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Werden Preise in Euro abgerundet?

Die Länder der Euro-Zone sollen nach Aussage der EU-Kommission steigende Preise im Einzelhandel bei der Umstellung auf das Euro-Bargeld verhindern.

Reuters NÜRNBERG/BRÜSSEL. Die doppelte Preisangabe in Euro und nationaler Währung und andere Schritte für einen transparenten Übergang seien wichtige Instrumente, um Inflationsgefahren vorzubeugen, erklärte die Kommission am Montag in Brüssel. Nach einer Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK dagegen wird in Deutschland der Lebensmittel-Einzelhandel mit der Euro-Bargeldeinführung seine so genannten Schwellenpreise überwiegend abrunden. Denn mit Euro-Preisen, die nach genauer Umrechnung "krumm" seien, drohten Absatzeinbußen.

"Die Gewährleistung stabiler Preise ist wichtig in allen Mitgliedstaaten der Euro-Zone", hieß es in dem Bericht der Kommission zur Euro-Bargeldeinführung, den die Behörde den Finanzministern bereits am Sonntag vorgelegt hatte. Sollten Einzelhändler die Umstellung auf Euro zu Preiserhöhungen nutzen, könne das oberste Ziel der Europäischen Zentralbank - die Sicherung eines stabilen Preisniveaus - gefährdet werden. EU-Währungskommissar Pedro Solbes hatte kürzlich betont, die Einführung des Gemeinschaftsgeldes dürfe nicht zu höheren Preisen führen, so wie das beim Übergang Großbritanniens zu einer Dezimalwährung vor 30 Jahren der Fall gewesen sei.

Die Europäische Kommission verhandele mit Vertretern des europäischen Einzelhandels über eine Vereinbarung zur Gewährleistung stabiler Preise, hieß es weiter. Einige Mitgliedstaaten hätten mit den Branchenverbänden bereits Übereinkünfte zur Garantie transparenter Preise beim Währungsübergang geschlossen. In Deutschland hat sich der Einzelhandelsverband in einer freiwilligen Selbstverpflichtung zu einer transparenten Umstellung der D-Mark- auf Euro-Preise bereit erklärt. Darin heißt es, die Befürchtung von Preiserhöhungen im Zusammenhang mit der Euro-Umstellung seien unbegründet.

Auch die Nürnberger GfK hält die Sorge von Verbraucherverbänden vor Preiserhöhungen für unbegründet. Eine am Montag veröffentlichte Studie kommt vielmehr zu dem Ergebnis, dass vor allem der Lebensmittel-Einzelhandel die umgerechneten Euro-Preise auf mit neun Cent endende Schwellenpreise vorwiegend abrunden wird. Bei einer genauen Umrechnung der zumeist auf 99 oder 49 Pfennig endenden Lebensmittelpreise mit dem Faktor 1,95583 DM je Euro drohten Absatzeinbußen, weil den dann "krummen" Euro-Preisen die Signalwirkung fehle.

Preise mit neun Pfennigen am Ende, die zum Kauf locken sollen, sind der GfK zufolge im Lebensmittelhandel sehr verbreitet. Alleine drei von vier Artikeln, von Frischwaren abgesehen, biete der Handel zu den zehn häufigsten Schwellenpreisen an. "Schwellen- beziehungsweise Eckpreise sind Motor der privaten Nachfrage", stellten die Marktforscher fest. Sie erwarten deshalb, dass die im Einzelhandel am häufigsten vorkommenden Preise von 1,99 DM (17,5 %), 2,99 DM (12,6 %) und 99 Pfennig (11,6 %) auf 0,99, 1,49 und 0,49 Euro abgerundet werden. Der feste Wechselkurs der D-Mark zum Euro beträgt 1,95583 DM je Euro.

Einige Unternehmen könnten nach dem Vorbild der französischen Supermarktkette Leclerc niedrigere "runde" Euro-Preise sogar als Werbemittel nutzen. So habe Leclerc seinen Kunden in einer Werbekampagne versprochen, dass mit dem Euro alles billiger werde und krumme Preise stets nach unten abgerundet würden. Offen sei aber, wer die Einbuße in der Handelsspanne - immerhin knapp 3 % bei einer Abrundung von 1,02 Euro auf 99 Euro-Cent - tragen werde. Die GfK erwartet, dass der Handel die Konsumgüterindustrie stärker als bisher zu niedrigeren Einkaufspreisen drängen wird.

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