"Werde nicht auf politische Schiene geschoben"
Stange sieht sich nicht als Marionette des Irak

Bernd Stange hat sein umstrittenes Engagement als Fußball-Nationaltrainer des Irak verteidigt und ist mit seinen Kritikern hart ins Gericht gegangen.

HB/dpa LEIPZIG. In einem Interview mit "Sport im Osten" des MDR gab der 54-jährige Thüringer am Sonntag zwar zu, Angst vor den immer bedrohlicher werdenden Meldungen zu haben. Er halte es aber für höchstgradig unfair, wenn sich Politiker jetzt hinstellen und sagen, es sei eine falsche Entscheidung gewesen.

"Drei Monate vor der Vertragsunterzeichnung habe ich die deutsche Botschaft im Irak aufgesucht und gefragt, ob die Unterschrift sinnvoll erscheint. Bis heute habe ich keine Antwort bekommen", rechtfertigte sich Stange.

In einem flammenden Plädoyer bezog er nach den Eindrücken der ersten drei Monate an seinem neuen Arbeitsplatz Stellung. "Es gibt keinerlei Ansätze, dass ich im Irak auf irgendeine politische Schiene geschoben werden soll", sagte er. Für die Politik wünsche er sich feste Regeln wie im Sport.

Er fliege mutig am 4. Januar wieder zurück, sagte der Jenaer, der Weihnachten im Kreise seiner Familie verbringen wird. Gleichzeitig räumte er allerdings angesichts der bedrohlichen politischen Lage ein, "dass ich meine Koffer noch nicht ausgepackt habe". Eine Klausel in Stanges Vier-Jahres-Kontrakt, der ihn zum Trainer der Nationalmannschaft und der Olympia-Auswahl des Irak macht, ermöglicht dem ehemaligen DDR-Auswahltrainer, im Kriegsfall sofort das Land zu verlassen.

"Wenn die Lage wirklich so dramatisch ist, dann müsste der Irak auch aus der Weltgemeinschaft des Sports ausgeschlossen werden", erklärte Stange. Beispielsweise sitze aber der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder, in einer FIFA - Kommission mit dem Vize-Präsidenten des irakischen Verbandes. "Lassen wir mal die Kirche im Dorf", forderte Stange, der vor seinem Engagement im Staat von Diktator Saddam Hussein über ein Jahr arbeitslos gewesen war.

Persönlichen Kontakt zu Saddams Sohn Udai, der Präsident des nationalen Fußball-Verbandes ist, habe er noch nicht gehabt. Er wisse auch nicht, ob er ihn in Zukunft treffen werde, so Stange. Nach seiner Arbeitslosigkeit infolge der Entlassung als Coach des Oman sei er nun wieder ein neuer Mensch: "Drei glückliche Monate liegen hinter mir." Alle Wünsche seien ihm bislang erfüllt worden. Er sei ausgewählt worden aus 15 Bewerbern: "Die Iraker wollten einen deutschen Trainer." Als Coach aus der ehemaligen DDR habe er es schwer gehabt, einen Job zu finden, meinte Stange. "Und meine Chancen bei Hertha BSC und dem VfB Leipzig habe ich aus den verschiedensten Gründen nicht genutzt."

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