Werbung auf der Hülle
Kunststoff-Verpackungen verdrängen Glas

Die Verpackungsmittelbranche hat ihren Umsatz im vergangenen Jahr um fünf Prozent gesteigert. Allerdings legten nicht alle Sparten zu - Glas verliert zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Hersteller. Verpackung wird immer mehr zum Werbemittel.

 

DÜSSELDORF. Kinderüberraschung, Viagra, Anti-Falten-Creme und Dosenbier haben eines gemeinsam: Sie brauchen eine Verpackung, um unbeschadet zum Kunden zu gelangen. Hinter den Schachteln, Dosen und Hüllen steht eine gewaltige Branche. In Europa sind es rund 20 000 - meist mittelständische - Unternehmen. Sie produzieren Verpackungen und Packmittel im Wert von 85 Mrd. Euro, wie die IKB Deutsche Industriebank in einer Studie errechnete. Und die Branche hat ein gutes Jahr hinter sich: In Deutschland stieg die Produktion 2001 um 5 % auf rund 23 Mrd. Euro.

In den kommenden Tagen präsentiert die Verpackungsindustrie ihre Produkte auf den zwei größten Fachmessen. Die Essener Metpack öffnet heute ihre Tore. Sie hat sich auf Maschinen zur Herstellung von Metallverpackungen spezialisiert. Einen Tag später beginnt die Düsseldorfer Interpack, die weltgrößte Messe für Packmittel und Verpackungsmaschinen.

Die Verpackungslandschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Behälterglasindustrie litt unter dem Einzug der PET-Flaschen. Der Absatz von Wasser-, Cola- und Limonadenflaschen aus Glas schrumpfte im vergangenen Jahr um knapp 50 %. Nur das sehr gute Exportgeschäft habe der Glasindustrie geholfen, ihren Umsatz um 3 % auf 1,5 Mrd. Euro zu steigern, berichtet die Fachvereinigung Behälterglasindustrie. Für das laufende Jahr erwartet die Branche weitere Einbußen durch den Einzug der Kunststoffbehälter. Glas macht inzwischen nur noch 6 % des gesamten produzierten Packmaterials aus. Experten gehen davon aus, dass der Markt weitgehend gesättigt ist.

Die Nachfrage nach Kunststoffverpackungen soll dagegen weiter wachsen. Schon heute ist Kunststoff mit einem Anteil von 38 % am Produktionsvolumen aller Verpackungsmittel die größte Branche. Seit der letzten Interpack vor drei Jahren stieg der Umsatz der Kunststoffpackmittel um 19 % auf 8,8 Mrd. Euro, wie der IK Industrieverband Kunststoffverpackungen mitteilt. Alleine die Kunststoffflaschen legten wertmäßig um 25 % und mengenmäßig um 42 % zu. PET-Flaschen werden wegen ihres geringen Gewichtes vom Endverbraucher stark nachgefragt.

Für das laufende Jahr hält Michael Rathje, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands, eine wertmäßige Steigerung der Produktion um 3 bis 5 % für möglich. Insbesondere die Schmalbach AG, -Lubeca Ratingen, profitiert von diesem Trend. Im vergangenen Jahr steigerte sie ihren Umsatz um 15 % auf 2,9 Mrd. Euro.

Auch die Papp- und Papierindustrie wuchs im vergangenen Jahr leicht. Die Produktionsmenge stieg um 2 %, der Umsatz stagnierte allerdings bei 7,5 Mrd. Euro. Die Tetra Pak GmbH, Hersteller von Getränkekartons, legte sogar um 5 % zu. Auch die SIG Combiblock-Gruppe verkaufte 9 % mehr Getränkekartons und Abfüllanlagen. Faltschachteln, Getränkekartons und Papphüllen machen den zweitgrößten Anteil am Verpackungsvolumen aus. Er hat sich 2001 auf knapp 36 % erhöht. Für 2002 erwartet die Branche "den gleichen Volumenbedarf" wie im vergangenen Jahr.

Die Zeiten, in denen eine Verpackung einfach nur praktischer Schutz sein musste, sind lange vorbei. Sie soll die Ware hygienisch verpacken, wiederverschließbar, leicht und recyclingfähig sein. "Die Markenartikelindustrie hat erkannt, dass es nicht ausreicht, lediglich ein hervorragendes Produkt einzuführen", sagt Ernst Brendl, Präsident der Interpack. Auch das "Drumherum" müsse stimmen, der "Hang zur Bequemlichkeit" bedient werden. Die Verpackung wird immer mehr zum Werbemittel und Verkaufsförderungsinstrument. Insbesondere bei Süßigkeiten gilt diese Regel: Egal, ob Osterhase, Herzpraline, Adventskalender oder Überraschungsei - der Inhalt bleibt Schokolade.

Den Herstellern von Aluminiumverpackungen kommt dieser Trend entgegen. Das Material wird wegen seiner dekorativen Eigenschaft bei Premiumprodukten - etwa im Getränke- oder Kosmetikbereich - eingesetzt. Zusammen mit Feinst- und Schwerblechen, also auch Getränke- und Konservendosen, machte die Branche 2001 einen Umsatz von rund 4,1 Mrd. Euro.

Auch die deutsche Verpackungsmaschinenindustrie blickt auf ein kontinuierliches Wachstum in den vergangenen fünf Jahre zurück: Das Produktionsvolumen 2001 wird auf 3,6 Mrd. Euro geschätzt. Im Vorjahr lag es bei rund 3,4 Mrd. Euro.

Von STEFANIE SCHARBAU, Handelsblatt

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