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Werder beendet Festwochen mit Party-Offensive

Berlin (dpa) - Zu meisterlicher Form liefen die Bremer erst spät in der Nacht und am nächsten Tag auf. Unmittelbar nach dem mühevollen 3:2-Pokalsieg gegen Alemannia Aachen wirkte die Freude gedämpft und angesichts der wenig berauschenden Leistung noch zurückhaltend.

Berlin (dpa) - Zu meisterlicher Form liefen die Bremer erst spät in der Nacht und am nächsten Tag auf. Unmittelbar nach dem mühevollen 3:2-Pokalsieg gegen Alemannia Aachen wirkte die Freude gedämpft und angesichts der wenig berauschenden Leistung noch zurückhaltend.

Das überschäumende Temperament und die überschwänglichen Gefühlsausbrüche wie nach der Meisterfeier stellten sich bei Werder Bremen nach dem ersten Double-Gewinn in der Vereinsgeschichte erst tief in der Nacht beim Disco-Besuch und am Pfingstsonntag vor 30 000 überglücklichen Fans in der Bremer Innenstadt ein.

«Wir haben noch mal einen draufgelegt. Das war meisterlich und pokalsiegerhaft», kommentierte Sportdirektor Klaus Allofs die unkontrollierte Party-Offensive vor dem Rathaus. Bürgermeister Henning Scherf strahlte mit den ausgelassen, aber friedlich feiernden Fußballfans um die Wette. «Seine Jungs» standen zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen auf dem Rathausbalkon. «Ich kann mich jeden Tag neu freuen und gar nicht satt werden», sagte Scherf.

Einige Profis sehnten nach dem Ende der erfolgreichsten Saison des Vereins dem verdienten Urlaub herbei: «Ich spiele jetzt nicht Fußball, nur Cowboy», freute sich Ailton auf seinen Brasilien-Trip. Der Torjäger und seine Mitstreiter hatten das offizielle Bankett in Berlin schnell verlassen und bewiesen in der Disco und auf der Heimfahrt im ICE großes Stehvermögen beim Feiern. Mit lauten Hallo wurde ein außerplanmäßiger Halt in Hannover gefeiert. Der ehemalige Werder-Präsident Franz Böhmert hatte Appetit auf eine Currywurst.

Trainer Thomas Schaaf, Klaus Allofs und Clubchef Jürgen L. Born hielten in Berlin bis zuletzt aus. «Ihr werdet Gesichter machen, wenn wir hier nächstes Jahr drei Pötte stehen haben», ulkte Born um kurz vor 5 Uhr und lächelte selig. Der Vorsitzende der Geschäftsführung hatte auch Stunden zuvor als Einziger die «historische Leistung» des ersten Doppel-Erfolges mit wuchtigen Worten beschrieben: «Wenn wir bisher von grün-weißen Helden gesprochen haben, dann müssen wir jetzt grün-weißen Göttern sprechen.»

Das mäßige Spiel und das fehlende Überraschungsmoment beim Pflichtsieg gegen den Zweitligisten vor 71 682 Zuschauern drückten nur kurz die Stimmung. «Im Hinterkopf wussten wir ja schon, dass wir den Pokal gewinnen», erklärte Valerien Ismael. Und dann schwirrte manchem auch noch der peinliche Prämienpoker durch den Kopf, mit dem die Vereinsführung die Mannschaft während der Woche nachhaltig verärgert hatte. «Die Feierstimmung hatten wir zuletzt nicht mehr, wir hatten ja zwischendurch auch Ärger», gab Torwart Andreas Reinke zu.

Ailton sagte nach seinem letzten Werder-Spiel vor dem Wechsel zu Schalke 04 in seiner unnachahmlichen Art: «Egal, in Vertrag steht, UI-Cup, UEFA-Cup, Champions League oder Bundesliga - ich muss Tore schießen.» Wie sechs weitere Profis wurde der brasilianische Torjäger beim Bankett im Hotel Ritz Carlton verabschiedet. Angesichts der eigenen Teilnahme an der Champions League gab Allofs dem ebenfalls zu Schalke wechselnden Mladen Krstajic mit auf den Weg: «Wir wünschen Dir alles Gute, auch in den Spielen im UI-Cup.»

Mit Ironie konterte der Manager auch die Fragen nach der Zukunft, die ja nur schwerlich erfolgreicher als die abgelaufene Saison sein könne. «Ich bin total verzweifelt», sagte Allofs süffisant grinsend: «Ich weiß gar nicht, wie es weitergehen soll.» Er sucht bereits nach weiteren neuen Spielern, setzt bei den Planungen aber auch darauf, dass sich Talente wie Tim Borowski durchsetzen, der im Olympiastadion mit zwei Toren der Matchwinner war.

Bei Alemannia Aachen herrschte nach dem zweiten verlorenen «Endspiel» innerhalb einer Woche getrübte Stimmung. Nach dem knapp verpassten Bundesliga-Aufstieg und ordentlicher, aber erfolgloser Gegenwehr im Pokal-Finale ist das «Modell Aachen» gefährdet. Jörg Berger heizte die Diskussion um seine Zukunft als Trainer der Alemannia an, als er sagte: «Es war eine schöne Zeit.» Nach fast drei Jahren scheint sich die Zeit des 59-Jährigen bei den Westdeutschen ihrem Ende entgegen zu neigen. Club-Präsident Horst Heinrichs wollte davon aber nichts wissen. Er erklärte, dass Berger nach seinen Kenntnissen Chefcoach bleibe.

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