Werberückgänge
Radio-Vermarktung steht Umbruch bevor

Der deutschen Radio-Werbevermarktung steht möglicherweise ein Umbruch ins Haus: Wie das Handelsblatt aus Senderkreisen erfuhr, könnte künftig der Werbeverkäufer der RTL-Senderfamilie, IP Deutschland, wieder in das Radiogeschäft einsteigen.

HB HAMBURG. Bislang wird der deutschlandweite Spot-Verkauf von zwei Anbietern dominiert, nämlich von der privaten Radio Marketing Service (RMS), sowie vom Vermarkter der ARD-Sender, AS&S.

Vor drei Jahren hatte sich IP aus der Hörfunkspot-Vermarktung verabschiedet, um sich auf die TV-Sender zu konzentrieren. Mit einem möglichen Verkauf der zwölf Radiobeteiligungen der AVE, einer Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, an RTL Radio Deutschland könnte der RTL-Vermarkter wieder in den Radiomarkt einsteigen. RTL Radio würde dann über 20 Rundfunkbeteiligungen verfügen und zum mit Abstand größten privaten Radiogesellschafter aufsteigen. Kaufgespräche über die Radio- und TV-Beteiligungen des Stuttgarter Verlagshauses, zu dem auch das Handelsblatt gehört, wurden von der Bertelsmann-Tochter RTL Group bestätigt. Die Verhandlungen seien auf gutem Wege.

Über 60 % der Werbeumsätze entfallen derzeit auf RMS. Dort sind 143 Radiosender, auch die RTL-Beteiligungen, zusammengefasst. In RTL-Kreisen werden aber die komplizierten Gesellschafterstrukturen der Organisation bemängelt. Sie verhindere den Zugewinn neuer Werbegelder durch maßgeschneiderte Angebote. RMS-Chef Lutz Kuckuck gibt sich gelassen angesichts der möglichen neuen Konkurrenz in der Vermarkter-Szene: "Ich habe keine Befürchtung, dass das RMS-Netz unter einer Vergrößerung der RTL-Radiofamilie leiden könnte."

Fakt ist, dass größere private Radiosender wie Antenne Bayern sind bereits über eigene Vermarkter verfügen. Obwohl die Sender ihre nationalen Werbeangebote über RMS verkaufen lassen, sind die Sender-eigenen Firmen wie Spot Com zusätzlich auf der Jagd nach viel versprechenden nationalen Werbekunden. Dabei handele es sich um "reine Vorsorge", falls der RMS-Verbund zerbreche, so ein Insider. Der Weggang des jetzigen RMS-Geschäftsführers Kuckuck zur Verlagsgruppe Madsack Anfang 2003 verunsichere die Gesellschafter zusätzlich.

Auch bei den Werbeeinnahmen stehen die Sender vor unsicheren Zeiten. In den Jahresprognosen ist zur Zeit nur wenig Musik. "Wir werden zum Jahresende besser abschließen als der Durchschnitt", so RMS-Chef Kuckuck. Die Brutto-Werbeeinnahmen schrumpften von Januar bis Juni laut AC Nielsen um 5,5 % auf 463 Mill. Euro im Vergleich zum Vorjahr. Das liegt knapp unter dem Rückgang, den der gesamte Werbemarkt mit minus 6,1 % im ersten Halbjahr zu verzeichnen hat. Die Hörer-Reichweiten der Privaten gingen laut der neuen Media-Analyse leicht zurück. Die ARD-Programme legten bei den Hörer-Zahlen dagegen leicht zu.

Quelle: Handelsblatt

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