Werbekunden nehmen Auflagen-Zahlen unter die Lupe
Motor-Presse drohen Sanktionen

Der Verdacht gegen die Verlagsgruppe Motor-Presse erhärtet sich: Das Selbstkontrollgremium IVW bestätigt Abweichungen der gemeldeten von den tatsächlichen Auflagen.

HB DÜSSELDORF. Bei Werbekunden herrscht Verunsicherung, welchem Verlagshaus sie die regelmäßig gemeldeten Auflagenzahlen noch glauben können. War diese Statistik bislang Grundlage für Anzeigenpreise und Leistungsvergleiche, so beschädigt der Fall der Verlagsgruppe Motor-Presse Stuttgart (MPS) das gesamte System. Der Stuttgarter Verlag (Auto Motor und Sport, Connect, Men?s Health) war durch Auflagen-Falschmeldungen an die Bonner Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) in die Schlagzeilen geraten.

Die Manipulationen bei der Meldung von Auflagen hätten einen Umfang angenommen, "der noch nie vorgekommen ist", sagt Michael Schallmeyer, Geschäftsführer der neutralen Kontrollstelle IVW. Gleichzeitig bestätigte Schallmeyer dem Handelsblatt, dass die von einer MPS-Tochter gemeldeten Auflagen für das dritte und vierte Quartal 2000 sowie für das erste Quartal 2001 "nicht den tatsächlichen Prüfungen entsprachen". In der Tat seien 16 Zeitschriftentitel des Verlages "mehr oder weniger von unzutreffenden Auflagen-Meldungen betroffen". Darunter befindet sich auch das Flaggschiff des Verlages, "Auto Motor und Sport" mit einer Auflage von rund 500 000 Stück.

Die genauen Abweichungen wird die IVW erst in etwa zwei Wochen veröffentlichen. Wie es in Branchenkreisen heißt, habe der Stuttgarter Verlag bei manchen Ausgaben eine um 10 bis 12 % überhöhte Auflagenzahl gemeldet. MPS bezeichnet sich selbst als führender Verlag für Spezialzeitschriften in Deutschland und verlegt mehr als 200 Titel selbst oder in Lizenz. Im vergangenen Jahr erzielte die Gruppe einen Jahresumsatz von 704 Mill. DM.

Eine Stellungnahme war aus dem Stuttgarter Verlagshaus nicht zu erhalten. Man habe mit der IVW Stillschweigen vereinbart, so eine Sprecherin. Anfang vergangener Woche war den Werbekunden mitgeteilt worden, die Prüfungen der Auflagenmeldungen seien noch nicht abgeschlossen. Aber die Nervosität in dem als seriös geltenden Verlag wächst. Denn die Konsequenzen aus den Falschmeldungen könnten die Werbeumsätze verhageln.

Die Werbekundschaft zieht bereits Konsequenzen. Gegenüber der MPS seien "ein paar Fragezeichen entstanden", so Dietmar Rehker, Geschäftsführer der Mediacom Europe, einer der größten deutschen Mediaagenturen, die auch für VW Anzeigen schaltet. Seine Agentur prüfe zur Zeit alle IVW-Auflagenmeldungen aus Stuttgart. "Das kann zu Nachforderungen gegenüber Motor-Presse führen, weil wir unter Umständen zu viel gezahlt haben", so Rehker. Das Vertrauen in IVW-Zahlen insgesamt hat er noch nicht verloren, sie seien immer noch eine Art Gütesiegel.

Mit welchen Sanktionen der Verlag zu rechnen hat, wird die IVW nicht vor kommender Woche bekannt geben. Eine Rüge sei aber nicht ausreichend, so Schallmeyer. Härteste Strafe wäre der Ausschluss aus der IVW. Werbekunden könnten dann nicht mehr auf geprüfte Auflagenzahlen zurückgreifen. Der Ausschluss gilt in Kreisen der IVW aber als unwahrscheinlich. Man wolle keinen Verlag in seiner Existenz treffen, hieß es.

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