„Werde kämpfen wie ein Löwe“: Fan-Demonstration rettet Augenthaler

„Werde kämpfen wie ein Löwe“
Fan-Demonstration rettet Augenthaler

Die zweitligareifen Spieler lassen Klaus Augenthaler im Abstiegskampf schmählich im Stich, aber nicht die Fans. Mit einer in der Fußball-Bundesliga nach einer Niederlage beispiellosen Demonstration für den Trainer zwangen die Anhänger des 1. FC Nürnberg sogar den unberechenbaren Präsidenten zu einem höchst bemerkenswerten Salto rückwärts.

HB/dpa NÜRNBERG. "Wenn wir absteigen, dann mit Klaus Augenthaler", verkündete Michael A. Roth am Sonntagabend nach der ernüchternden 0:3-Niederlage des Tabellenvorletzten gegen Hertha BSC, als alle mit einer Entlassung des Trainers gerechnet hatten.

Das von Roth vor dem Spiel gestellte Ultimatum - "siegen oder fliegen" - galt plötzlich nicht mehr. Am Montag setzte der mächtige Präsident bei seiner Rückendeckung für den Trainer sogar noch einen drauf: "Wenn es nicht reicht, gehen wir mit Klaus Augenthaler auch in die 2. Liga", sagte Roth bei einer Pressekonferenz in Nürnberg. Augenthaler hat noch einen Vertrag bis 2004.

Der eindrucksvolle Volksentscheid am Abend zuvor im Stadion hat die üblichen Mechanismen des Profi-Fußballs in Nürnberg - vorerst - außer Kraft gesetzt und überwältigte den in Sprechchören ("Außer Auge könnt Ihr alle gehen") gefeierten Coach: "Ich glaube, das gibt es bei keinem anderen Verein", meinte Augenthaler sichtlich bewegt, nachdem er eine Viertelstunde nach Spielschluss auf Drängen von Manager Edgar Geenen zu den wartenden Fans in die Nordkurve gegangen war: "Ich war in der Kabine bei der Mannschaft. Edgar Geenen kam zu mir und sagte, ich soll "rausgehen, sonst reißen die Fans den Zaun nieder."

Die Ovationen der Fans, die gleichzeitig die Spieler gnadenlos auspfiffen, gingen dem Weltmeister von 1990 spürbar nahe. "Es tut innerlich weh, wenn man den Fans nicht mehr Punkte bieten kann", sagte Augenthaler unter dem Eindruck der bitteren Niederlage, für die vor 25 500 Zuschauern im Frankenstadion Michael Preetz (15.), Torben Marx (40.) und Marcelinho (85.) mit ihren Toren gesorgt hatten.

Das Fan-Votum riss wenigstens Augenthaler aus der nach Spielende um sich greifenden Depression im Frankenland. "Für diese Fans muss man alles tun. Ich werde kämpfen wie ein Löwe", verprach Augenthaler Durchhaltewillen bis zum letzten Spieltag. In ihm erwachte sogar ein neuer Kampfgeist, der unmittelbar nach dem Abpfiff erloschen schien: "Ich beschäftige mich auf keinen Fall mit der 2. Liga."

Die Vereinsführung schon. Schließlich ist der verschuldete "Club" das schlechteste Rückrundenteam. Roths klares Votum für Augenthaler war keineswegs nur in der Eigendynamik des Fan-Aufstands begründet. Der Präsident traut es offenbar auch einem anderen Trainer nicht zu, den sechsten Bundesliga-Abstieg des "Club" zu vermeiden. "Wir haben einen Kader, der scheinbar die Bundesliga nicht schafft", sagte Roth unter dem Eindruck der 90 Minuten: "Ich könnte mir vorstellen, dass es mit einem anderen Trainer sogar noch schlechter werden könnte. Da bleiben wir lieber bei unserem beliebten Klaus Augenthaler." Manager Geenen dementierte überdies Gespräche mit Alternativ-Trainer wie Winfried Schäfer: "Schäfer war noch weniger als ein Gerücht."

Trotz der öffentlich beendeten Trainer-Diskussion deuten sich in Nürnberg Auflösungserscheinungen an. "Wir sind schon so gut wie abgestiegen", bemerkte Torhüter Darius Kampa. Herthas Überlegenheit gegen eine "Kindergarten-Mannschaft", wie TV-Kritiker Paul Breitner die Nürnberger bezeichnete, war erschreckend. Zumal die Berliner nur in der ersten Spielhälfte Ernst machten. "Wir haben nicht gut gespielt", kritisierte Trainer Huub Stevens trotz des Vorstoßes der Berliner auf einen UEFA-Cup-Platz: "Ich muss danke sagen, weil Nürnberg nicht mit dem Druck umgehen konnte." Und der Druck auf die "Club"-Profis ist nach dem klaren Votum der Fans und des Präsidenten für Augenthaler sogar noch größer geworden.

dpa kb yyby ce

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