Werbekampagne läuft ins Leere
Von Träumen und Geschäften

"Träumen wird man wohl noch dürfen." Möglicherweise könnte der Werbeslogan von Quam in Zukunft so lauten. Der frische Wind auf dem Mobilfunkmarkt, den Quam-Chef Ernst Folgmann beim Start von Quam in Deutschland am 22. November versprach, ist zu einem lauen Lüftchen verkommen.

Nach der Milliardeninvestition in die UMTS-Lizenz hat das spanisch-finnische Konsortium Group 3G an einem Konzept gefeilt, das einen erfolgreichen Markteintritt schon vor dem Start der UMTS-Netze in Deutschland garantieren sollte. Dass sich die Konkurrenz nicht gern in ihre GSM-Netz-Kuchenaufteilung hineinpfuschen lassen würde, war klar. So hat man zwar in E-Plus einen Geschäftspartner gefunden, deren Netzinfrastruktur für die Vermittlung der Quam-Gespräche genutzt wird. Auch Viag Interkom zeigte sich bezüglich der Vermittlung von Quam-Gesprächen ins E2-Netz kooperativ.

Die zwei Großen, T-Mobile und Vodafone, lassen sich aber lange Zeit, um die Anwahl eines Quam-Kunden aus ihren Netzen zu ermöglichen. Darauf hat Quam mit einem Boykott der besonderen Art reagiert. Man torpediert das eigene Geschäft mit einem Verkaufsstopp. Böse Zungen behaupten, der Münchener Mobilfunkanbieter habe sowieso kaum Kunden seit dem Verkaufsstart gewinnen können. So würde dann auch der Boykott der eigenen Produkte keinen wirklichen Schaden nach sich ziehen.

Ein oberflächlicher Besuch der Quam-Website vermittelt nichts von Problemen und/oder Schwierigkeiten. Auch der Hinweis, dass der Vertrieb der Produkte bis möglicherweise Anfang 2002 ausgesetzt bleibt, findet man dort auf den ersten Blick nicht. Wie so oft, klärt erst der Blick in den Pressebereich auf. Dort erfährt man, dass die erst kürzlich eröffneten Shops zu Beratungs- und Informationszentren umfunktioniert wurden und werden. Die Bestandskunden können die Dienste von Quam natürlich weiter nutzen. Wenn auch einigen durch den Kopf gehen mag: "Ich habe einen Traum - Ich würde gern problemlos auch aus den D-Netzen erreichbar sein."

Die millionenschwere Werbekampagne mit dem Slogan "Ich habe einen Traum" läuft natürlich ins Leere, wenn der Endkunde das beworbene Produkt nicht umgehend kaufen kann. Dass der Eintritt in den einst stark umkämpften, mittlerweile aber auch gesättigten deutschen Mobilfunkmarkt nicht leicht werden würde, war den Konzernen hinter Quam, Telefonica und Sonera, sicher klar. Aber als diese Entscheidung fiel, herrschten noch andere Zeiten. Die Wirtschaft boomte und auf Träumen basierten scheinbar funktionierende Geschäftsmodelle. Die vielen zerplatzten Seifenblasen der vergangenen Wochen und Monate belehrten Anleger und auch die betroffenen Unternehmer selbst eines Besseren. Auch heute darf man sicherlich noch träumen, nur sollte man sich davon keinen Profit erwarten.

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