Werbeflaute bei den TV-Sendern drückt aufs Geschäft: Kirch-Gruppe kürzt Filmeeinkauf

Werbeflaute bei den TV-Sendern drückt aufs Geschäft
Kirch-Gruppe kürzt Filmeeinkauf

Angesichts leerer Kassen setzt die Münchener Kirch-Gruppe den Rotstift auch im Kerngeschäft, dem Filmrechte-Handel, an. Der in der Kirch Media AG für Einkauf, Verkauf und Produktion zuständige Fred Kogel will künftig weniger Filme beschaffen.

MÜNCHEN. "Der Bedarf hat sich geändert", verteidigt Kogel den Strategiewechsel. "Unsere Filmrechtebibliothek stellt eine der Größten der Welt dar. Es geht nicht mehr darum, sie auszubauen, sondern sie verstärkt auszuwerten. Das bedingt auch, dass wir in Zukunft nur in dem Umfang einkaufen werden, dass der Bedarf unserer Sender und der Drittkunden gedeckt werden kann."

Rechte an Formel 1 Signal für Anleger

Die zur Zeit 11 000 Spielfilme umfassende Rechtebibliothek könnte sogar auf 8 000 bis 10 000 Titel sinken, räumt der 41jährige frühere Sat 1-Chef im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Die Filmrechte gelten gemeinsam mit den Sportlizenzen (Fußball-Bundesliga, Fußball-WM) als die wertvollsten Einlagen der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe. Bislang wurden die Filmrechte in der Konzernbilanz mit rund 3 Mrd. Euro bewertet. Für die Rechte an der Formel 1 hatte Kirch rund 2 Mrd. Euro gezahlt. Sie gelten als besonders wichtig, um die Anleger beim geplanten Börsengang der Kirch Media im Juni von der Werthaltigkeit des Unternehmens zu überzeugen.

Medienanalysten glauben auch, dass die gezügelte Kauflust bei Kirch Media mit den finanziellen Nöten des Unternehmens zusammenhängt. Zudem ist die Kirch-Gruppe zur Zeit in verschiedene Rechtsstreitigkeiten mit großen amerikanischen Filmstudios wie Paramount verwickelt. Dabei geht es auch um nicht geleistete Zahlungen des Münchener Unternehmens. Brancheninsider gehen deshalb davon aus, dass schon längst nicht mehr alle US-Studios im großen Stil mit Kirch zusammenarbeiten wollen.

Kogel will künftig auch keine so genannten "Output-Deals" mit Hollywood-Studios mehr abschließen, bei denen die Rechte an allen Produktionen über mehrere Jahre erworben werden. "Der klassische Output-Deal entwickelt sich zum Paket-Deal", betont Kogel, "wir wollen nur noch bestimmte Programmpakete abnehmen. Ein Einkauf erfolgt bedarfsorientiert."

Neuer Markt hat Preise fallen lassen

Auf dem Lizenzmarkt habe durch den Einbruch des Neuen Marktes ein Regulierungseffekt eingesetzt, erklärt Kogel. Weil zahlreiche Wettbewerber kein Geld mehr haben, sind viele Rechte jetzt wieder günstiger, sozusagen im Ausverkauf, zu haben. Gleichzeitig hat sich auch die Käuferseite dramatisch verändert: "Die Fernsehsender müssen verstärkt auf ihre Einkaufspreise achten. Die Werbeeinnahmen steigen nicht mehr so wie in den letzten Jahren", weiß Kogel.

Das wird sich vermutlich auch nicht so schnell ändern, meint der Kirch-Vorstand und zeichnet ein düsteres Bild: "Meiner Meinung nach wird 2002 für den Werbemarkt ein Jahr der Stagnation. Erst im Frühjahr nächsten Jahres wird der Werbemarkt mit einem Wachstum zwischen zwei und vier Prozent wieder anziehen." Auch die Kirch ProSiebenSat1 Media AG-Fernsehtochter musste für das vergangene Geschäftsjahr bereits Gewinneinbußen hinnehmen, da sie, wie alle Free-TV-Sender, stark vom Werbemarkt abhängig ist.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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