Werbeunterbrechung im Fernsehen soll kürzer werden
Die Show kommt gut an

Die Aussichten für Medienaktien sind unterschiedlich. Fernsehgesellschaften spüren die konjunkturelle Abkühlung, internationale Unterhaltungskonzerne gelten als lukrativ.

abo/and/kk/rez/nac DÜSSELDORF. Vorbei sind die gemütlichen Zeiten, in denen Fernsehzuschauer während der Werbepausen in aller Ruhe Bier, Chips und Süßigkeiten aus der Küche holen konnten. Demnächst dürften Sprinterqualitäten gefragt sein: Die Werbeunterbrechungen werden deutlich kürzer. Was so manchen TV-Freund vor logistische Snack-Probleme stellt, sorgt an den Börsen dafür, dass Aktionären der Appetit auf Medienaktien vergeht.

Nach dem jahrelangen Wirtschaftsboom in den USA hat sich die Konjunktur in den vergangenen Monaten deutlich abgekühlt. Und auch die Verbraucher verlieren ihr Vertrauen in die Wirtschaft und geben ihr Geld nicht mehr so leicht aus wie noch zu Beginn des vergangenen Jahres. Die Unternehmen wissen das und preisen ihre Produkte nicht mehr so aggressiv an.

Zum ersten Mal seit 1991 geben die US-Unternehmen spürbar weniger Werbung in Auftrag. Das gilt vor allem für die kostspielige Fernsehwerbung. Die wichtigste Einnahmequelle für TV-Anstalten sprudelt damit deutlich langsamer. Fernsehsender sind derzeit das schwächste Mediensegment in den USA und müssen einen Umsatzrückgang von sieben bis zwölf Prozent verkraften.

Abkühlende Konjunktur macht sich bemerkbar

Auch in Europa macht sich die abkühlende Konjunktur langsam bemerkbar. So senkte beispielsweise Lehman Brothers diese Woche die Schätzungen für Werbeeinnahmen in Europa erheblich. Kirchs Konzern Pro Sieben Sat.1 Media bekam die Auswirkungen der Flaute deutlich zu spüren und musste an der Börse massive Kursverluste hinnehmen. "Besonders TV-Anstalten sind erheblich anfällig für konjunkturelle Werbeschwankungen", erläutert DIT-Fondsmanager Stephan Eger. Ob sich die Medienwerte nach dem Platzen der Kursblase im vergangenen Jahr bald schon wieder erholen werden, wird bei manchen Experten bezweifelt. Für die Medienbranche spricht allerdings die grundlegende Entwicklung, dass sich der Medienkonsum in der Vergangenheit stärker als die gesamte private Nachfrage entwickelt hat.

Ohnehin gibt es innerhalb der Medienbranche auch noch andere Untersektoren, die weniger konjunkturabhängig sind. So glaubt etwa Merrill Lynch, dass sich Kabel- und Bezahlfernsehveranstalter gegen den Trend stemmen können. Ihre Begründung: "In einer Rezession verbringen die Konsumenten mehr Zeit zu Hause. Ihre Ausgaben für Heimunterhaltung und Kommunikation reduzieren sie dabei nicht." Als aussichtsreicher Wert gilt bei Analysten der britische Sender BSkyB, der bei den Abonnentenzahlen auch in den ersten Monaten des Jahres noch zulegen konnte. Als belastend könnten sich hier jedoch einige Verlust bringende Beteiligungen erweisen. Gute Perspektiven werden den Programmproduzenten eingeräumt: Medien wie DVD, Video-On-Demand und das Internet müssen mit immer neuen Inhalten bestückt werden, um attraktiv zu sein. "Die Unterhaltungsindustrie gehört zu den Hauptwachstumsträgern der Medienbranche", glaubt Fondsmanager Eger. Gute Noten erhält der frisch fusionierte Medienkonzern AOL/Time-Warner, der durch seine diversen Tätigkeitsfelder relativ unabhängig vom Fernsehgeschäft ist. Auch Vivendi Universal gilt nach der Fusion als Aktientipp. Merrill Lynch hält das französische Unternehmen sogar für günstiger bewertet als den amerikanischen Konkurrenten. Bei Walt Disney sorgen vor allem die Erfolge auf dem immer stärker werdenden DVD-Sektor für positive Stimmung.

In Frankreich sorgen zurzeit neben Vivendi Universal vor allem Print- und Werbeaktien für Aufmerksamkeit. Letztere sind besonders wegen ihrer forcierten internationalen Expansion gefragt. Mit Havas Advertising und Publicis sind in Paris jene beiden Werbeholdings notiert, die den weltweiten Konzentrationsprozess der Branche durch ihre Zukäufe wohl am stärksten mitgestalten. Beide haben sich im vergangenen Jahr in den USA mehrfach verstärkt und gehören am führenden Werbemarkt der Welt inzwischen zu den größten Akteuren. Generell geben Analysten und Fondsmanager den großen internationalen Konzernen zurzeit den Vorzug vor regionalen Hoffnungswerten. Besonders den diversen Filmrechtehändlern am Neuen Markt wird eine ungewisse Zukunft beschieden. Viele von ihnen konzentrieren sich stark auf den deutschen Markt und sind hier auf das Wohlwollen der großen Fernsehkonzerne Kirch und RTL angewiesen. Besser ist die Stimmung für ein Unternehmen wie Constantin Film, das mit erfolgreichen Produkten und verlässlichen Prognosen das Vertrauen der Anleger gewonnen hat. Ganz im Gegensatz zu EM.TV: Den Haffa-Konzern fasst in der schwer durchschaubaren Situation zurzeit kein professioneller Investor an.

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