Werbeeinnahmen zurückgegangen
Verlage im Internet: Fast alle schreiben weiterhin rote Zahlen

Ein halbes Jahrzehnt nach dem Start der meisten Online-Auftritte schreibt nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) niemand schwarze Zahlen - außer "Welt"-online. Viele Verlage überlegen deshalb, womit sie die Zahlungsbereitschaft der Internet-Surfer wecken können.

dpa HAMBURG. Die neuesten Nachrichten gibt es fast zum Nulltarif: Die meisten deutschen Zeitungen und Nachrichtenmagazine sind auch im Internet. Der im Netz surfende Leser zahlt nichts außer den Gebühren für die Internet-Verbindung. Um ihren Auftritt im Netz zu finanzieren, müssen die Verlage andere Einnahmequellen anzapfen. "Intellektuelle Leistungen dürfen generell nicht verschenkt werden", glaubt der Aufsichtsratsvorsitzende der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Hans-Wolfgang Pfeifer. Seiner Ansicht nach sollten Internet-Angebote der Tageszeitungen nicht länger kostenlos angeboten werden; vor allem aus ökonomischen Gründen: "Die Anlaufinvestitionen sind zu hoch gewesen, und die Erlöse sind dramatisch zu niedrig." Doch auch der Online-Auftritt der FAZ, die im Januar ins Netz ging, bleibt in absehbarer Zukunft frei zugänglich. Dies bekräftigte jüngst faz.net-Redaktionsleiter Frank Gaube. Nur die Artikel der Print-Ausgabe im Internet sind den Abonnenten der Zeitung vorbehalten.

Eine neue Finanzierungsform des Online-Angebotes hat die Koblenzer "Rhein-Zeitung" gefunden. Seit Mai stellt sie ihre ganze Ausgabe als "e-paper" ins Netz. Noch können nur die Abonnenten der Zeitung kostenlos darin surfen. Doch sobald die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) festlegt, dass ein Abonnement der elektronischen Zeitung der gedruckten Auflage zugerechnet werden kann, wird es möglich sein, das "e-paper" zu abonnieren.

Viele Verlage hätten Interesse an diesem Konzept, berichtet IVW - Geschäftsführer Michael Schallmeyer. Unter anderem denken "Welt" und "Focus" über ein kostenpflichtiges "e-paper" nach. Nach Angaben des BDZV ist das Online-Angebot der "Rhein- Zeitung" bislang weltweit einzigartig. Nur die "New York Times" habe ein ähnliches Projekt angekündigt, heißt es. Und fast 1:1 finden die Abonnenten der "Financial Times Deutschland" ihre Zeitung im Netz. Nur die Fotos fehlen. Der Managing Director Electronic Media bei der "FTD", Christoph Weger, sieht "e-paper" nur als zusätzliches Angebot zum herkömmlichen Internet-Auftritt: "Der Vorteil des Internet ist ja, dass man über den Inhalt der gedruckten Ausgabe hinaus aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte liefern kann."

Noch versuchen die Verlage, ihre Online-Ausgaben mit Werbung, Sponsoring, Contentbrokerage - dem Verkauf von Inhalten - und E- Commerce zu finanzieren. Beim "Handelsblatt" etwa kommen 70 % der Einnahmen von der Werbung und 30 % vom Inhalte-Verkauf, bei der FTD stammen 80 % von der Bannerwerbung und 20 % von Contentbrokerage. "Werbung ist bei uns der ganz große Brocken und das wird langfristig so bleiben - trotz der derzeitigen Flaute im Werbemarkt", berichtet auch die Sprecherin der Spiegel Net AG, Anja zum Hingst. Allerdings überlegt auch der "Spiegel", welche weiteren Erlös-Quellen es im Internet geben könnte. "Es liegen Konzepte in der Schublade, aber Konkretes ist noch nicht geplant", sagt zum Hingst. "Es gibt ungezählte geldwerte Lösungen, die geradezu darauf warten, für das Internet erschlossen zu werden", sagt die Spiegel.net-Sprecherin. Allerdings verhindert eine große Barriere deren Umsetzung: "Viele User sind an kostenlose Inhalte gewöhnt - langfristig wird sich das wohl kaum ändern", meint der Chefredakteur der "Welt", Wolfram Weimer. Wenn der Netz-Surfer zu Kasse gebeten werden soll, müssten alle Verlage diesen Weg zusammen gehen, sagt Andreas Tazl, verantwortlich für die Vermarktung des "SZ"-Online- Auftritts.

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