Werbekampagne überzieht Hansestadt
Optimismus bei Hamburgs Olympia-Planern grenzenlos

Sechs Monate vor der nationalen Vorentscheidung strotzen Hamburgs Olympia-Planer vor Selbstbewusstsein. Mit dem Konzept der "Spiele am Wasser" könne die 1,7-Millionen-Stadt als potenter Wettbewerber auch gegen Welt-Metropolen wie Paris und New York antreten, so das Kalkül der "Hamburg für Spiele 2012 GmbH".

HB/dpa HAMBURG. Die Hansestadt sei im Vergleich zu den Mitbewerbern Stuttgart, Leipzig, Frankfurt/Main und Düsseldorf zweifellos die attraktivste Stadt, meint Bürgermeister Ole von Beust (CDU).

Nach anfänglichem Zögern haben Politiker und Kaufleute an der Elbe erkannt, dass allein eine Olympia-Bewerbung einen enormen Image- Gewinn mit sich bringt. So gründeten elf Unternehmen einen "Premium Club", in den jedes Mitglied 250 000 ? einzahlen muss. Mit dem Geld soll der Großteil der sechs Mill. ? Bewerbungskosten bis zum April 2003 abgedeckt werden, die je zur Hälfte Stadt und Wirtschaft tragen.

Die Begeisterung der hanseatischen Wirtschaft für das mehr als 2 Mrd. ? teure Mammutprojekt hat sich auch auf die Bevölkerung übertragen. Kein Hamburger kann sich mittlerweile mehr der aufwendigen Werbekampagne "Feuer und Flamme für Hamburg 2012" entziehen: Das Logo mit dem Flammen-Emblem ziert Plakatwände, Linienbusse und 600 Fahrzeuge der Feuerwehr. Inzwischen liegt die Akzeptanz der Olympia-Idee bei den als notorisch unterkühlt geltenden Hamburgern bei 80 % - so wie in den anderen Bewerberstädten.

Die Hamburger Pläne seien ausgereifter als die der Mitbewerber, gibt sich der Leiter des Sportamtes und Initiator der Bewerbung, Hans-Jürgen Schulke, überzeugt. Um Zweifel am Sportstandort Hamburg auszuräumen, brachte der Senat zwei Tage vor dem Besuch der Prüfungskommission des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) am Donnerstag den Bau einer dringend benötigten Leichtathletikhalle auf den Weg. Auch will sich die Elb-Metropole für die Special Olympics 2004 - neben den Paralympics die größte Sportveranstaltung für Behinderte - bewerben.

Das "überzeugende Sachkonzept" mit der Olympia-Stadt in der geplanten Hafencity, dem größten Bauvorhaben Europas, lobt auch Sven Güldenpfennig. Deutschlands einziger Olympia-Professor wurde im Mai aus Berlin angeheuert und erhielt einen Lehrstuhl an der Hamburger Universität. Der 59-Jährige sieht sich selbst als unabhängigen "Libero" und steht den Machern beratend zur Seite. "Ich bin beeindruckt von der Ernsthaftigkeit der Bewerbung, denn mit kurzatmigen Aktivitäten gewinnt man keinen Blumentopf", so Güldenpfennig.

Begeistert von der Hamburger Olympia-Idee zeigte sich auch Franz Beckenbauer, der die Fußball-WM 2006 nach Deutschland geholt hat, bei seinem Besuch in dieser Woche: "Hamburg ist eine der schönsten Städte Europas. Die Chancen stehen bestimmt nicht schlecht", meinte der "Kaiser". Doch Güldenpfennig warnt vor zu viel Euphorie: "Der Favorit ist selten der Gewinner gewesen. Hamburg hat zwar international gute Aussichten, aber traditionell fehlt dem Norden im NOK die Lobbystärke."

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