Werbung auf den Autos von Jordan – Heinz-Harald Frentzen unter Vertrag
Durch die Formel 1 soll der Halbleiterhersteller Infineon zum Markenbegriff werden

jojo MÜNCHEN. Gewiss, es waren auch Ruderer und Mountainbike-Fahrer da, die Infineon fördert. Ulrich Schumacher ließ allerdings keinen Zweifel daran, in welche Sportart die Millionen aus München künftig fließen werden - in den Motorsport. Rechts oben auf der Bühne, für die tausend Mitarbeiter der Infineon AG nicht zu übersehen, thronte bei einer großen Gala der gelbe Formel-Eins-Rennwagen des Jordan-Teams, des wichtigsten Sponsor-Partners von Infineon.

Auch wenn sich der autobegeisterte Chef des Chipherstellers nicht hinreißen ließ, Zahlen zu den Sponsoring-Aktivitäten des Unternehmens zu nennen: Um Infineon intern und extern ins rechte Licht zu rücken, greift Schumacher offenbar tief in die Kasse. Heinz-Harald Frentzen, neben Michael und Ralf Schumacher der bekannteste deutsche Formel-Eins-Fahrer, geht schon seit zwei Jahren für die Münchener auf Werbetour.

Für die in zwei Wochen startende neue Saison hat nun auch Frentzens Arbeitgeber Jordan das Logo auf seine Autos geklebt. Damit nicht genug der großen Namen. Mario Andretti, in die Jahre gekommene Rennsport-Legende aus den USA, hat für Infineon ebenfalls die Zahl seiner Werbepartner aufgestockt. "Es geht weniger um die Produkte selbst", charakterisiert Vorstandschef Schumacher seine Ziele mit den Autorennen, "sondern um das Image und den Bekanntheitsgrad für uns als Börsenwert." Kurspflege auf dem Asphalt statt Analystenkonferenz.

Infineon hat reichlich Vorbilder von Unternehmen, die mit der Formel Eins gut gefahren sind. Zuletzt hat es sogar die behäbige Deutsche Post geschafft, ihr Image über die Rennautos zu steigern - mit der gleichen Marke, auf die jetzt auch Infineon setzt. Ob Post und Infineon durch Jordan mit Erfolg in Verbindung gebracht werden, ist allerdings fraglich: In der vergangenen Saison sah Frentzen meist nur die Rücklichter von Schumacher & Co.

Experten der Halbleiterbranche halten das Engagement aber für durchaus sinnvoll. "Auch Chiphersteller müssen Marken aufbauen", sagte der unabhängige Branchen-Analyst Malcolm Penn vergangene Woche auf einer Infineon-Veranstaltung in München. Bestes Beispiel für den gelungenen Markenaufbau im Halbleiterbereich: "Intel inside" kennt heute jeder Computerbenutzer.

Schumacher verspricht sich vom Rennzirkus auch technologische Impulse. "Wir helfen Infineon ihre Sachen zu verkaufen und tolle Produkte zu entwickeln", ergänzt Teamchef Eddie Jordan. Infineon ist unter anderem in der Automobilelektronik tätig und soll in diesem Bereich künftig Jordan ausrüsten. Der Rennstall bezieht seine Elektronik bislang vom Konkurrenten McLaren. "Kurzfristige Auswirkungen auf das Geschäft" erwartet Infineon-Boss Schumacher nicht von der Präsenz auf Rennwagen und Mattscheibe. Langfristig soll sich das Ergebnis aber schon verbessern.

Jenen Mitarbeitern, die am Montag Abend die Vorstellung der Stars miterleben durften, empfahl Schumacher vorsorglich, die positiven Nachrichten an die Kollegen weiter zu geben. So mancher hätte nämlich gefragt, was das Formel-Eins-Engagement denn soll. Heinz-Harald Frentzen inmitten schöner Autos und bei gutem Essen zu erleben, dürfte zumindest kurzzeitig die kritischen Fragen beantwortet haben. Und wer dann auch noch gut arbeitet, dem überlässt Schumacher vielleicht einmal eine der begehrten Formel-Eins-Karten, die Infineon als Sponsor jetzt bekommt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%