertige Magazine.

Im Männermagazin-Bereich wird ebenfalls geplant: Der Heinrich Bauer Verlag feilt nach eigenen Angaben an einem neuen Magazin. Brancheninsidern zufolge soll die Leserschaft vorwiegend männlich sein. Auch FHM Deutschland plant nach Brancheninformationen bereits für Mai ein weiteres Männer-Magazin neben dem Hauptblatt Blatt FHM. Gruner + Jahr ist mit den Planungen für ein neues Männermagazin mit dem Arbeitstitel Look noch nicht so weit: "Für uns wäre der Launch eines neuen Titels nur sinnvoll, würde eine Chance bestehen, mit einem überzeugenden journalistischen Konzept eine marktführende Position zu erringen. Unsere konzeptionellen Überlegungen sind aber noch nicht so weit ausgereift, dass wir auf den Startknopf drücken könnten", kommentiert ein Verlagssprecher. Konkreter fallen die Planungen beim Gruner + Jahr-Lifestyle-Magazin "Living at home" aus: Ein Sonderheft ist in Arbeit. Auch das Verlagsflaggschiff "Stern" startet mit einem Gesundheits-Special. Aus dem Axel Springer Verlag soll bereits im Frühjahr eine neue "Gesundheits-Bild" als Sonderheft an den Kiosk kommen.

Unterdessen sind die Brutto-Werbeeinnahmen der Publikumszeitschriften im traditionell eher schwächeren Monat Januar laut Nielsen Media Research um 8,4 % gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Schon das vergangene Jahr war für viele bitter: "Bei manchen Publikumszeitschriften sind die Anzeigenumfänge um 50 % geschrumpft", klagt Wolfgang Fürstner, Vorsitzender des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger. "Wenn die Anzeigenrückgänge weiterhin so bleiben, dann kann man nicht ausschließen, dass einige Zeitschriftentitel beispielsweise im Computer-Bereich vom Markt verschwinden", so Fürstner. Der CEO der größten deutschen Werbegruppe BBDO Group, Rainer Zimmermann, ging erst vor einigen Tagen mit dem "Überangebot" auf dem Zeitschriftenmarkt ins Gericht: "Wir werden ein Titelsterben erleben", so Zimmermann gegenüber der Presse.

Den Unkenrufen zum Trotz gibt es in der Flaute dennoch einige Ausnahme-Bereiche, die sich als Lieblinge der Anzeigenkundschaft bewähren. Viele People- und Frauenmagazine gewinnen bei den Werbeeinnahmen dazu und ermuntern Verlage in neue Projekte zu investieren. So hat das Frauenheft "Instyle" aus dem Burda-Verlag in 2002 die Nettowerbeumsätze um 40 % gegenüber Vorjahr gesteigert, bei "Bunte" ging es bei den Nettoeinnahmen um 24 % herauf. Auch Januar und Februar liefen für beide Hefte nach Verlagsangaben "gut".

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