Werbekampagne soll in sechs Jahren fruchten
Industrie buhlt in Hannover um Nachwuchs

Die Hannover-Messe soll der deutschen Industrie in diesem Jahr nicht nur die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ersehnten Impulse gegen drohende Wachstumseinbußen geben. Wichtige Branchen wie der Maschinenbau und die Elektrotechnik wollen in Hannover auch eine von der Konjunktur unabhängige Wachstumsbremse lösen helfen: den seit Jahren beklagten Ingenieurmangel.

Reuters HANNOVER. Mit einer bislang einmaligen Werbeaktion bei Schülern und Studenten unter dem Motto "Go for High Tech" wollen deutsche Aussteller am kommenden Samstag die Jugend für sich gewinnen. Nach Angaben von Messe-Chef Klaus Goehrmann haben sich 15 000 junge Leute aus ganz Deutschland bei 250 Ausstellern angemeldet, die Sonderbusse zur Verfügung stellen und die Aktion finanziell unterstützen.

Nicht nur die neuen Technologiebranchen ringen seit Jahren um Nachwuchs, was im vorigen Jahr zu der Einführung der befristeten Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis ("Green Card") für ausländische Softwareingenieure führte. Ebenso leiden auch die traditionellen Industriebranchen unter fehlenden Interessenten für die Ingenieurberufe. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) als Mitveranstalter der Aktion nennt in Hannover für seine Branche derzeit einen jährlichen Bedarf an 10 000 Ingenieuren, Tendenz weiter steigend, da der Bedarf in den nächsten Jahren stärker wachsen werde als die Zahl der Hochschulabgänger an den Universitäten.

Die im Zentralverband Elektronik- und Elektrotechnik (ZVEI) organisierten Unternehmen könnten nach einer Verbandserhebung bis 2005 jedes Jahr 13 000 Ingenieure einstellen. In diesem Jahr sei nur mit 8000 Studienabschlüssen zu rechnen. "Ein Ingenieur schafft im Durchschnitt 3,5 andere Arbeitsplätze", sagte ZVEI-Präsident Dietmar Harting. Somit könnten in Deutschland mehrere zehntausend zusätzliche Stellen geschaffen werden, wenn im Maschinenbau oder in der Elektrotechnik alle freien Stellen besetzt werden könnten.

Industrie räumt Versäumnisse ein

Die Industrie räumt inzwischen auch eigene Versäumnisse freimütig ein. "Wir haben Anfang der 90er-Jahre das Feld der Nachwuchswerbung nicht mit der notwendigen Professionalität und Intensität betrieben", sagt VDMA-Präsident Eberhard Reuther. Vor fünf Jahren seien dann die ersten Warnungen vor den Folgen eines Ingenieursmangels noch ignoriert worden. Heute seien es die fehlende Fachkräfte, die das Wachstum bremsen würden. "Und das Problem ist kein deutsches. In Frankreich, Italien oder in der Schweiz sieht es ähnlich aus."

Allerdings werden frühestens in sechs Jahren zusätzliche Ingenieure bereitstehen, wenn die neuen Werbekampagnen für ein Ingenieurstudium fruchten sollten. Außerdem haben die Hochschulen oftmals zu wenig Professoren für zusätzliche Studenten. Bis in Deutschland ausreichend Nachwuchs ausgebildet ist, gehe es darum, ältere Fachkräfte neu zu qualifizieren. Im Zuge der EU-Erweiterung seien auch Fachkräfte aus Osteuropa eine denkbare Lösung, sagte VDMA-Präsident Reuther. "Wir brauchen jetzt Talente aus allen Ländern".

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