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Werberat kritisiert Kampagnen von Internetfirmen

Geschmacklose Werbekampagnen junger Internetfirmen geraten zunehmend in die Kritik. Wie der Deutsche Werberat am Dienstag in Berlin berichtete, hat sich die Zahl der beanstandeten Werbungen von Internetunternehmen von 20 auf 54 fast verdreifacht.

dpa BERLIN. Dot.com-Firmen wollten rasch bekannt werden. Einige von ihnen sähen einen Weg dahin in aggressiver Werbung. So wurde nach dem Eingriff des Werberats der TV-Spot einer Internetplattform vom Bildschirm verbannt, der drei Männer ohne Arme und Beine zeigte. Auch die Nahaufnahme einer blutverschmierten Pistole, mit denen blutige Hände direkt auf den Betrachter der Anzeige für einen Börsengang zielten, wurde zurückgezogen.

Mit solchen pseudokreativen Kampagnen verschlechtern die Firmen nach Einschätzung des Werberats-Vorsitzenden Jürgen Schrader nur ihr Image und das ihrer Produkte - und verspielen so ihren Werbeetat. "Aufsehen ist noch kein Ansehen." Der Werberat, von der Wirtschaft, Medien und Werbeagenturen getragen, dient als Konfliktregler in Sachen Werbung. Rund 1140 Menschen und Institutionen beschwerten sich im vergangenen Jahr bei dem Bonner Selbstkontrollorgan über 332 Werbungen. 1999 waren 253 Spots, Anzeigen und Plakaten auf rund 400 Beschwerden gestoßen.

Die meisten der Beschwerden waren für den Werberat unbegründet. In gut einem Drittel jedoch wurden die Werbemaßnahmen beanstandet. 82 wurden daraufhin zurückgezogen, acht geändert und drei öffentlich gerügt, weil sie trotz Beanstandung weiter geschaltet wurden. Eine der Rügen erhielt die zum italienischen Benetton-Konzern gehörende Bekleidungsfirma Sisley. Auf einem Plakat für Schuhe wurde das teilweise nackte Gesäß einer Frau gezeigt.

Auch der Fernsehsender RTL II bekam für die Werbekampagne zur TV- Serie "Expedition Robinson" eine öffentliche Rüge. Auf Plakatflächen und in Anzeigen lag ein nacktes Pärchen am Boden. Die Geschlechtsteile waren deutlich zu sehen. Religiöse Gruppen und Einzelpersonen empfanden dies als "schamlose und die Menschenwürde verletzende Werbemaßnahme".

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